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Zehntscheuer Amorbach – früher Steuersäckel der Kurfürsten,
heute kultureller Mittelpunkt der Barockstadt

Über 500 Jahre steht sie schon, die Zehntscheuer in Amorbach. Ursprünglich war sie das „Steuersäckel“ der Mainzer Kurfürsten, kulturell genutzt wurde das historische Bauwerk nach umfangreichen Umbauarbeiten erst in den Sechzigern des 20. Jahrhundert: Als Kino. Zur Kleinkunstbühne wurde die Zehntscheuer 1991.

Dazu machte sie der Kulturkreis, der 2004 sein zwanzigjähriges Jubiläum feierte. Dieser gründete sich demnach 1984 und betrieb in der alten Weberei eine Kleinkunstbühne. Die Räumlichkeiten wurden jedoch schon zwei Jahre darauf wegen Eigenbedarf gekündigt, zeitgleich sollte die Zehntscheuer eine neue Verwendung finden. Deren Zukunft als Spielhölle war eigentlich schon eine beschlossene Sache, was aber durch eine Unterschriftenaktion des Kulturkreises verhindert wurde. Federführend dabei war Hans Jürgen Scheller, damals Vorsitzender des Kulturkreises. Schlussendlich kaufte er das Objekt als Privatperson und der Kulturkreis hatte seine neue Spielstätte. Angestrebt war jedoch, dass der Verein Besitzer des Bauwerks wird – was sich jedoch wegen Schellers Doppelfunktion als Hauseigner und Vereinsvorsitzender nicht realisieren ließ.

Aber der Weg dahin ebnete sich schon bald mit einem neuen Vorsitzenden. Mike Bauersachs gehört schon seit 1990 dem Kulturkreis an, arbeite im Vorstand als Beisitzer mit und übernahm 1997 den Vorsitz. Der Verkauf ging über die Bühne und seit 2001 gehört das Anwesen dem Kulturkreis. Aber der neue Vorsitzende – er kommt aus der Werbebranche - brachte auch noch weitere Neuerungen. Mike Bauersachs sorgte für klare Strukturen, Kontinuität und die Bekanntheit der Kleinkunstbühne über die Stadtgrenzen hinaus. Nun gab es Halbjahrsprogramme in gedruckter Form, ein eigenes Logo, die Pressearbeit wurde aktiviert und im Internet ist die Bühne präsent. Auch in Aschaffenburg, Darmstadt, Wertheim und Mosbach erfuhren die Kleinkunstfans von der kleinen, feinen Bühne in der Barockstadt – wobei die Hessen und Baden-Württemberger von Bayern aus pressetechnisch schwer erreichbar waren.

Inzwischen steht während der zwei Spielzeiten – von März bis Mai und September bis November – fast an jedem Wochenende eine Veranstaltung auf dem Programm. Dieses ist breit gefächert, neben Kabarett werden auch kleinere Theaterproduktionen sowie Konzerte von Klassik bis Pop geboten. Öffentliche Mittel erhält der Kulturkreis nicht, alles muss selbst erwirtschaftet werden und alle Vereinsmitglieder und Helfer arbeiten ehrenamtlich.

Nach dem Kauf der Zehntscheuer spart sich der Verein zwar die Miete, aber ein altes Gemäuer verlangt immer wieder nach Renovierungsarbeiten. In den vergangenen Jahren wurde der schräge Kinoboden auf drei Ebenen in die Gerade gebracht, die Küche entsprechend den Vorschriften komplett erneuert, die Sanitärräume saniert und modernisiert. Sie befinden sich allerdings noch wie zu Kinozeiten gewissermaßen auf der Bühne, Damen links, Herren rechts. Auch die alten Sitzmöbel wurden ausgetauscht, statt Biergarnituren gibt es nun Tische und Stühle. Alles stapel- oder zusammenklappbar, damit es im Bedarfsfall in den Stauraum unter der Bühne passt. Neu ist auch die Licht- und Tonanlage. Soweit möglich erfolgten sämtliche Reparaturen in ehrenamtlicher Eigenarbeit. Finanziert wurde das Material dafür ebenso wie zuvor schon der Kauf durch Spendenaktionen, Benefizkonzerte sowie finanzielle Rücklagen des derzeit 200 Mitglieder starken Vereins. Eine wichtige Einnahmequelle sind auch die Flohmärkte in der Zehntscheuer, jedes Jahr um die Weihnachtszeit.

Veranstaltungstermine werden grundsätzlich mit den örtlichen Vereinen abgesprochen, damit es nicht zu zeitlichen Kollisionen kommt. Einmal im Jahr, zum Frühlingsmarkt, gehört die Zehntscheuer ganz Bevölkerung Amorbachs. Zum zünftigen Dämmerschoppen mit Weizenbier und deftiger Brotzeit sorgen die Wolkmann-Spatzen der Stadtkapelle für Blasmusik und bayrische Stimmung. Auch bei anderen Veranstaltungen werden die Gäste gut versorgt. Neben Bier, Sekt, Säften gehören in der Weinregion natürlich auch mehrere Weine zum Angebot – und zum Irish Folk gibt es selbstverständlich Guinness. Zudem werden die Gäste mit kleinen Snacks aus der Zehntscheur-Küche verwöhnt.

Auch während der Sommerpause stehen spontane Veranstaltungen an, wie musikalische Straßenfeste auf der Kellereigasse. Mit den Schulen besteht eine enge Zusammenarbeit. Zahlreiche Schultheatergruppen fanden auf der Zehntscheuer-Bühne schon ihr Podium. Auf diese Art machte auch der Kabarettist Philipp Weber in Amorbach seine ersten Gehversuche auf den Brettern, die für manche die Welt bedeuten.

Je nach Bestuhlung passen 120 bis 160 Besucher in den Zuschauerraum, wobei großer Wert auf ausreichend Bewegungsfreiheit gelegt wird. Heiß begehrt sind stets die verbliebenen bequemen Kinosessel. Unbestuhlt liegt das Gäste-Limit bei 250, was vom Vorsitzenden, der auch Sicherheitsbeauftragter ist, akribisch überwacht wird.

Natürlich sind längst nicht alle Wünsche des Kulturkreises erfüllt, die Liste ist unendlich. Man hätte so gerne ein Klavier, was aber die feuchte Kälte des alten Gemäuers – als großen Kühlraum bezeichnet es Mike Bauersachs - nicht zulässt. Weitere Restaurierungen stehen an, das Dach droht undicht zu werden, Lichtanlage, Heizung und Belüftung könnten eine Modernisierung vertragen, die Bestuhlung sollte ergänzt werden – und da ist ja auch noch die Tilgung der Kaufsumme. Aber auch das wird der Kulturkreis mit seinen engagierten Mitgliedern schaffen und damit die das altehrwürdige Gebäude als kulturellen Mittelpunkt der Barockstadt erhalten und für deren Bekanntheit weit über die Landes- und Kreisgrenzen hinaus sorgen.

Kulturkreis Zehntscheuer Amorbach, Kellereigasse 12, Amorbach, Tel. 09373 99810, Fax 09373 99812, Mail: zehntscheuer-amorbach@gmx.de, www.zehntscheuer-amorbach.de


     

 

  
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