DHTML Menu, (c)2004 Apycom Outback - Das Kulturmagazin
 
...Das Kulturmagazin
 

 

 

         

Der doppelte Tauchgang, ganz ohne Tageslicht

Fast schon ein Viertel Jahrhundert alt: Das Theater Mobile in Zwingenberg

Auf die Frage, wie sich das Theater Mobile in Zwingenberg für sie anfühlt, stutzt Julia Schlipf. „Unterschiedlich“, sagt die Vierundzwanzigjährige, die in der kleinen Theatermannschaft sowohl Darstellerin, wie auch die Chefin des ganzen Betriebs ist. „Als Ensemblemitglied fällt mir dazu die große Homogenität und Harmonie unserer Truppe auf. Da ist es ein Ort der Entspannung und der schönen menschlichen Kontakte. Als Vorsitzende des Theatervereins ist das Mobile aber alles andere als Entspannung für mich.“ Stattdessen sei es Stress, bringe Terminprobleme und viel Organisationsarbeit, „und der oft aussichtslose Versuch viele unterschiedliche Menschen und deren Interessen unter einen Hut zu bringen.“
Julia Schlipf gehört erst seit zwei Jahren zum Theater Mobile und ist gerade im März diesen Jahres dessen Vorsitzende geworden. Über eine Schülertheatergruppe am Schuldorf Bergstraße und über die unter anderem von ihr initiierte Theatergruppe „Maskerade“ kam die Krankenschwester einst zum Mobile.
Das gibt es seit 1980. Damals gründeten einige Theaterverrückte die „Neue Theatergruppe Bensheim“. Sie zogen von Bühne zu Bühne, lieferten auf fremdem Terrain Gastspiele. Irgendwann machte sich die Truppe auf die Suche nach einem Domizil und landete nach Gesprächen mit der Stadt Zwingenberg, der das Gebäude des Alten Amtsgerichts gehört, in dessen Gewölbekeller. Damals, erinnern sich die Veteranen, brachte noch jeder Gast seinen eigenen Stuhl zu den Aufführungen mit. Es fehlte an mehr als nur dem Nötigsten. Ende der achtziger Jahre wurde der Keller dann von der Stadt zum Theater ausgebaut. Das Mobile hatte eine Heimat und damit nicht mehr das übliche Dauerschicksal vieler Laienbühnen entlang der Bergstraße zu erdulden: Keine festes Domizil zu haben. „Wir haben schon eher das Problem, genügend Zuschauer zu bekommen“, gesteht Julia Schlipf freimütig und uneitel. An der Öffentlichkeitsarbeit mangele es und irgendwie werde das Theater noch immer nicht in einem Atemzug mit seinem Standort Zwingenberg oder seiner Heimstätte, dem Amtsgerichtskeller.
Gut 100 Leute fasst der Theatersaal. Technik- und Regiestand sind in einem ehemaligen Fahrkartenverkaufshäuschen vom alten Zwingenberger Bahnhof untergebracht. Das wurde abgebaut und im Keller des Mobile wieder zusammengezimmert. Es ist das augenfälligste Detail des Mobile. Aber nicht das einzige. Allzu unwirtliche Ecken im Kellergewölbe werden selbstbewusst mittels Strahlern in Szene gesetzt und – derart akzentuiert – zum Stilmittel erhoben. Vor und nach den Vorstellungen und in den Pausen gibt es Bewirtung. Und das in einem Umfang und einer Qualität, die sich wohltuend von den Theatern abhebt, die zur Pause lediglich den obligaten Schoppen Wein und eine abgepackte Brezel im Angebot haben.
Das Theater Mobile ist mehr als eine Laienbühne. Zwei eigene Aufführungen pro Jahr stellen die rund 50 Mitglieder auf die Beine. „Keine Dialektstücke“, betont die Chefin. „Ansonsten alles. Krimis, Komödien, die Weihnachtsgeschichte oder unsere gerade zu Ende gegangenen Gruselkammerspiele.“ Nicht festgefahren sei das Mobile eben bei der Auswahl seiner Stücke.
Ü ber die Eigenproduktionen hinaus treten regelmäßig Gastkünstler im Mobile auf. Walter Renneisen liest, „Kabaratz“ macht Kabaratz, die Preisträger des Reinheimer Satirepreises „Schwarze Grütze“ waren schon im Mobile-Keller, ebenso wie Christoph Siebert, Gewinner des Satirelöwen. Von dem Kindertheater „Kreuz & quer“ gibt es regelmäßige Auftritte, Schülertheater aus dem ganzen Umkreis treten auf, selbst Bauchtänzerinnen waren schon auf der Bühne. „Vielfalt“, sagt Julia Schlipf dazu. „Wir sind experimentierfreudig. Das wollen wir unbedingt sein. Es ist eine unserer Eigenschaften.“
Nicht an jedem Wochenende ist bislang im Mobile Programm. „Das wäre so ein Zukunftstraum: Jedes Wochenende etwas auf die Bühne zu bringen.“ Dazu, lässt Julia Schlipf durchblicken, muss sich aber der Kreis der Aktiven in dem kleinen Theaterverein noch gehörig erweitern.
Für neue Mitstreiter rührt die Bensheimerin ständig die Werbetrommel. Und bricht dabei eine Lanze für ihr Theater. Das Mobile als doppelter Tauchgang: „Theater zu spielen, bedeutet, in andere Rollen zu schlüpfen, mal abzutauchen in einen anderen Menschen, der man selber ist.“ Doch für Julia Schlipf gibt es noch den anderen Aspekt des Abtauchens beim Mobile. „Ich mag unseren Theaterkeller sehr. Er wirkt schützend, behaglich, dunkel und ruhig. Tageslicht gibt es dort ja nicht. Man kann also auch als Zuschauer bei uns herrlich eintauchen. Und man muss dazu nicht einmal auf der Bühne stehen.“ (Jürgen Buxmann)

Kontakt: Theater Mobile, Obertor 1, Zwingenberg, Tel. 06251-79579.

 

     

 

  
  <<< zurück zur Übersicht          

 

 

nach oben