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Vom Zauber kleiner Werke

In Zwingenbergs Scheuergasse repariert Maximilian Schubert mechanische Uhren

Nach der Schule studierte Maximilian Schubert zunächst Schiffbau in Hamburg. Heute ist er Uhrmacher mit eigenem Geschäft in Zwingenbergs ebenso malerischer wie historischer Scheuergasse. Die Feinmechanik siegte über die grobmotorische Anforderung beim Bau von Schiffen. Schubert, sechsunddreißig Jahre alt, hat seine berufliche Heimat in der Uhrmacherei gefunden.
„Mechanische Uhren faszinierten mich schon immer“, sagt er. Irgendwann bekam er eine solche Uhr geschenkt. Die ging kaputt, Schubert trabte zum Uhrmacher und durfte ihm bei der Reparatur über die Schulter sehen. Ein Schlüsselerlebnis. Er absolvierte eine Ausbildung zum Uhrmacher, später folgte eine Fachausbildung zum Uhrenrestaurator. „Das Faszinierende an mechanischen Uhrwerken ist, dass sie so irrsinnig klein sind und dennoch sehr genau gehen.“ Schubert rechnet vor: „Bei 86.400 Sekunden die ein Tag hat, sind acht Sekunden Gangabweichung bei einer mechanischen Uhr ein kleines technisches Wunder. Selbst für mich, obwohl ich ja weiß, wie ein Werk funktioniert.“  Schubert verkauft in seinem Geschäft Uhren der Schweizer Traditionsmarke „Mido“. Er repariert, restauriert und überholt auch angelieferte Uhren, arbeitet sie auf, führt Wartungen durch, berät Kunden und - so tief sitzt die Impfung von damals – er lässt sich seinerseits auch gerne selbst bei der Reparatur über die Schultern schauen.
Uhrmacher Schubert hat einen Traum. „Ich möchte eine Uhr samt Gehäuse und Werk selbst kreieren und bauen.“ Er ist bereits dabei, der  Name für die Uhr fehlt indes noch. „Jede Uhr braucht ja ein Label.“ Gerade baut er das Gehäuse. Für die von ihm geführte Marke „Mido“ bricht er eine Lanze. „Sie ist nicht ganz so bekannt, wie viele andere Marken, aber in ihrer Preisklasse ist sie das Beste, was man kaufen kann.“ Konservativ seien die Uhren von „Mido“, einige Modelle seit fast 50 Jahren unverändert in ihrem Design.  Das zieht Stilbewusste wie Traditionalisten an. 
Schubert gibt Einblicke in die Typologie der Mechanikfans. „Es gibt da jene, die sich für die Mechanik begeistern, die auf Zusatzfunktionen, so genannte ‚Komplikationen’, Wert legen. Es gibt dann die, für die eine traditionell gebaute Uhr zum guten Ton gehört, ebenso wie jene, die bisher batteriebetriebene Uhren trugen, irgendwann aber eine mechanische Uhr erben und mit einem Mal vom Virus „Mechanik“ infiziert sind.“ Maximilian Schubert macht keinen Hehl draus: „Es gibt auch jene, die tragen eine teure Mechanikuhr aus Statusgründen. Schuberts Sache ist das nicht. 
Für ihn hat die Uhrmacherei eine Seele. „Mein Handwerk ist nicht limitiert, es ist nicht stupide.“ Denn er macht mehr, als sich für das Innenleben einer Uhr zu begeistern. „Ich interessiere mich für die Historie und die Geschichten rund um Uhren. Denn die haben immer sehr genau die jeweilige Gesellschaft gespiegelt.“ Von diesem Interesse zeugen Bildbände und historische Fachliteratur, die in Schuberts Geschäft mit seinen Ebenenversätzen dekorativ, aber sichtbar benutzt  auf den Treppenstufen liegen. Alleine schon unter diesem Aspekt sei die Uhrmacherei eine Geschichte mit „Open End“, wie Schubert es gerne sagt. Und man könne, ja man müsse in seinem Handwerk „ein Leben lang lernen wollen und es auch tun.“ Uhrmacherei, das verbinde „Handwerk mit Hirn“.
So ein Uhrmacher erlebt einiges. Auch Ernüchterndes. Besitzer von Wanduhren etwa, deren Zeiger irgendwann ins Stocken geraten. „Da greifen dann manche, um die Uhr wieder zum Laufen zu bringen, gerne zum Ölkännchen und schmieren alles satt ein.“ Ein grober Fehler, sagt Schubert, denn meist läuft die Uhr dann immer noch nicht. Manche Kunden wundern sich dann, dass nach einem solchen Ölbad eine Revision des Werkes gehörig Geld kostet. „Ich muss dann ja jedes Rädchen und jedes andere Teil sorgfältig entfetten. Und zwar einzeln.“ Der Wunsch an alle denen - auf welchem Wege auch immer - eine Uhrenmechanik in die Hände fällt, ist dann auch klar. „Den Fachmann ran lassen. Das vermeidet Unheil und letztlich sogar Kosten.“
Die wahren Fans der Kleintechnik mit der großen Wirkung braucht Schubert davon freilich nicht zu überzeugen. „Sie sind meist bewahrende, oft auch sehr bewusste Menschen. Denn eine mechanische Uhr trägt schließlich keiner zufällig. Das ist immer eine bewusste Entscheidung. Aus welchem Grund auch immer.“ Im besten Falle eben aus der Begeisterung für die diffizile und zauberhafte Technik. (bux)

Goldschmiedekunst inklusive

Maximilian Schuberts Lebensgefährtin Christine Kaiser ist Goldschmiedin, fertigt eigene Kreationen und teilt sich das Ladengeschäft mit Schubert. „Maximilian Schubert Uhren“ und die „Goldschmiedekunst Christine Kaiser“ sind in Zwingenberg in der Scheuergasse 10 zu finden. Telefon 06251 7079992 (Schubert) und 06251 7079991 (Kaiser). www.schubertuhren.de. Öffnungszeiten dienstags bis freitags von 10 bis 14 und von 15 bis 18 Uhr. Samstags von 10 bis 14 Uhr.

     

 

  
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