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Sapperlot-Theater in Lorsch
eine liebenswerte BÜhne mit hohem soziokulturellem Anspruch

Sapperlot! Welch ein Theater! Mitten im alten Ortskern von Lorsch weist ein Transparent über dem Tor darauf hin, dass sich in dieser Hofreite etwas Besonderes verbirgt. Im Hof lassen zahlreiche winterharte Pflanzen auf paradiesisch-grüne Zustände im Sommer schließen. Dazwischen stehen zahlreiche Kunstobjekte. Kaum öffnet man die Tür zur ehemaligen Tabakscheune, ist man angekommen: Ein wenig in den plüschigen Siebzigern und vor allem in einer überaus kreativen, gemütlichen Atmosphäre: Im Sapperlot-Theater.
Im Duft von Räucherstäbchen lassen sich unzählige kleine, liebevolle Details entdecken. Unübersehbar ist die große Bühne mit der Bistro-Bestuhlung davor, an den Wänden hängen Bilder von Künstlern und dekoriert ist das Ganze mit einem kunterbunten Sammelsurium. Oben im Gebälk befindet sich die Empore, die, mit Teppichen und bunten Kissen bequem ausgestattet, den Blick von oben auf die Bühne gewährt. Eine Theke mit Bar bietet eine reichhaltige Auswahl an Essen und Trinken – und der Kaffee ist einfach vorzüglich.

Vor sechs Jahren kaufte Hans-Peter Frohnmaier das Anwesen und vor zwei Jahren, nach umfangreichen Umbau und Renovierungsarbeiten an dem denkmalgeschützten Objekt, erfüllte sich der Besitzer seinen Traum und eröffnete das Sapperlot-Theater. Bis zu diesem Zeitpunkt war er selbst viele Jahre als Künstler unterwegs, als Trompeter in verschiedenen Ensembles sowie Mitglied mehrerer Musik- und Kindertheatergruppen. Somit fiel es ihm auch nicht schwer, interessante Künstler auf die neue Lorscher Bühne zu bringen –er kannte sie ja alle. Den Auftakt boten zur Eröffnung im November 2002 „Les Frites Foutues“, das schräge Orchestre clownesque, das Hans-Peter Frohnmaier 1994 mitbegründete.
Viele andere Künstler folgten – aber nicht nur das reine Kulturgeschehen steht im Mittelpunkt des Sapperlot-Theaters. Vielmehr erhebt Frohnmaier einen hohen soziokulturellen Anspruch an sich und seine Bühne. Einmal pro Jahr gibt es eine Benefiz-Veranstaltung, zudem Aktionen zum Weltfrauentag, gemeinsame Projekte mit Schulen für Patenschaften in der Dritten Welt, Kindertheater für Schulen und Kindergärten, Kinderfeste, Kinderprogramme, Theaterworkshops für Kinder, ein Podium für einheimische Künstler und vieles mehr. Einmal im Jahr wird ein Floh- und Kunsthandwerkermarkt veranstaltet, auch zur Unterstützung hilfsbedürftiger Nachbarn.

Jeden Donnerstag steht abends Kulturkneipe auf dem Programm, inklusive offener Bühne, auf der sich jeder ausprobieren darf. Einmal im Monat lädt das Sapperlot-Theater sonntags zum Kulturcafé mit selbstgebackenen Kuchen ein. Auf der Bühne wird Kulturprogramm geboten – speziell für Ältere, die abends nicht so gerne aus dem Haus gehen oder für Eltern, die gerne hin und wieder Kultur genießen möchten und tagsüber eher einen Babysitter finden. In Planung ist der Kultur-Montag, ein Forum für regionale Künstler.
Zudem stehen oftmals fünf bis sechs Kleinkunst-Termine pro Monat auf dem Programm - ob Lesungen, Kabarett, Theater oder Musik - und die unterschiedlichsten Künstler auf den rustikalen Brettern dieser Bühne. Der Theaterchef selbst gehört eher selten dazu, höchsten mit dem Clownstheater Sapperlot, das er mit Dieter von Au 1992 gründete – und das auch dem Lorscher Theater den Namen gab.

Kultur kostet Geld und dieses Theater steht auf privater Basis, wird also nicht subventioniert. Um die Kosten decken und von seinem Theater leben zu können, vermietet Hans-Peter Frohnmaier selbiges auch, für fremde Veranstaltungen mit kulturellem Ansatz, ebenso für private Feste. Dieses Angebot wird von den Lorschern gerne genutzt, in diesem ansprechenden Ambiente lässt es sich ja auch gut feiern – und das Theater ist annähernd fürs ganze Jahr ausgebucht.
Immense Personalkosten hat Hans-Peter Frohnmaier nicht zu verzeichnen. Das Sapperlot-Theater betreibt er alleine, unterstützt von seiner Frau Silvia Rink. Für beide ist es ein Full-Time-Job, der ab und an auch 20-Stunden-Arbeitstage erforderlich macht. Parallel dazu muss das Anwesen in Schuss gehalten werden - wie bei alten Gemäuern üblich sind die Renovierungsarbeiten nie ganz abgeschlossen. Und die drei Kinder des Ehepaares fordern natürlich auch ihre Zeit.

Aber die beiden haben sich mit diesem Theater ihren Lebenstraum erfüllt. Das was sie tun, machen sie mit Liebe und Leidenschaft – was in jedem Winkel dieser schnuckeligen Kultureinrichtung zu spüren ist. Auf seiner Internet-Seite schreibt Hans-Peter Frohnmaier: „Wir erleben zurzeit eine Rückkehr archaischer, längst überwunden geglaubter Bräuche: Stammeskriege, ethnische Selektionen, Missachtung der Völkerrechte und zivilgesellschaftlicher Grundsätze - eine weltpolitische Erosion. Grad’ deswegen, trotz alle dem, liebe Leut’, machen wir Theater, denn dies ist ein Gewinn für die Menschlichkeit. Lachen Sie, weinen Sie, schimpfen Sie, klatschen Sie in unserer Scheune, essen und trinken Sie mit netten Leuten an Tischen und Bänken. Gönnen wir uns was!“ Dem ist nichts hinzu zu fügen! (psi)

Sapperlot – Werkstatt und BÜhne, Stiftstr. 18, Lorsch, Tel. und Fax: 06251/970538, www.sapperlottheater.de

 

     

 

  
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