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Musiktheater Rex in Lorsch

Ein Musikclub mit hervorragendem Programm – aber vielleicht bald Vergangenheit

Warum immer anderswo hinfahren - holen wir die Kultur doch hierher! Diesen Beschluss fassten vor rund 15 Jahren vier Frauen in Bensheim, wo damals in Sachen Kultur mit Ausnahme des obligatorischen Theaterabos in Sachen Kultur tote Hose herrschte. Als „Die Veranstalterinnen“ setzten sie ihre Idee 1991 in die Tat um. Angefangen hat es im Kolping-Haus mit der Band „Back on Stage“, heute „Soulfinger“. Der Liedermacher Ludwig Hirsch kam als nächster und mit ihm die erste Erfahrung mit nicht gedeckten Ausgaben. Aber das entmutigte die vier Damen nicht. Jazz, Kabarett und Comedy, die zu dieser Zeit noch eine andere Wertigkeit hatte als heute, und auch Leckerbissen wie Clownsvariete holten sie an die Bergstraße. Gespielt wurde überwiegend im angemieteten Parktheater, aber auch in der Zwingenberger Melibokushalle, wo Konstantin Wecker das Abschlusskonzert seiner Uferlos-Tour gab. Mikis Theodorakis gastierte auf der Freilichtbühne Heppenheim, im Parktheater die Trommler „Les Tambours du Bronx“ - und auch die Mannheimer Feuerwache gehörte bald zu den von den Veranstalterinnen bestückten Locations.
Mannheim erwies sich allerdings als nicht ganz einfach, weil man nicht vor Ort war, in Bensheim schloss das Parktheater wegen Renovierung – und in Lorsch bot sich ein neuer Veranstaltungsort an: Das Rex, ehemals Kino, später Tanzschule, dann frei. Begeistert von der Atmosphäre mieteten die Damen das alte Kino, bauten ein wenig um und renovierten – und eröffneten es 1997 als Musiktheater Rex. Die Veranstalterinnen reduzierten sich zwischenzeitlich berufs- und krankheitsbedingt auf eine Frau: Margit Gehrisch hatte längst ihren Schmuckladen geschlossen und das Kulturveranstalten zu ihrem Beruf gemacht. Sie merkte schnell: Lorsch ist anders als Bensheim. Das klassische Kleinkunstprogramm kam hier nicht so gut an und einige finanzielle Desaster galt es zu überstehen. Das Rex wurde zu einem reinem Musikclub, wobei hervorragende Künstler das Programm füllten. Aber einfach war auch das nicht: Unbekannte Musiker spielten oft vor nur wenigen Gästen. Selbst das „Probier-Angebot“ – 15 Minuten ins Konzert reinhören und wenn es nicht gefällt, gibt es das Eintrittsgeld zurück – fruchtete nicht. Um finanziell über die Runden zu kommen, musste sich Margit Gehrisch erneut von ihren ursprünglichen Vorstellungen verabschieden. Immer mehr Coverbands traten im Rex auf – und füllten es.
Dabei handelte es sich nicht um jene Querbeet-Coverbands, die regelmäßig auf Volksfesten zu hören sind, sondern um Musiker, die sich auf eine bestimmte Band oder Musikrichtung spezialisiert haben. Auch dabei legt Margit Gehrisch großen Wert auf Qualität – nur die besten wurden engagiert. Und so erklangen in dem ehemaligen Kino die Hits von Pink Floyd, Dire Straights, AC/DC, Queen, Santana, den Stones und vieler anderer Stars, nicht im original, aber oft zum Verwechseln ähnlich nachgespielt. „Die Leute wollen halt das hören, was sie schon kennen“, resümiert die Veranstalterin ein wenig frustriert. Inzwischen ist ihr Frust so weit angewachsen, dass sie sogar über eine Schließung des Musiktheaters Rex nachdenkt.
Veranstaltungen – rund 60 sind es im Jahr - machen nun mal viel Arbeit, die Außenstehende meist nicht wahrnehmen. Es beginnt mit der Programmauswahl, geht weiter über die Werbung, vom Programmheft über die Flyer bis hin zum Plakatieren, die Betreuung der Künstler, die Organisation der Veranstaltung vom Kartenverkauf bis hin zum Putzen der Halle. Hinzu kommt der Kampf mit der Bürokratie: Um ausländische Künstler steuertechnisch richtig abzurechnen müsste man eigentlich Finanzexperte sein. Zu allem Überfluss gibt es auch einen „lärmbelästigten“ Nachbarn, der massiv gegen den Musikclub in Lorsch ankämpft, obwohl immer pünktlich um 23 Uhr Feierabend ist und von Lärmbelästigung nicht wirklich die Rede sein kann. Auch das Sommerloch, das wegen zahlreichen Festchen und Kirmes von Mai bis September andauert, macht gewaltig zu schaffen. Wenn dann unter dem Strich im Jahresschnitt nur rote Zahlen übrig bleiben, stellt sich Margit Gehrisch zu Recht die Frage: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“
Der Herbst 2005 wird die Entscheidung bringen, ob es im nächsten Jahr im Musiktheater Rex weitergeht oder nicht. Auf dem Programm stehen „sichere Sachen“, überwiegend Cover-Geschichten. Es könnte also klappen, dass außer hohen Umsätzen und Kosten vielleicht auch ein angemessener Gewinn zu verzeichnen ist. Und ganz hat Margit Gehrisch ihr Rex auch noch nicht aufgegeben, dafür schätzt sie viel zu sehr die schöne Atmosphäre dieses Veranstaltungsortes – und träumt davon, dort ein kleines, feines Bluesfestival zu installieren. Und so ganz alleine steht sie ja auch nicht da. Zwar bekommt sie von öffentlicher Hand keinerlei Subventionen, aber in Lorsch gibt es einen Förderverein für Kunst und Kultur, der sich den Erhalt der Location als Musikclub auf die Fahne geschrieben hat.
In erste Linie ist aber das Publikum gefordert, das Angebot anzunehmen und die Veranstaltungen im Rex zu besuchen. Sonst ist die Region schon bald um ein kulturelles Highlight - einen Musikclub mit hervorragendem Programm - ärmer.
Musiktheater Rex, Hirschstraße 1, Lorsch, Tel: 06251 588665 (nur an Veranstaltungstagen ab 17 Uhr besetzt). Infos und Karten gibt es im Büro der Veranstalterinnen, Bensheim, Augartenstr. 25, Tel. 06251 608199. Fax 06251 680808 sowie auf digitalem Weg über info@musiktheater-rex.de oder www.musiktheater-rex.de

 

 


                        

     

 

  
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