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Low Fidelity – Maximum Riot........Woog Riots!

Darmstadt, August 1968, Woog-Viertel, Brandgeruch liegt in der Luft, in der Ferne sind Sirenen zu hören. Eine Gruppe Langhaariger stürzt über die Straße, lediglich bekleidet mit Shorts und zu engen Lederjacken. Da sie das kühle Nass des Woog-Sees nicht zur Erfrischung nutzen durften, haben die Hippies kurzerhand einen Kiosk in Brand gesetzt und ein halbes Dutzend Autos umgeworfen. Dies ist die geistige Geburtsstunde der Woog Riots, der Darmstädter Riot-Pop-Band, die über 30 Jahre später - nämlich 2002 - von Darmstädter Musikern ins Leben gerufen wurde.
Die Woog Riots lenken ihren Spaß an Revolte in musikalische Bahnen und beweisen, dass man auch etwas kaputt machen kann, ohne dabei aggressiv zu sein. Das Objekt der Zerstörung sind simple Popsongs mit schönen Melodien, die sie mit ein paar schiefen Tönen gekonnt in Schräglage bringen. Punkmusik geht ja zumeist mit Aggression einher. Bei den Woog Riots, die ihre Wurzeln ebenfalls im Punk sehen, steht jedoch der Do-it-yourself- Gedanke dieser Subkultur im Vordergrund.
Brüder im Geiste sind zum Beispiel die Moldy Peaches, Daniel Johnston oder auch Velvet Underground, Bands, die bewiesen haben, dass man sein Instrument eben nicht perfekt beherrschen muss, um tolle Songs zu schreiben und  kreativ zu sein. Auf diese Art und Weise begannen auch die Mitglieder der Woog Riots, Silvana Battisti und Marc Herbert, mit ihrer Musik. Silvana machte ihre ersten musikalischen Schritte zusammen mit Markus Popp von Oval, der mit abstrakter Elektronik bekannt wurde. Marc war seit 1989 Sänger, Gitarrist und Songschreiber der mittlerweile aufgelösten Band Milton Fisher, die musikalisch in ähnlichen Gewässern wie die Woog Riots zuhause war. Songs der ersten Studioaufnahmen der Woog Riots von Anfang 2003 erschienen auf Compilations in Kanada und den USA, Auftritte im Rhein-Main-Gebiet, Berlin und Köln folgten.
2004 veröffentlichte das Hamburger Label „Zick Zack“ den Sampler „Perverted by Mark E. Smith – A Tribute to The Fall“, initiiert und zusammengestellt von den Woog Riots. Zahlreiche nationale und internationale Künstler, wie zum Beispiel Tocotronic, Jeffrey Lewis, Chris Cacavas und natürlich auch die Woog Riots selbst, huldigen darauf Altpunk Mark E. Smith, Sänger der seit 1977 existierenden Kultband „The Fall“. Die Scheibe wurde in Klaus Walthers Radiosendung „Der Ball ist rund“ zum beliebtesten Sampler 2004 gewählt und auch vom mittlerweile leider verstorbenen Radio-Guru John Peel eingehend gewürdigt.
Auch ergaben sich daraus gute Kontakte zu den beteiligten Künstlern – und eben zu Alfred Hilsberg, Labelchef von „Zick Zack“ und „What`s so funny about“. Der brachte kürzlich Woog Riots erste Single „King of Pop“ heraus, die im Januar überraschend in den Redaktionscharts des Musikmagazins Spex auftauchte. Für die Band eine ungewohnte und tolle Sache, sieht man sich doch selbst immer noch als Musikkonsument und Fan.
2004 wurden zwei weitere Mini-Touren im Vorprogramm der befreundeten Barbara Manning & The Go Luckys und Knarf Rellöm absolviert. Hamburg, Zürich und London waren Stationen, und man war überrascht, wie gut die Band – vor allem die Zweier-Besetzung - beim Publikum ankam. Und da Silvana und Marc die alleinigen Songschreiber sind und sich auch um die meisten anderen Belange der Band kümmern, wurde aus der Fünfer-Bandbesetzung ein Duo.
Je nach Lust, Laune und Möglichkeit lassen sie sich live aber gerne weiterhin von anderen Musikern unterstützen. Das führt meist zu interessanten Ergebnissen, da die Songs so jedes Mal einen neuen Charakter bekommen und nicht auf eine bestimmte Form festgelegt sind. Neben Silvanas eher exotischen Instrumenten (Stylophone, Omnichord, singende Säge und Melodica) reichen ansonsten aber auch eine Gitarre, ein Drumcomputer und die Boy-/Girl-Gesänge aus, um die charmanten Songs, die irgendwo zwischen 60ties-Beat, Indie-Disko und Folk pendeln, zu transportieren.
Auch die Herangehensweise beim Songschreiben und Aufnehmen ist eher ungewöhnlich und vor allem ungezwungen: Intuitiv spielen die beiden sich Texte und Melodien zu, und wissen so während des Songschreibens selbst nie genau, was am Ende herauskommt.
Aufgenommen wird bei Marc zuhause. Das bietet die Möglichkeit, Ideen jeder Zeit festzuhalten, ganz ohne den Druck im Studio, wo in drei Tagen alles eingespielt sein muss. Auch das für den Herbst geplante Album soll so entstehen. Die Aufnahmen werden wahrscheinlich von einem nicht ganz unbekannten Hamburger Produzenten (Namen werden nicht genannt) gemischt und bearbeitet.
Neben dem Wunsch, einmal ein Album zu veröffentlichen, dass von den Medien wahrgenommen wird und somit auch seine Zielgruppe erreicht, haben die Woog Riots noch einen großen Traum, der mit ihrer zweiten großen Leidenschaft, dem Fußball, zusammenhängt: Den Titelsong zur WM 2006 in Deutschland schreiben.
Klar, das wollen viele, aber beste Verbindungen zur obersten Riege beim DFB sind vorhanden. Ein Gespür für Ohrwürmer besitzen sie sowieso. Der Song „Europapokal“ von Marcs alter Band Milton Fisher läuft heute noch regelmäßig bei Heimspielen der Darmstädter Lilien. Und so wird der Aufstieg der Woog Riots in die erste Liga wohl nicht mehr aufzuhalten sein.

Mehr Infos unter www.woogriots.de. Dort gibt es auch die aktuelle Scheibe: King of Pop, 7" Vinyl Single;  Songs: king of pop, fortune teller hotline, friends of mine (von Adam Green), Dezember 2004, erhältlich in Darmstadt bei Ulis Musicland, City-CD und Comeback.

 

     

 

  
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