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Zündfunke für das Feuerwerk der Wahrnehmungen

Herbert Tessmann lädt mit seiner Fotokunst zum Phantasieren ein

Köpfe, verdrehte Leiber, Tiere, irgendwas aus den Tiefen des Weltalls, Mikroaufnahmen aus dem Körperinneren, Gewächse aus einem verwunschenen Garten – die Assoziationen sind vielfältig bei Herbert Tessmanns Kartoffelbildern. Wenn die Triebe die Pflanzen unförmig und höchst individualistisch zieren, fällt deren Vielfalt im Küchenalltag nicht weiter auf. Tessmann hat die Erdäpfel, häufig mit ihren Trieben, bewusst in Szene gesetzt. Mit Licht, mit dem Blick und dem Anspruch, das Andere darin zu suchen. Und es zu finden. „Suchen alleine reicht nicht“, sagt Tessmann. So wird aus einer Kartoffel ein Manifest höchst individueller Phantasien. „Das Andere in den Dingen zu sehen, darf auch Spaß machen“, macht Tessmann Mut zur Phantasiebeim Betrachter.
In Tessmanns Küche hängen Fotos von einem Kahlkopf. Der ist von hinten aufgenommen und trägt mal einen Wurstring auf dem Haupt, mal einen Fisch, mal ein ausgenommenes Huhn. „Wohl behütet“ hat er die Fotoserie genannt. Kulinarik und Witz á la Tessmann. Auch hier: Neues sehen, es zunächst einmal wagen. Trotz der in den Bildern liegenden Verschmitztheit: Tessmann lässt jede Beiläufigkeit vermissen, wenn er über seine Fotokunst spricht. Der Wahl-Zwingenberger ist ein ernsthafter Mensch. Präzisionsverliebt und reflektierend. „Sorgfältig“ passt als Beurteilung auf ihn, für den künstlerisches Tun nicht ohne fundierte Handwerklichkeit vorstellbar ist.   
Er will anregen mit seinen Bildern. Blicke fangen, Phantasien schüren und die Augen der Betrachter wach machen. Das ist der Kunstaspekt. Tessmann beherrscht sein Handwerk. „Fotografieren ist ja nicht nur das Drücken auf den Auslöser. Fotografieren bedeutet auch immer eine Idee, die man handwerklich umsetzt.“ Im sorgfältig aufgebauten Fotostudio im Wohnhaus des Künstlers genügt ein kleiner Schwenk mit einer Leuchte am Motivtisch und schon wird aus dem Kartoffeltrieb im Sucher der Studiokamera, der eben noch aussah wie ein krummer Wüstenkaktus, der Zeigfinger eines Greises. Rührend, spaßig, bizarr, plakativ, hintergründig - wer will, findet in Tessmanns Werken die ganze Palette. Freilich die Palette der Betrachter. Tessmann selbst liefert ihnen mit seinen Fotos nur den Zündfunken für ihr Wahrnehmungsfeuerwerk. 
„Als Fotograf arbeite ich mit Licht. Ich schreibe also mit Licht, was ja Fotografieren im ursprünglichen Sinne und im Wortsinne bedeutet“, sagt Tessmann nüchtern. Unerfüllte Träume als Fotograf, hat Tessmann sie? Er winkt ab. „Nein. Ich erfülle mir meine Träume. Nach und nach.“
Wann spürt er den größten Genuss? Beim Auslösen der Kamera, beim Betrachten des fertigen Bildes? „Nein, das ganze, sehr vielschichtige Tun ist Genuss. Am meisten vielleicht noch das Arrangieren, die Vorbereitungen für das Bild. Da liegen  immer wieder Überraschungen darin. Auf die man sich einlassen muss.“
An die Macht der Bilder glaubt Tessmann fest. „Fotografie hat die Welt verändert. Über vieles geht man hinweg, auch über viele Informationen, die man bekommt. Aber über ein Bild sieht man nicht so leicht hinweg.“



Biografie
Herbert Tessmann ist gebürtiger Odenwälder und besuchte die Fachschule für Holz und Elfenbein in Erbach, studierte dann Grafikdesign, Fotografie und Trickfilm in Darmstadt. 35 Jahre lang war er anschließend als Grafikdesigner und Fotograf mit eigenen Studios in Darmstadt und Groß-Gerau tätig. Seit zwei Jahren arbeitet er als freier Fotograf und Grafiker in seinem Wohnhaus. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Konzeption und Realisation für die Produktbereiche Glas, Porzellan, Kosmetik, Food und Kommunikation. Der achtundfünfzigjährige passionierte Hobbykoch arbeitet mit analogen Kameras und lebt in Zwingenberg. Kontakt unter 0171 4945397 und gh.tessmann@t-online.de.

Kaufkunst
Tessmanns Kartoffelbilder kosten ebenso wie die Bilder der Motivserie „Wohl behütet“ 300 Euro pro Bild (ohne Rahmen). Die Bilder sind alle analog fotografiert, nicht elektronisch bearbeitet und auf 75 Jahre archivfähigem Fotomaterial ausgedruckt.

Jürgen Buxmann

 

     

  
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