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Die Vermittlerin

Nora Schaefer spielt mit geometrischen Formen und der Wahrnehmung des Betrachters

Geometrische Elemente – sie werden in der Kunst höchst unterschiedlich belebt. Der Kubismus arbeitet selbst aus organischen Elementen deren geometrische Basis heraus, stellt sie in seiner Darstellung in den Vordergrund. Folge: Verfremdung, mitunter Befremdlichkeit, weil das Organische stets zu ahnen bleibt und schnell zum eigentlichen Fremdkörper wird. Das ist gewollt, baut Spannung auf, erzeugt Reibung im Kopf des Betrachters.

Auch die Darmstädter Künstlerin Nora Schaefer nimmt die strenge, die nachvollziehbare und die klare Geometrie als Grundlage für ihre Werke, ohne damit im eigentlichen Sinne kubistisch zu arbeiten. Schaefer geht vielmehr von der vorhandenen, der offensichtlichen geometrischen Form eines Objektes aus. Und setzt daraus Vielschichtiges zusammen, das doch auf den ersten Blick so einfach zu sein scheint. Einen Kopf etwa, dessen Ausdruck sich erst nach mehreren Blicken erschließt. Und der morgen schon wieder ganz anders wirkt. Er scheint mit dem Licht, mit den Schatten in seinem Ausdruck zu spielen. Und Licht verändert Schatten. Detailbetrachtungen an ihm führen zurück in die Geometrie, die sich bei einem menschlichen Kopf für den Betrachter nicht automatisch erschließt. Denn der Mensch nimmt den Menschen nicht geometrisch wahr.

Die Achtundvierzigjährige ist Vermittlerin zwischen einer Welt, die auf Geometrie baut und sie gezielt einsetzt und unseren angestammten Betrachtungs- und Wahrnehmungsgewohnheiten. Die geborene Reutlingerin arbeitet mit Speckstein, Bronze und Alabaster. Torsi, Akte – auch ganz naturalistische – sind ihre künstlerische Ausdruckslinie. „Ich liebe Geometrie“, sagt die gelernte Vermessungstechnikerin. Schaefers Arbeiten sind mitunter sehr einfach. Die „Twins“ etwa. Zwei Specksteinplatten, rechteckig, die obere Kante jeweils abgeschrägt. Der Zauber erschließt sich im optischen Zusammenspiel beider Platten. Wie man sie stellt, so sind sie zueinander und miteinander. Parallel oder gegenläufig, ein Ensemble oder ein betonter Kontrast, Gegner, Freunde oder eine Einheit.

Oder das schon erwähnte Bronzewerk „Kopf“ aus 2004. Eine Mischung aus Adenauers zusammengekniffenen Augen und seinem vorstechenden Kinn, aus Science-Fiction-Kriegerhelm und aus einer spielerisch festgehaltenen Momentaufnahme eines Sprechenden, der gerade zu blinzeln scheint.

Nora Schaefer spielt mit den Wahrnehmungen der Betrachter. Manches wirkt wie mit Verschmitztheit gemacht. Einiges wirkt wie als Wahrnehmungsfalle gefertigt. Anderes ist überbetont einfach. Bis man vor dem Werk steht, länger als nur einen flüchtigen Augenblick. Und dann feststellt, dass eine einzige neue Perspektive auf das Werk die gerade erworbene Theorie seiner Vordergründigkeit über den Haufen wirft.

Bei Schaefers „Torso“ – einem Specksteinwerk aus dem Jahr 2003, das einen üppigen Frauenkörper zeigt – lohnt das Umrunden. Die Details erschließen sich erst dann. Aber dann von selbst. Nora Schaefers Rolle als Vermittlerin im Dienste des Betrachters klappt.

Die Entwürfe und Ideen kommen ihr „beim Wolkenkino bei Vollmond auf der Terrasse.“ Die Kunst, die sie neben einem Bürojob betreibt, sei für sie Leidenschaft, sagt Schaefer. „Es ist Ausgleich, das Schöpfen von Energie, Vergessen und Verdrängen. Mein künstlerisches Schaffen ist einfach sehr viel für mich.“

Offen wirkt sie, auch wenn sie über ihre Kunst spricht. Sie tut es uneitel, ohne Prätention. Einen Traum hat die Künstlerin Nora Schaefer. Sie, die genaue Beobachterin, wünscht sich ein bestimmtes Modell. Um seinen Kopf abzubilden. „Monika Bleibtreu, die Mutter des Schauspielers Moritz Bleibtreu – ihr Gesicht, ihren Kopf würde ich gerne in meiner Kunst umsetzen. Das wäre ein Traum.“ Es braucht ihn ihr niemand zu erfüllen. Sie wird es selbst tun.

Permanente Streicheleinheit

Nora Schaefer fertigte 1986 erste Bronzeplastiken. Seit 2001 setzt sie alte und neue Entwürfe in Speckstein und Alabaster um. „Speckstein ist wundervoll“, schwärmt sie von ihrem bevorzugten Material. Es sei weich, deshalb gut zu verarbeiten, man könne es mit Holzwerkzeugen bearbeiten. Besonders die individuellen Marmorierungen von Speckstein haben es ihr angetan. „Enorm vielfältig.“ Das Material komme ihr oft vor, wie „eine permanente Streicheleinheit“.

Nora Schaefer lebt seit 1978 in Darmstadt. Seit 2002 ist sie Mitglied der Gruppe „Schuppen-Art“. Ausstellungen führten sie bereits bis ins spanische Barcelona, wo ihre Werke im Oktober 2004 zu sehen waren. Zuletzt stellte sie in der Bensheimer Galerie „Windbraut“ aus. Im August sind Arbeiten von ihr im Dieburger Rathaus zu sehen, es folgt im September die Nauheimer Ausstellung „Form und Farbe“. Kontakt zur Künstlerin gibt es telefonisch unter 06151 2797585 und Infos über Nora Schaefer und ihre Arbeiten auf ihrer Homepage http://stonearts.bluehash.de.

Jürgen Buxmann

 

 

 

 

     

 

  
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