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Salz und die Grenzwertigkeit: Für Rock nicht hart genug, für Pop zu heftig

Deutsche Texte in der Rockmusik? Damit waren früher Grönemeyer und Westernhaben erfolgreich, auch die Neue Deutsche Welle – aber ansonsten blieb Deutsch eigentlich den Vertretern der Sparten Schlager und Volksmusik vorbehalten. Seit ein paar Jahren hat sich das geändert, man singt Deutsch. Ob das die diversen Söhne Mannheims sind oder junge Formation wie Wir sind Helden, Juli und Silbermond. Die deutsche Sprache hat sich in der Rockmusik etabliert.
Lange bevor dieser Trend einsetzte, formierte sich im Odenwald die Band Lauras Bedtime und bot lyrische Texte mit Tiefgang, in englisch, aber auch in deutsch. Nach einigen personellen Veränderungen und dem Namenswechsel in Salz – was auch schon wieder fünf Jahre zurück liegt – sangen sie nur noch deutsch und waren damit der Zeit einfach voraus.
Zu den Laura-Gründern gehörte Anfang der Neunziger Jens Weimar, der einzige, der auch heute bei Salz noch dabei ist. Gemeinsam mit Frontmann Timo Dengler schrieb er die Stücke Eines davon, „Blue Illusion“, konserviert unter anderem auf dem im Odenwald legendären Mosaiq-Sampler, läuft heute noch bei Indie-Abenden im Steinbruch-Theater.
Das Jahr 1998 brachte den Wandel. Bassist Stephan „Boubou“ Schmidt stieg in die Band ein, mit Nioh Saloga kam ein neuer Frontmann, nicht minder charismatisch als sein Vorgänger, aber eben anders. Er suchte damals eigentlich nur eine Begleitband für einen Showabend an der FH, fand diese in den Musikern von Lauras Bedtime – und bei der ersten Zusammenarbeit hat es gefunkt. Fortan waren er und Gitarrist Jens Weimar für die Stücke verantwortlich. Beide hatten das gleiche Ziel vor Augen, und den Willen, die musikalische Karriere mit Disziplin voranzutreiben.
Die Songs von Lauras Bedtime waren eigentlich nicht Niohs Stil, er sang damals englisch, das Deutsche war ihm nicht emotional genug. Schon Ende 1998 lag ein neues Demotape vor und „How not to be dark“ feierte einige Achtungserfolge, ging beispielsweise als Wochensieger aus dem  SWR3 Nachwuchswettbewerb hervor und wurde auch für den Bundesrockpreis xnominiert. Das Jahr 2000 brachte die Umkehr ins Deutsche. Auslöser war der Song „Die Schöne und das Biest“ der Schweizer Formation Rauhfaser. Nioh erkannte: Es geht doch, in Deutsch und emotional.
Mit „Freudenwellen“ entstand eine neues Demo, erstmals komplett in Deutsch. Das Stück „Halt mich fest“, ein Song der im Prinzip schon seit 1993 existierte, wurde neu aufgenommen – und auch dieser feierte bei Wettbewerben Achtungserfolge. Da ein englischer Name für eine Band mit deutschen Texten etwas widersprüchlich erscheint, erfolgte der Namenswechsel in Salz. Agenturen bemühten sich mehr oder weniger engagiert um die Formation, die Plattenfirmen zeigten sich eher verunsichert. Mit diesem grenzwertigen Stil – für Rock nicht hart genug, für Pop zu heftig – konnten sie (noch) nicht umgehen. Die Texte heben sich halt ab vom Mainstream-Geseier: Themen sind das Zwischenmenschliche, es geht um Beziehungen, um Grenzerfahrungen, um Schicksalsschläge und reichen bis ins Sozialkritische – alles, was sich auf emotionaler Basis beschreiben lässt. Dazu gehört auch die Liebe zur Musik.
Personell gab einige Veränderungen. Nach langer Zeit ohne festen Keyboarder stieg Jürgen Köhler (vorher bei den Paddys) ein, seit diesem Sommer haut Tristan Kreiner – mit 23 der Jüngste der Band – in die Tasten. Der langjährige Drummer und Gründungsmitglied Andre Madaus stieg aus beruflichen Gründen aus. Neuer Mann am Schlagzeug wurde nach einem Casting Marco Müller – bei ihm stimmten einfach auf Anhieb Groove und Punch, er passte zu Salz. Zahlreiche Auftritte wurden absolviert, unter anderem auch beim Schlossgrabenfest in Darmstadt. Ebenso einige Showcases vor Plattenfirmen – bis die Band eine weitere Bereicherung erfuhr: Sie fand mit Jackson Bellina einen Produzenten. Dieser kommt aus der Elektronic-Musik, was sich als ideale Mischung erwies.
Inzwischen liegt ein neues Demo mit den Stücken „Salz, „Purpurrot“ und „Halt mich fest“ vor und mit diesem fertigen Produkt ging es wieder an die Plattenfirmen. Verhandlungen sind am Laufen. Deutsche Texte liegen im Trend, es müsste nun also einfacher sein. Aber Salz unterscheidet sich nun mal von all den Helden, Julis und Silbermonden. Das Teeny-Alter haben sie hinter sich, längst ihren eigenen Stil gefunden. Um des Geldes Willen lassen sie sich nicht verbiegen oder verändern. „Entweder mögen die Leute unsere Musik oder sie lassen es“. Es gibt viele, die diese Musik mögen, zu den Fans gehören Teenager ebenso wie 50-Jährige. Und wenn die großen Plattenfirmen sich nicht begeistern lassen, gibt es ja noch die Möglichkeit der Eigenproduktion.
Live zu erleben ist Salz diesen Monat am Samstag (29.10.) in Reichelsheim im „Havanna“. Mit von der Partie ist passender Weise die Formation Pfeffer, etwas härter als Salz, aber ebenfalls mit deutschen Texten. Informationen zu Salz: www.salz-home.de

     

 

  
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