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Krawallbrüder sind unerwünscht

         

 

Die Otzberger Adler – ein Eintracht-Fanclub im Outback

Fußballfans sind rüpelhafte Chaoten, wenn nicht gar gewalttätige Hooligans – so lautet das besonders im Vorfeld der WM auch von den Medien gerne gepflegte Vorurteil. Solche „Fans“ gibt es sicherlich, aber in verschwindend kleiner Minderheit. Die Masse, die es jedes Wochenende in die Stadien zieht, sind ganz normale fußballbegeisterte Menschen – wie zum Beispiel die Otzberger Adler. Wie ihr Name schon sagt, ist ihre Clubheimat rund um den Otzberg und ihr Herz schlägt für die Adlerträger aus Frankfurt. Der Eintracht-Fan-Club besteht derzeit aus 58 Mitgliedern, das jüngste ist gerade mal acht Monate alt, das älteste Ende 50 – und ein Drittel dieser organisierten Fans ist weiblich. Sämtliche Berufsgruppen sind vertreten vom Lehrer bis zum Schüler, vom Banker bis zum Lokführer. Gemeinsam besuchen sie die Heimspiele der Eintracht, fahren zu den Auswärtsspielen und verbringen auch abseits vom Fußball viel Freizeit miteinander.

Gegründet wurde der Club im Mai 2000 von den Habitzheimern Detlef Kopp, Bernd Kapraun und Patrick Rapp, der auch heute noch Vorsitzender ist. Zur Eintracht fuhren sie schon seit vielen Jahren und waren auch Mitglied in einem Fanclub. Aber dessen Engagement und Organisationstalent ließ zu wünschen übrig und so gründeten sie selbst einen Verein. Anfangs waren es nur Otzberger Eintrachtfans, die dem rund damals rund 15 Mann starken Verband angehörten, aber schnell kamen auch einige Umstädter, Odenwälder, Darmstädter und Wiesbadener hinzu. Im Internet lernten sie im Eintrachtforum einen Schweizer kennen. Der Luzerner Mischa Grilz war von dem Club begeistert und trat ein – inzwischen gehören drei Schweizer zu den Otzbergern. Einen Brandenburger trafen sie beim Fußball im Stadion, auch er ist inzwischen Mitglied bei den Otzbergern und ein ganz fanatischer Fan: Jedes Wochenende wird gerecht aufgeteilt zwischen Eintracht und Familie.

Natürlich sind die Otzberger Adler nicht immer im Pulk unterwegs, selbst zu den Heimspielen fahren sie getrennt: Ein Teil mit dem Zug, der andere in Fahrgemeinschaften mit den Autos zum Parkplatz Gleisdreieck. Dort kommen wieder alle zusammen, an einem der letzten verbliebenen unabhängigen Versorgungsstände. Dass dort Apfelwein aus dem Odenwald ausgeschenkt wird, haben die Otzberger veranlasst – so ein bisschen Heimat muss halt auch in der Fremde sein. Beim Spiel sind die meisten der Mitglieder – 38 von ihnen haben eine Dauerkarte – in der Westkurve im Block 38A-R zu finden, sieben ziehen einen Sitzplatz vor. Nach dem Spiel geht es gleich zurück und der Abschluss – ob zum Wundenlecken oder Feiern bei Kochkässchnitzel und Äppler – ist im Habitzheimer Gasthaus „Zur Brücke“, dem Vereinslokal der Otzberger Adler. Dort treffen sie sich auch jeden zweiten Sonntag im Monat um 19 Uhr regulär, aber auch außer der Reihe, zum Beispiel um die Karten für Pokal- und Auswärtsspiele an die Leute zu bringen. In die fremden Stadien geht es mit Autos, mit dem Zug – und vier Mal pro Saison auch mit dem Bus. Hamburg hat dabei schon Kultstatus und ist seit Gründung ein Muss. Es versteht sich von selbst, dass im Bus eine ausreichende Menge Apfelwein aus den bevorzugten Odenwälder Keltereien dabei ist. Ein anders regionales Getränk spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei den Otzbergern: Der gleichnamige Kräuterschnaps. Ihn zu trinken gehört zum Aufnahmeritual dieses EFC – Kinder sind natürlich davon befreit. Obwohl – wie überall beim Fußball – auch bei diesem Fanclub einiges getrunken wird, Krawallbrüder haben keine Chance. Wer diesbezüglich unangenehm auffällt, fliegt ganz schnell wieder raus.

Schließlich treten die Otzberger Adler auch außerhalb des Fußballs gemeinsam auf, in heimischen Gefilden, zum Beispiel mit einem Getränkestand bei der Habitzheimer Kerb, wo sie auch beim Umzug dabei sind. Familiär geht es bei der gemeinsamen Freizeitgestaltung zu, ob bei der Weihnachtsfeier mit großer Tombola im Winter oder der Saisonabschlussfeier im Sommer. Eine Kanutour brachten sie dabei schon hinter sich, ebenso Camping in der Schweiz oder am Marbachstausee. Die Otzberger nehmen an Fußballturnieren teil, gehen gemeinsam Kegeln und einmal im Jahr steht eine Brauereibesichtigung an. Ehrenmitglieder gibt es bei den Otzberger Adlern auch, wie Mirko Förster von HR3 und Oka Nikolov, den aus dem Odenwald stammenden Torhüter der Eintracht.

Beachtlich ist das Merchandisingprogramm des Fanclubs, das locker mit dem offiziellen Eintrachtangebot mithalten kann. Neben dem Üblichen wie Shirts, Pullis, Kappen und Wimpeln gibt’s bei den Otzbergern auch Regenschirme, in Urberach gefertigte Bembel mit Club-Logo – und Herren-Unterhosen mit dem sinnigen Aufdruck „ Steh auf, wenn Du ein Adler bist...“

Das alles zu organisieren macht natürlich viel Arbeit – und diese liegt überwiegend in den Händen des Vorsitzenden Patrick Rapp. Aber es macht ihm Spaß und die Mitglieder danken es ihm. Genervt ist er nur, wenn es mit den Ticketbestellungen – noch immer ein Problem der Eintracht – mal wieder gar nicht klappen will oder wenn die Anstrengungen so völlig sinnlos sind wie Anfang Dezember. Mittwoch war Treffen, um die Karten für das Spiel in Kaiserslautern zu verteilen, Donnerstag brachte er die Tickets den restlichen Mitgliedern nach Hause – und Freitag früh wurde das Spiel wegen Dachschaden auf dem Betzenberg abgesagt. Das hat alle Eintrachtfans maßlos genervt, Fanclub-Organisatoren wie Patrick machte es zudem noch viel Arbeit. Aber das Leben und das Fan-Dasein gehen weiter – und die Otzberger freuen sich auf die Rückrunde und ganz besonders auf die drei gemeinsamen Auswärtsfahrten im Bus nach München, Schalke und Dortmund.

Otzberger Adler, Patrick Rapp, Tel. 01783523711, Mail: OtzbergerAdler@aol.com, www.otzberger-adler.de; der Mitgliedbeitrag beträgt 15 Euro pro Jahr, Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre sind beitragsfrei.

 

   

 

  
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