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Als die Haie noch grün waren...

Ein bisschen siebziger Jahre, ein bisschen Öko, ein bisschen in die Jahre gekommen – und so gemütlich:

Das Miramar in Weinheim

1973 war es die Sensation. Ein Komplex mit Wellenbad, Saunalandschaft, der Möglichkeit zum FKK und das alles von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Dazu kleine Attraktionen wie Wasserpilze, Massagedüsen und eine kleine Wasserschleuse, durch die man von innen in den Freibereich nach draußen schwimmen konnte. Dorthin, wo die Dampfschwaden so malerisch aus dem Freibecken emporsteigen. Als das Freizeit- und Erlebnisbad Miramar vor 31 Jahren nahe Weinheim eröffnete, war es ein Gigant und hatte alle seine Vorzüge exklusiv. Vergleichbares gab es im Umkreis von Hunderten von Kilometern nicht. Nicht mal Frankfurt oder die noblen Taunus-Orte mit dem prestigeträchtigen „Bad“ davor konnten da mithalten.
Zu behaupten, das Miramar sei stehen geblieben, habe sich nicht entwickelt, wäre ungerecht. Die Betreiber haben die Trends im Erlebnis- und Servicebereich über die Jahre aufgenommen und aufmerksam umgesetzt. Kinderlandschaften, gesundheits- und wellnessorientierte Saunen, in denen es allerlei exotische Aufgüsse gibt, Wellnesszonen und modernste Solarien sind heute selbstverständlich. Und eben auch die zahlreichen Applikationen aus teilweise riesigen Mineralsteinen, mancherorts dicht neben indianisch anmutenden Gesichtern, die einem draußen von den Mauern herunter anblicken.
Und doch hat man als Besucher des Miramar den Eindruck, irgendwie sei dort die Zeit ein wenig stehen geblieben. An manchen Ecken hat das Bad etwas Patina angesetzt und die Kinderattraktionen sehen durchaus charmant nach der Vorstellung aus, die man noch vor einigen Jahren davon hatte, was Kinder in Badekleidung begeistern könnte. Wer das Miramar mit den „Mach-dich-nass-und erhole-dich“-Tempeln neuerer Prägung vergleicht, erkennt: die Architektur ist anderswo nicht nur gigantischer, sie ist auch moderner und vor allem auffälliger. Das Miramar ist erst schön, wenn man drin ist. Von außen ist es kein Schmuckstück mehr.
Drinnen hat es dafür alles, was man für den Kurzurlaub braucht. Wellenbad, Solebad, Massagebecken, eine eigene Massagepraxis, mehrere und teilweise riesige Rutschen - sie heißen etwas altbacken „Grüner Hai“ und „Blauer Wal“ - auf denn die Kleinen ordentlich Stoff geben können. Wer sich gerne treiben lassen möchte, kann das im neuen Strömungsbecken tun. In klar definierten Bahnen geht es dort mittels Wasserströmung rund - ohne eigene Schwimmzüge. Man muss loslassen können, um es zu genießen.
Zwei Restaurants, die sich den anderswo gerne erlaubten Stil einer Autobahnraststätte ersparen und - besonders im Sommer traumhaft: eine große Freifläche mit Wiesen. Die ziehen sich bis an den Waidsee, an dem das Miramar liegt. An dessen Ufer gruppieren sich mehrere Saunahäuschen in unterschiedlichen Stilrichtungen: Eine Jägersauna, eine mit Mühlengetriebe davor und ein pagodenverziertes japanisches Teehäuschen. Einen Teil des Waidsees – ein Natursee mit dem weichsten Wasser der Umgebung – haben die Miramar-Besucher exklusiv für sich. Das ist dann auch das Alleinstellungsmerkmal des Weinheimer Badetempels. An einem Natursee liegt keine der Badewelten der weiteren Umgebung.
Schwerpunkt im Miramar, nicht nur flächenmäßig sind die Saunen. 13 Stück gibt es, darunter eine Orangen-Zitronensauna, eine Steinofensauna und eine eigene Sauna für die Damen.
Jeden Abend, wenn es dunkel wird, lässt es das Miramar in der kalten Jahreszeit richtig krachen. Dann wird das „Tropengewitter“ gezündet, eine laute Show mit künstlichem Donner und Laserblitzen.
Nebenbei ist das Miramar auch noch irgendwie „öko“. Gerade in dem Maße, das noch mehrheitsfähig ist. Die Ernährungsangebote sind wesentlich bunter und gesünder, als beim Imbiss auf einem Supermarktparkplatz und mit einem Geothermie-Projekt wird demnächst Energie gespart. Aus einer Tiefe von über einem Kilometer wird 62 Grad warmes Wasser gewonnen. Mit der Erdwärme soll geheizt werden. Acht Millionen Kilowattstunden Gas werden so pro Jahr demnächst eingespart. Und weil das Wasser auch noch viele Mineralstoffe und 15 Mal mehr Salz als Meerwasser enthält, soll es künftig auch in Teilen des Miramar genutzt werden.
Wenn das Miramar auch im Vergleich zu seinen jüngeren Mitbewerbern etwas in die Jahre gekommen ist, einen Vorteil hat die Überschaubarkeit dann doch: Im Miramar hat bis heute nie jene spezielle Hektik unter den Besuchern Einzug gehalten, die - getrieben von dem Gefühl, für den Preis einer Tageskarte auch alles nutzen und probieren zu müssen – mit dem Ausdruck eines gehetzten Rehs im Blick durch die Badelandschaft rennen. Im Miramar geht es ruhig zu, irgendwie sogar beschaulich. Sie müssen gemütlich gewesen sein, die Siebziger.
Jürgen Buxmann

Das Miramar ist montags bis donnerstags von 9.30 bis 22 Uhr, freitags und samstags bis Mitternacht, sonntags bis 22 Uhr geöffnet. Dienstags (ab 18 Uhr) und samstags (ab 19 Uhr) ist im ganzen Bad verpflichtend FKK. Die Eintrittspreise liegen teilweise weit unter denen anderer Freizeitbäder und beginnen bei 2,50 Euro für Kinder bis sechs Jahre. Jugendliche zahlen 7,70 Euro, jeweils für vier Stunden. Erwachsene können für 12 Euro vier Stunden lang das Bad besuchen. Ihre Tageskarte kostet 13,50 Euro. Für das Saunaparadies wird jeweils ein Zuschlag von vier Euro fällig. Geburtstagskinder haben freien Eintritt. Das Miramar wird pro Jahr von rund einer halben Million Menschen besucht. Der gesamte Komplex ist rund 55.000 Quadratmeter groß.

Miramar-Freizeitzentrum, Waidallee 100, 69469 Weinheim, Telefon 06201 60000, www.miramar-bad.de

 

 

 


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