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Like A Stuntman - ohne Netz und doppelten Boden

Like A Stuntman aus Frankfurt machen laut eigener Aussage „unabhängige elektronische Rockmusik“ – „Indietronic“ also, so der gängige, aber etwas platte Fachbegriff, der Ende der 90er Jahre entstand, um die damals beginnende, gegenseitige Befruchtung von Indie-Rock und Electronica zu umschreiben. Auf der einen Seite gab es Indie-Bands, die sich die Mittel der elektronischen Musik aneigneten und auf der anderen Seite Künstler des elektronischen Lagers, die das Songformat für sich entdeckten und neu interpretierten.
Like A Stuntman, musikalisch sozialisiert durch Schrammel-Bands wie Sonic Youth, Pixies oder Yo La Tengo, sind ersterem Lager zuzurechnen. 2001 begannen Sven Fritz (Gesang, E-Gitarre) und Christian Fleck (Synthesizer, Melodica) als Zwei-Mann-Projekt Songmaterial zu sammeln und einfach wild ins Blaue zu experimentieren. Als es ein Jahr später darum ging, die Musik auch live zu präsentieren, stießen Matthias Gros (Bass, Akustik-Gitarre) und Tobias Ulrich (Schlagzeug) hinzu und wurden feste Bestandteile der Band. Während man zu Beginn noch den klassischen Weg des Songwritings im Proberaum ging, hat sich mittlerweile das Schreiben der Stücke am Computer bewährt und durchgesetzt.
Diese Arbeitsweise prägt den Stil der Band entscheidend: Patchworkartig werden Songfetzen und Riffs mit einem manchmal äußerst dünnen roten Faden zusammengeflickt, Strophe und Refrain schweben entgegengesetzt herkömmlicher Songstrukturen frei im Raum oder existieren erst gar nicht, es geht drunter und drüber. Verspielt wie schelmisch grinsende Kinder, in einem mit knallbuntem Spielzeug (hier: Instrumente) überfüllten Raum, stürzen die Stuntmen sich von einem Gerät aufs nächste, um es im ersten Moment aufkommender Langeweile in die Ecke zu schleudern.
Wenn The Notwist mit ihrem Wohlklangbedürfnis und Jazz so etwas wie der edle Hochadel des Indietronic sind, dann vertreten Like A Stuntman mit Noise-Einschlag, Lofi-Ästhetik und dekonstruktivem Ansatz das trashig-freakige Lumpenproletariat. Trotz aller Distortion, Cheapo-Game-Sounds und Synthie-Gefiepe ist diese Musik zu weiten Teilen aber auch schön und beschaulich, vor allem wegen des Gesangs, der die nötige Portion Indie-Sweetness à la Dinosaur Jr. oder Pavement miteinbringt. Ein gewisses Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit seitens des Hörers ist allerdings erforderlich, zum Nebenbeihören eignet sich die Musik nicht.
So zufällig manches auch klingen mag: Meist ist ein intensiver und mitunter mühsamer Arbeitsprozess erforderlich, bis ein Song seine endgültige Form gefunden hat. So auch bei einem Gros der Songs, die nach langer Bastelei einen Platz auf dem im Mai 2005 erschienen Debüt-Album „Fresh Air Is Not The Worst Thing In Town“ gefunden haben. Veröffentlicht wurde das Album von einem englischen Label, nämlich „Highpoint Lowlife Records“.
Einerseits ist das toll, da Like A Stuntman so die Möglichkeit haben, eine zehntägige UK-Tour zu spielen und ihre Platten nach Japan, England und in die USA vertrieben werden. Andererseits ist das Album in hiesigen Plattenläden derzeit leider nicht zu finden, kann aber über die Homepage der Band (www.like-a-stuntman.de) bezogen werden, oder, besser noch: Auf eines der für Herbst geplanten Konzerte gehen und dort kaufen.

Jens Engemann

 

 

     

 

  
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