DHTML Menu, (c)2004 Apycom Outback - Das Kulturmagazin
 
...Das Kulturmagazin
 

 

 

         

„Qualität setzt sich durch!“ - Im Gespräch mit Vince Ebert

Es ist ein grauer, nebliger Morgen. Vom Odenwald aus starten wir Richtung Frankfurt, um den 37jährigen Kabarettisten Vince Ebert zu treffen. Mit seinem Programm „Urknaller – Physik ist sexy“ reiht er auf den Bühnen Deutschlands Erfolg an Erfolg. Kein Wunder – denn der diplomierte Physiker benutzt sein Fachgebiet, um unseren Alltag intelligent zu hinterfragen.
Mit frisch gewaschenen, noch nassen Haaren und einem dicken Verband um seine rechte Hand erscheint Vince Ebert „Habe mich verletzt! Bin beim Putzen des Teilchenbeschleunigers ausgerutscht! Wollte das Vakuum nachfüllen“. Er blättert das Outback-Magazin durch und findet gleich einen Artikel, der ihn interessiert. „Museum Mutter in Amorbach! – Man, da komme ich ja her.“ Im bayrischen Odenwald geboren zog es ihn allerdings schnell in die Stadt. Ob er den Odenwald als seine Heimat sieht? „Habe mal gehört, Heimat ist da wo man sterben will. Im Odenwald würde ich aber nur ungern das zeitliche segnen!“ Er versichert jedoch, dass er die Region nach wie vor sehr schätze. Aber von Anfang an habe es ihn immer in die Stadt gezogen.
Vince Ebert ist einer, der viel unterwegs ist. Meistens Bühne, manchmal auch Fernsehen. Wie kürzlich bei TV Total auf Pro7. „Das nutze ich als Promotion und nehme es nicht zu ernst.“ Klingt souverän. Aber was ist seine Botschaft, was will er seinen Zuschauern vermitteln? Vince Ebert holt tief Luft: „Am Anfang konnte ich mir nicht vorstellen, wie das Thema Physik ein Programm tragen könnte. Ich habe aber schnell gemerkt, dass man ungeheuere Möglichkeiten besitzt, wenn man Physik mit unserem Alltag vergleicht – und umgekehrt. Genauso wie ein Physiker arbeite ich auf der Bühne mit Metaphern und Analogien.“ Er macht eine kurze Pause. „Wir leben im Technologiezeitalter, und bekommen von so vielen Menschen erklärt, wie die Welt funktioniert – aber warum sie funktioniert, sagt uns niemand. Ich denke dafür ist Wissenschaft die beste Methode um weiterzukommen. Außerdem macht es Spaß, die Natur zu hinterfragen und in meinem Programm diesen Spaß mit dem Publikum zu teilen. Wenn beispielsweise eine Katze immer mit den Füßen auf den Boden fällt und ein Marmeladenbrot immer mit der beschmierten Seite nach unten, was passiert, wenn man ein Marmeladenbrot auf den Rücken einer Katze bindet?“
Vince Ebert möchte den Dingen auf den Grund gehen. Vor seiner Bühnenkarriere arbeitete er in der Unternehmensbranche, dann in der Werbung. Beides gab ihm keine Erfüllung.  „Leistungsdruck, Meetings, Marketingkonzepte – das alles hat doch sowieso schon eine unfreiwillige Komik.“ Also war es nicht mehr weit zum Kabarettisten. „Geh’ doch endlich auf die Bühne“, meinte eine Freundin beim Abspülen. Gesagt, getan. drei Jahre hat sich Vince Ebert gegeben, um in der Branche einigermaßen erfolgreich zu sein. „Damals wollte ich unbedingt schnell nach oben, große Hallen füllen. Heute hat der Leistungsdruck abgenommen. „Im Grunde mache ich das Programm für mich selber.“ Den Druck seiner Kabarett-Kollegen möchte er nicht mehr spüren. „Die machen sich zu sehr vom Publikum abhängig.“ Mittlerweile ruht er in sich selber, und verkündet stolz: „Qualität setzt sich durch! Klar, das dauert dann alles ein wenig länger. Aber deshalb ist es ja auch Qualität!“
Vince Ebert ist einer, der verstanden hat, sich zu vermarkten. Mit seinem Programm „Urknaller“ ist er endlich dort angekommen, wo er schon immer hin wollte. Der Kreis schließt sich. „Bei der Uraufführung habe ich auf der Bühne zu meinen Eltern gesagt, dass die 100.000 DM fürs Physikstudium nicht umsonst waren.“
Und wo sieht er sich in zehn Jahren? „Keine Ahnung, darüber mache ich mir keine Gedanken. Man sollte Erfolg nicht an Äußerlichkeiten knüpfen.“ Und gibt es schon Gedanken über ein neues Kabarettprogramm nach „Urknaller“? Ob ihn das Thema Politik denn auch mal reizen würde? „Es gibt Bessere als mich, und es macht mir auch keinen Spaß, Witze über die Frisur von Angela Merkel zu machen. Mich interessieren die großen Zusammenhänge, ich würde viel lieber die Mechanismen erklären. Sozusagen die Physik der Politik.“
Vince Ebert hat seine goldene Mitte gefunden – und wir dürfen noch viel von ihm erwarten. Was er über sich selber denkt, kurz und knapp in einem Satz – wollen wir abschließend wissen. Der Kabarettist überlegt. „Das ist schwer. In einem Satz?“ Er sieht uns an und lächelt breit: „Es hat sich gelohnt!“

 

Vince Ebert wurde 1968 im Odenwald geboren, und lebt heute in der Nähe von Frankfurt. Seit 2000 arbeitet er hauptberuflich als „Humorstatiker“. Mehrere hundert Gastspiele unter anderem im Lustspielhaus Hamburg, Schmidt Theater Hamburg, Haus der Springmaus Bonn, Unterhaus Mainz, Neues Theater Höchst, Drehleier München, Bockshorn Würzburg und Scharfrichterhaus Passau.
TV-Auftritte unter anderem: Pro Sieben Quatsch Comedy Club, BR Otti’s Schlachthof, BR Grünwald, WDR Mitternachtsspitzen, ARD Nightwash, NDR Talkshow.
Im Jahr 2003 erhielt Vince Ebert den Bayerischen Kabarettpreis in der Sparte „Senkrechtstarter“. Ein Jahr später feierte er die Premiere des dritten Soloprogramms „Urknaller – Physik ist sexy“ auf der Kabarettbühne „Die Käs“ Frankfurt und gewann dafür noch im gleichen Jahr den Kabarettpreis „Hofer Theresienstein“. Die CD zum Programm „Urknaller“ kann man im Internet auf Vince Eberts Homepage bestellen. Dort findet man auch alle weiteren Infos sowie den kompletten Tourplan des Künstlers. www.vince-ebert.de

Text: Chris Peckham / Fotos: Lea Menningmann

     

 

  
  <<< zurück zur Übersicht          

 

 

nach oben