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Kunst im Bahnhof Messel

Meta und KAroly BacsAk leben und arbeiten im denkmalgeschÜtzten GebÄude

"Wir sind der Bahnhof“, sagt die Bildhauerin Meta Bacsák (55) aus Messel und blickt aus dem Fenster ihrer Küche. Darunter läuft eine Gruppe Reisender vorbei, die gerade aus dem Zug ausgestiegen ist. Die Station ist zugleich die Adresse von Meta und Károly Bacsák: Bahnhof Messel.
"Der Vorteil unserer Wohnlage ist, dass wir auch selbst Krach machen können, auch spät in der Nacht ", ruft Maler Károly Bacsák (51) beim Versuch, das Dröhnen eines Güterzuges zu übertönen. „Durch die ständige Geräuschkulisse lebt das Haus Tag und Nacht. Das passt zu unserer Arbeit und zu uns", sagt der gebürtige Ungar.

Trotz des zum Teil hohen Lärmpegels strahlen Haus und Bewohner Ruhe und Harmonie aus. Wenn Bildhauerin Meta Bacsác dem Besucher im gemütlichen Wohnzimmer wie selbstverständlich Kräutertee und selbstgebackenes Brot serviert, wird das Haus inmitten seiner lauten Umgebung zur lauschigen Oase.  

Beim Rundgang durch das Gebäude schlüpft Haushund „Pötyi“ vorsichtig an den bunten Plastiken und Skulpturen auf der Treppe vorbei. „Das Reizvolle hier ist natürlich die große Fläche“, sagt die in Koblenz geborene Meta Bacsák und öffnet die Tür zur mittleren Wohnebene. Wie in den übrigen Räumen des renovierten Hauses vermischen sich dort Wohnbereich und Atelier. Ob in Küche oder Schlafzimmer: Überall stehen farbenfrohe, zum Teil noch nicht fertig gestellte Plastiken aus Ton und Holz. „Das ist der Gewinner“, sagt die Künstlerin und deutet auf eine blaue Skulptur in Siegerpose. „Beim Arbeiten lasse ich meiner Fantasie freien Lauf“. Das zeigen die Materialien, aus denen sie die Plastiken und Objekte mit stark strukturierter Oberfläche anfertigt: Neben Holz, Draht und Ton kommen daher durchaus auch Nussschalen und Mangokerne zum Einsatz. Durch das Bemalen in Schichten werden Bewegung und Lebendigkeit erzeugt. „Materialien faszinieren mich. Wenn ich etwas Interessantes finde, muss ich es einfach mitnehmen. Ich brauche es bestimmt irgendwann“, sagt die Künstlerin und überzeugt mit ihrem fröhlichen Lachen. Und mit Werken wie der fünfteiligen Collage „Zeitsprünge“, in der sie Figuren aus Kaugummi kunstvoll in Szene setzt.

Zwischen zweitem und drittem Stockwerk stehen die sieben "Meta-Morphosen" - Bäume aus Kunststoff, Holz und Sägespähnen. Daraus lässt Bacsák Mensch-Tier-Figuren wachsen, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit zeigen: Der Mensch in seiner Entwicklung mit der ihn umgebenden Menschen-Tier- und Pflanzenwelt und mit sich selbst.

In den Regalen von Karoly Bacsács Atelier stehen unzählige Gläser mit Farbpigmenten und Tuben mit Ölfarbe. An den Wänden hängen kontrastreiche Bilder aus Acryl und Öl. Bei dem aus fast hundert kleinen Holzplatten zusammengesetzten Bild „Gedenkreich“ von  Károly Bacsák  ist jedes Teil mit reflektierender Folie überzogen, die die amerikanische Flagge zeigt. Mit kräftigem Pinselstrich hat der Künstler farbige Bildelemente in Öl darüber gemalt. Das kunstvolle Auftragen mehrerer Schichten mit zum Teil irisierenden Farben ist Merkmal von  Károly Bacsáks Bildern. „Je nach Lichteinfall wirken die Bilder ganz unterschiedlich, durch Lichteffekte und Reflektionen bekommen sie Lebendigkeit und Tiefe.“ Die Farben stellt der Künstler selbst her. In einem  Raum neben dem Atelier stehen Schränke voll beschrifteter Gläser und Dosen. „Gummiarabikum“ und „Marmorsand“ ist darauf zu lesen. Bacsák arbeitet mit Zeichen und Symbolen, die an frühere Kulturen erinnern. Auf den Bildern des ausgebildeten Schriftenmalers und Grafikdesigners vermischen sich Figuren mit organischen Formen, die die Auseinandersetzung von Traum und Realität ausdrückt.

Seit 1986 lebt und arbeitet das Künstlerehepaar im mehr als 100 Jahre alten dreistöckigen Bahnhofsgebäude, dem „Künstlerbahnhof“. Darin haben sie in den vergangenen Jahren Ausstellungen und Konzerte mit befreundeten Malern, Bildhauern und Musikern veranstaltet. Mittlerweile säumen viele hundert Werke die Wände und Räume.

Einmal im Jahr ist großer Bahnhof im ehemaligen Stationsgebäude: Beim Tag des offenen Ateliers im September können sich Besucher einen Eindruck vom Leben und der Arbeit im Künstlerbahnhof machen, ührungen sind zudem jederzeit nach Absprache möglich. „Viele Menschen haben uns schon besucht und jeder hat etwas von seiner Seele dagelassen", sagt Meta Bacsák.

Kontakt: Telefonisch unter der Rufnummer 06159 1396. Weitere Infos über die Künstler und ihre Werke gibt es im Internet unter www.kuenstlerbahnhof.de

(Sabine Eisenmann)

 

     

 

  
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