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Ein Faible fÜr abstrakte Geschichten

Bernd Seifert, der innovative KÜnstler unter den ZuckerbÄckern

Einige Konditoren sind hervorragende, solide Handwerker, andere vor Kreativität sprühende Künstler. Ganz andere vereinen beide Talente in sich und bringen es damit bis zu Weltmeister-Ehren, wie Bernd Siefert, der meisterliche Zuckerbäcker aus Michelstadt.

Über 15 Jahre nahm er an Wettbewerben teil, den letzten Weltmeistertitel holte er 1997. Sechs Jahre hintereinander war er Deutscher Meister, ein Rekord, den noch niemand eingestellt hat. Er trägt den Titel „Innovativster Konditor der Welt”, ist Vize-Weltcup-Sieger, besitzt rund 30 Goldmedaillen, unzählige Pokale und Auszeichnungen stehen in Vitrinen und schmücken Wände. Inzwischen hat er sich längst aus dem Wettkampfleben zurückgezogen und macht höchstens als Trainer die Deutsche Nationalmannschaft der Konditoren fit für die Weltmeisterschaften. Auch als Berater ist der Michelstädter tätig, für Schokoladenfirmen in Frankreich und Belgien, für die Firma Schöller, wodurch jedes „Eis des Jahres” ein bisschen nach Siefert schmeckt, er ist Gourmetberater für Robinson-Clubs, referiert an namhaften Hotelfachschulen, arbeitet mit Kollegen auf der ganzen Welt zusammen und wenn Feinkost Käfer in München ein Problem hat, klingelt in Michelstadt das Telefon.

Schon als sechsjähriger Knirps half er in der elterlichen Konditorei. Sein Traumberuf war es eigentlich nicht, viel lieber hätte er Kunst studiert, was aber ohne Abitur nicht möglich war. Zum Glück, denn da wäre Michelstadt und dem Rest der Welt etwas entgangen. Bernd Sieferts Köstlichkeiten gehen in die ganze Welt, der Baumkuchen bis nach Australien, Marmelade bis nach Simbabwe, Sacher-Torten nach Wien, die Hessische Landesbank wird ebenso beliefert wie die Lufthansa-Service-Gesellschaft und unzählige Gourmet-Tempel sind Kunde bei Siefert. Ein Geheimnis seines Erfolgs ist der hohe Qualitätsanspruch. Das Obst für die Marmelade beispielsweise kommt aus dem eigenen Garten, ob die Pflaumen für das Latwerge oder die Äpfel für Apfel-Basilikum-Marmelade. Bei den Rohstoffen gibt sich der Zuckerbäcker grundsätzlich nur mit dem Besten zufrieden, Bourbon-Vanille kommt nicht in die Pralinès, Tahiti-Vanille muss es sein. Sein Eis leuchtet zwar in den buntesten Farben, aber Farbstoffe sind darin ebenso wenig zu finden wie Stabilisatoren oder Konservierungsstoffe – nur Natur pur, und die Farbe kommt vom Obst.

Bei den Pralinen fährt Bernd Siefert zwei Linien. Einmal die Klassische wie Champagner, Nuss, Nougat - und seine Favoriten, die Private Weltmeister-Kollektion, die Kräuter- und Duftpralinen in den Geschmacksrichtungen Rosmarin, Thymian, Safran, Duftgeranie, Orangenblüte. Oder die ganz aktuelle Kollektion, Trüffel aus Gorgonzola oder Hüttenthaler Kräuter-Ziegen-Käse. Klingt abwegig, schmeckt aber überraschend harmonisch. „Ich habe ein Faible für abstrakte Geschichten”, erklärt der Zuckerkünstler, und seine Innovation macht wohl auch einen großen Teil seines Erfolges aus.

Bis zum vergangenen Jahr war der Weltmeister nur selten zu Hause anzutreffen, aber das Herumreisen in der Weltgeschichte hat Bernd Siefert inzwischen etwas reduziert. Seit vergangenem Jahr ist er verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes. Das Familienanwesen mitten in Michelstadt wird derzeit umgebaut, es entstehen unter anderem Räumlichkeiten für Seminare. Dann muss der Meister nicht mehr zu seinen Schülern, sondern sie kommen zu ihm.

Er hat schon fast die ganze Welt bereist, unzählige Zeitungen und Zeitschriften haben schon über ihn berichtet, ebenso Radio und Fernsehen –was kann ihn überhaupt noch reizen? Eine TV-Konditoren-Show wäre eine Herausforderung, der er sich gerne stellen würde. Sollte ein Sender ein entsprechendes Angebot haben: Erreichbar ist der Weltmeister jetzt ja wieder öfter zu Hause im Familienbetrieb, den er inzwischen gemeinsam mit seiner Schwester Astrid führt.

Café Siefert, Braunstrasse 17, Michelstadt, Tel. 06061 3068, Fax: 06061 12118, Mail: cafe.siefert@t-online.de, www.cafesiefert.de, geÖffnet montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr

(Liane Probst-Simon)

 

     

 

  
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