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Wo die Hesselbachs lebendig werden

Stalburg Theater – Anspruchsvolle Eigenproduktionen, ebensolche Gastspiele und demnächst auch wieder offen luft im Günthersburgpark

Von Großstadthektik ist nichts zu spüren, die Vögel zwitschern und die Autos sind nur ganz leise und entfernt zu hören, obwohl der Alleenring so nahe ist. Es geht ruhig zu im Frankfurter Nordend, man könnte grad meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man vor dem Stalburg-Theater steht. Durch einen Apfelweingarten mit altem Baumbestand kommt man zum Theater, dem ehemaligen Tanzsaal eine Kneipe. In dieser wird Apfelwein noch selbst gekeltert und der Schankraum scheint sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert zu haben. Auch im Theatersaal erinnert alles an längst vergangene Zeiten, inklusive des Ölbollerofens, der die Einrichtung im Winter beheizt.
Erbaut wurde das Haus 1498 von einem Patrizier namens Stalburg, seit 1887 befindet sich darin eine Gaststätte und in deren Saal seit 1998 ein Theater. Angemietet hat ihn der „Förderverein Theater in der Stalburg“; Theaterchef und künstlerischer Leiter ist Michi Herl. Intention damals und heute: Eigene Stücke auf die Bühne bringen. Siebzig Prozent der Veranstaltungen sind Eigenproduktionen, 30 Prozent Gastspiele der Bereiche Kleinkunst, Kabarett und Musik. Comedy-Quatsch bleibt außen vor, wer sich einmal diesbezüglich im Fernsehen ausgetobt hat, dem bleibt die anspruchsvolle Bühne des Stalburgs verwehrt. Da ist der Chef ebenso konsequent wie in der Vermeidung von Anglizismen. Auf der phantasievollen Getränkekarte stehen statt Longdrinks und Cocktails Langgetränke und Hahnenschwänze, auch wird niemals open air gespielt, sondern offen luft und wenn „Stalburg Theater Tonträger“ eine neue CD vorstellt, gibt es keine Release-, sondern eine Rauskommfeier, wie am 11. Mai mit dem auf Scheibe gepressten Potpourri von Anne Bärenz.
Sechs Stücke stehen derzeit auf dem Programm, drei davon aus der Feder von Michi Herl, wie „Wer kocht, schießt nicht“, eine wortgewaltige Sozial-Satire gegen alles, was das Essen in der heutigen Zeit verleidet. Oder die Politsatire „Neumann nach Berlin“, die belegt, dass Politik nicht unbedingt etwas mit Vernunft zu tun haben muss. Oder „Sperrmüll“ – eine Satire über den Mensch und seine Sachen. Weitere aktuelle Eigenproduktionen sind „ Es ist ein Dschungel da draußen, Baby...“, eine bittersüße Komödie über die Generation Frust, der Film auf der Bühne, „Das Gasthaus an der Themse“ von Edgar Wallace und natürlich der Kultklassiker Familie Hesselbach. „Der röhrende Hirsch“ feiert am 14. Mai Deniere und wurde damit fast vier Jahre erfolgreich gespielt. Die Fans der hessischen Fernsehfamilie dürfen sich allerdings schon auf die neue Staffel freuen, die im November erstmals aufgeführt wird.
Dieses anspruchsvolle, abwechslungsreiche Programm kommt beim Publikum gut an. Das Theater mit seinen 99 Plätzen freut sich über eine 87-prozentige Auslastung und gespielt wird jeden Tag. Wie begehrt Stalburg-Karten sind, bewies auch das letzte Weihnachtsgeschäft: Rund 20 ausverkaufte Vorstellungen gingen in Form von Geschenkgutscheinen weg.
Mit der KfW-Bankengruppe hat das Theater einen starken Hauptsponsor, auch die Stadt Frankfurt unterstützt dieses Kulturkleinod jährlich mit 40.000 Euro. Allerdings entstanden rund um den Theaterbetrieb auch zehn feste Arbeitsplätze, wobei das Ensemble selbst aus freien Künstlern besteht, die über Werksverträge beschäftigt sind.
Dieses Jahr macht das Stalburg Theater eine Sommerpause, nicht weil Sommer ist, sondern weil im Juni der Fußball die Republik beherrscht. Am 15. Juli geht es dann weiter, allerdings „offen luft“ im Günthersburgpark. Dort steht dann für vier Wochen jeden Tag Programm an, bei jedem Wetter (außer bei Sturmwarnung) und stets bei freiem Eintritt. Finanziert wird das Ganze über Sponsoren und aus Einnahmen der Bewirtung. Die Künstler treten ohne Gage auf, nur wenn etwas übrig bleibt, wird das gerecht aufgeteilt. Auch Stalburg im Freien steht bei dem verhältnismäßig jungen Stammpublikum hoch im Kurs, bei Sonne bevölkern schon mal 3000 Gäste den Park, selbst bei Regen kommen noch ein paar Hundert. Stalburg ist eben Kult, wen interessiert da schon das Wetter.

Stalburg Theater, Glauburgstraße 80, Frankfurt/Nordend,; Postanschrift: Büro Stalburg Theater, Spohrstraße 39, 60318 Frankfurt, Tel. 069 256 277 44, info@stalburg.de. Der aktuelle Spielplan ist auf www.stalburg.de zu finden.

 

     

 

  
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