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Zeugnisse aus rÖmischer Zeit in Obernburg

In die Reihe der Orte an der deutschen Limesstraße fädelt sich auch Obernburg am Main ein. Dort wurden bei gezielten Ausgrabungen, aber auch bei Bauarbeiten, so zahlreiche Funde aus der Römerzeit gemacht, dass es sich lohnte, diese Sehenswürdigkeiten für die Öffentlichkeit auszustellen. Immer wieder mussten für die stetig anwachsende Sammlung größere Ausstellungsflächen gefunden werden. Auch im jetzigen Römermuseum mit seinen vier Ausstellungsebenen wird es inzwischen eng –  ein neues Haus ist geplant.

Der Limes in Deutschland zieht sich auf einer Strecke von über 550 Kilometern von Koblenz am Rhein bis an die Donau. Zum überwiegenden Teil bestand der Grenzwall aus hohen Palisadenzäunen. Zwischen Seligenstadt und Miltenberg bildete der Main jedoch die natürliche Grenze und wird deswegen auch „nasser Limes“ genannt. Bei Obernburg münden die Elsava und, vom Odenwald kommend, die Mümling in den Main. Nach dem früheren Namen des kleinen Flüsschens – Nemaninga – benannten die Römer das Kohortenkastell, das sie im Jahr 83 nach Christus in Obernburg errichteten. Davon ist allerdings nichts mehr zu sehen, denn auf der Anlage ist die Altstadt Obernburgs gebaut. Im Eingangsbereich des Römermuseums vermittelt ein großes Modell des Kastells und der dazugehörigen Siedlung einen Eindruck von den Dimensionen, die die antike Vorgeschichte Obernburgs bestimmte. So richtig belebt wird die Vorstellungskraft allerdings erst durch die Schautafeln und Landkarten aus römischer Zeit, die die damalige Situation und das Leben im Heer verdeutlichen. Auf den ersten Blick ziehen die vielen Sandsteinblöcke die Blicke der Besucher an. Ihre eingemeißelten Inschriften beziehen sich auf die Benefiziarier, die jeweils für sechs Monate zum Dienst am Grenzwall abkommandiert waren. Diese Beamten – meist bewährte Soldaten – mussten dort als eine Art Grenzpolizei für Recht und Ordnung sorgen und die Sicherheit auf den Verkehrswegen gewährleisten. Sonderlich beliebt war dieser Dienst an der östlichen Grenze des römischen Reiches wohl nicht: War ihre Dienstzeit vorüber, stifteten sie diese Weihealtäre ihren Göttern. Anzunehmen ist, so Leo Hefner, der ehrenamtliche Leiter des Museums, dass die Benefiziarier vor ihrem gefährlichen Einsatz ein Gelübde ablegten, einen Altar zu stiften, falls sie den Dienst überleben sollten. Erste Funde einer Benefiziarierstation kamen ebenfalls in den fünfziger Jahren in Obernburg bei Bauarbeiten zum Vorschein. Vor fünf Jahren erfolgte dann eine planmäßige Ausgrabung. Die dort gefundenen Gegenstände sollen bald in Obernburg zu sehen sein – wenn das neue Museum bezogen werden kann. Doch auch die Präsentation der jetzigen Ausstellung ist ausführlich und dokumentiert die Besiedlung des Landes durch die Römer lebhaft.

Zahlreich sind die Spuren, die Einblicke in die römische Lebenswelt bieten. Töpferwaren, Schmuckstücke, Hunderte von Münzen, Werkzeug und weitere archäologische Zeugnisse dokumentieren das Alltagsleben der Römer. Die Ausstellungsstücke werden ergänzt durch Zeichnungen und Texttafeln, die kurz und verständlich die Lebensweise der Römer erläutern. Schnell ergibt sich für den Besucher so ein zusammenfassendes Bild der Lebensgewohnheiten der römischen Legionäre und ihrer Rituale, wie etwa den Toten- und Jenseitskult. Grabbeigaben und regelmäßige Besuche an der Grabesstätte sollten die Toten friedlich stimmen; so waren diese Dienste weniger ein Akt der Liebe, als die Angst vor  den Ahnen und ihrer Rache. Was das Diesseits betrifft, sind neben den privaten Bereichen unter anderem die Praxis der Geld- und Holzwirtschaft beschrieben, die Abläufe in einzelnen Handwerksbetrieben, wie etwa in einer Ziegelbrennerei, werden anschaulich erklärt. Zur Dokumentation des Bauhandwerks ist das Modell eines Hebekrans zu sehen, wie er damals verwendet wurde.

Der Hauptanziehungspunkt des Römermuseums aber befindet sich im Untergeschoss. Hier ist im Gewölbekeller ein Weiheraum für den Sonnengott Mithras nachgebaut, dessen Kult die Römer auch am Untermain feierten. Kühl und dunkel ist es in diesem Mithräum, an dessen Stirnseite ein großes Mithrasrelief hängt. Die Kultstätten dieser persischen Gottheit sind der Höhle nachgebildet, in der Mithras den Stier getötet haben soll. Im Gewölbe prangt der Fixsternhimmel, der die Gleichsetzung des Mithras-Heiligtums mit dem Kosmos symbolisieren soll. Während das Original des Mithrasreliefs in Osterburken gefunden wurde, fand sich bei der Restaurierung der Sankt-Anna-Kapelle in Obernburg ein Steinfragment, das ebenfalls dem Lichtgott gewidmet ist. Daraus lässt sich schließen, dass die Kapelle – wie vielerorts geschehen – auf einer heidnischen Kultstätte erbaut worden ist.  (kro)

Römermuseum Obernburg, Untere Gasse 4, Obernburg. Tel. 06022 619127. Öffnungszeiten: Anfang März bis Mitte Dezember,  dienstags bis samstags von 14 bis 16 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17.Uhr.

 

     

  
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