DHTML Menu, (c)2004 Apycom Outback - Das Kulturmagazin
 
...Das Kulturmagazin
 

 

 

         

Das Watterbacher Haus – ein Museum für den Wald

Der kleine Ort Preunschen bei Kirchzell hat zwar nur 270 Einwohner, aber gleich zwei Anziehungspunkte: die staufische Burgruine Wildenberg und das Waldmuseum Watterbacher Haus. Während die Burgruine ein wildromantisches Ausflugsziel ist, können sich die Besucher des Museums über die waldgeschichtliche Entwicklung und seinen Nutzen als Lebensgrundlage für die Bevölkerung eindrücklich informieren. Doch auch das Gebäude selbst ist eine Sehenswürdigkeit.
Den Namen trägt es, weil es ursprünglich im nahen Watterbach stand. Seither ist das gesamte Haus zweimal umgezogen, bis es in Preunschen seinen letzten Standort fand. Der Aufwand hat seinen guten Grund, denn das Fachwerkhaus – ein inzwischen kaum mehr zu sehender Firstständerbau – gilt als das älteste Wohn-Stall-Haus des Odenwaldes. Seit 1467 hat das Haus Kriege, Pilz und Schwammbefall überstanden. Nach der Übersiedelung an den Ortsrand von Preunschen fragte man sich dort nach einer zukünftigen Nutzung für die Öffentlichkeit.
Im Nachhinein erscheint die Idee, ein Waldmuseum einzurichten, völlig stimmig: In einer Region, in der ein großer Teil der Bevölkerung seit jeher vom Wald lebte, finden sich geschichtliche Überlieferungen, alte Fotoaufnahmen und Arbeitsgeräte zuhauf. Und so wirkt das 1997 eröffnete Museum ungeheuer lebendig. Gleich eingangs wird der Besucher auf das Thema Wald eingestimmt: Ein großes Gemälde zeigt einen ursprünglichen Wald, davor die Replik eines Beils aus der Jungsteinzeit. Demgegenüber findet sich das Foto einer Fichtenmonokultur, vor der eine Motorsäge liegt. „Willst Du den Wald vernichten, so pflanze nichts als Fichten“ - dieser Lehrsatz steht am Ende einer forstgeschichtlichen Entwicklung, die schon seit Jahrhunderten einen Ausgleich zwischen Nutzungswünschen und Erhaltung sucht.
Der Monokultur gegenüber stehen die fünf maßgeblichen Baumarten, die für einen Mischwald charakteristisch sind. Lärche, Eiche, Buche & Co. sind mit raumhohen Stämmen, ihren Früchten und Blättern vertreten – anschauliches Lehrmaterial für Schulklassen, die das Museum gerne besuchen. Hinter Glas, aber ein absolutes Highlight, ist die 31-bändige Holzbibliothek aus dem Fürstenhaus zu Leiningen. Seit dem 18. Jahrhundert wurden diese Xylotheken als Studienmaterial für angehende Forstwirte genutzt: Früchte, Samen, Blätter, Rinde, und Äste einzelner Bäume sind in buchförmigen Kästchen aufbewahrt, die immer aus dem Holz des jeweiligen Baumes gefertigt sind.
Wachsende Bevölkerung und steigender Holzbedarf führten zur Verödung großer Waldflächen, was zu einer Wiederaufforstungswelle führte. In diesem Zusammenhang spielen die Zapfenpflücker eine ganz besondere Rolle. Zur Samengewinnung wurden tonnenweise Zapfen benötigt, die erst von den Bäumen geholt werden mussten. Diese gefährliche Arbeit übten in der Gegend von Kirchzell ab Mitte des 19. Jahrhunderts viele Handwerker aus, die im Winter keine Arbeit fanden. Nur mit Steigeisen an den Stiefeln erkletterten sie die Bäume und pflückten im Akkord. Aus Zeitersparnis schwangen sie sich oft von einem Wipfel zum anderen, was böse enden konnte. Einen Zapfenpflücker gibt es noch heute in Preunschen – im Film kann ihm bei seiner Arbeit zugesehen werden.
Auch die unterschiedlichen Waldnutzungen sind ein Thema. Von der Schweinemast über Wilderei und Jagd führt die Ausstellung zu vielen anderen, größtenteils ausgestorbenen Waldberufen. Köhler, Pottaschebrenner und Pechsieder hatten neben Beerensammlerinnen, Steinhauern und Korbmachern ihre Lebensgrundlage im Wald.
Natürlich dürfen die Waldarbeiter nicht fehlen. Vom Anreißen übers Fällen bis zum Holzrücken werden alle Arbeitsabfolgen gezeigt. Riesige alte Handsägen, schwere Wendehaken und weitere Werkzeuge machen zusammen mit alten Fotos deutlich, welche schwere Arbeit dabei geleistet wurde. Gegen die schweren Arbeitsgeräte muten die ausgestellten Motorsägen fast wie Spielzeug an.
Holz als wichtiges Material für die Wirtschaft und wachsenden Städte spielte noch bis ins letzte Jahrhundert eine wichtige Rolle, dessen Transportwegen die Besucher in einer einstündigen Dokumentation folgen können. Doch dieser Film ist nur ein Zusatz-Angebot – ansonsten kommt das Museum völlig ohne elektronische Medien aus und konzentriert sich auf die Geschichte der Region im Zusammenhang mit dem Wald. Ein lohnenswerter Besuch ist es allemal! (Andrea Kroll)


Waldmuseum Watterbacher Haus, Preunschen 1, 63931 Preunschen. Öffnungszeiten: April bis September: Mi, Sa , So und an Feiertagen 11 bis 17 Uhr. Oktober bis März: Sa., So. und an Feiertagen 12 bis 16 Uhr. Führungen können unter der Telefonnummer 09373-97430 vereinbart werden.

     

 

  
  <<< zurück zur Übersicht          

 

 

nach oben