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Fast so schön wie im Film - Mal seh’n Kino im Frankfurter Nordend

Eine Handvoll Filmfans und Filmemachern gründeten mit Initiator Hans Bornemann im Jahr 1984 das Mal seh’n als Werkstattkino. Ein durchgängiges Programm gab es damals noch nicht. Im 16mm-Format wurden vor allem politische Filme, Klassiker und Kurzfilme gezeigt, das Publikum saß auf schwarzer Holzbestuhlung. Es herrschte eine intime Atmosphäre und dabei ist es geblieben, auch wenn sich bis heute einiges geändert hat: Inzwischen besitzt der Kinosaal mit seinen 80 Plätzen Polstersessel, die Vorführtechnik wurde ergänzt und verbessert, das kleine Café Filmriss durch einen Seitenanbau vergrößert. Mit Gunter Deller, seit 1987 dabei, erweiterte sich das filmische Angebot; in den folgenden Jahren wurde das Mal seh’n mehr und mehr zum Programmkino, das für sein Angebot regelmäßig vom Land Hessen und der Beauftragten des BKM (Bundesministerium für Kultur und Medien) ausgezeichnet wird.
Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf der Erstaufführung ausländischer Produktionen – in Originalfassung und, wenn möglich, mit deutschen Untertiteln. Zum Filmstart sind oftmals die Regisseure zur anschließenden Diskussion anwesend. Von schrägen, ausgefallenen Streifen bis zu sehr subtilen, nachdenklichen Filmen reicht das Repertoire. Vielfach finden auch Kooperationen mit verschiedenen Institutionen zu einer bestimmten Thematik statt, zu denen das Mal seh’n die filmischen Beiträge organisiert. Bei der Zusammenstellung des Programms ergibt sich ein gewisser thematischer Bezug aber auch oft von selbst oder aus aktuellem Anlass: Zur großen Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum wurde etwa ein Rembrandt-Film gezeigt; im November ist eine Reihe „Die vier Elemente im Film“ geplant.
Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Filme ist für Theaterleiterin Ariane Hofmann nicht zuletzt der Beitrag zur Schaffung eines möglichst breiten Filmangebots in Frankfurt. Wenn es nach ihr ginge, sollte das Mal seh’n sowieso am besten zwei Kinosäle besitzen. Denn die Ideen für ein anspruchsvolles und vielseitiges Kinoprogramm gehen den Machern vom Mal seh’n nicht aus. Dabei werden jeden Abend schon drei Filme gezeigt, angefangen mit Dokumentarfilm um 18 Uhr, im Anschluss meist ein aktueller Kinostart und danach gibt es noch die Spätvorstellung. Für das ganz junge Publikum gibt es freitags bis sonntags jeweils am Nachmittag den Kinderfilm. In der Sonntagsmatinee ab 13 Uhr werden vorzugsweise Klassiker gespielt. Die wahren Cineasten unter den Zuschauern wissen zu schätzen, dass im Mal seh’n größter Wert darauf gelegt wird, alle Filme im Originalformat zu spielen. Die Technik ist vorhanden: Neben 16- und 35mm, Super 8, DVD und Video sind auch alle Tonformate von Dolby bis Digital abspielbar.
So geht man dann in das kleine Café Filmriss, kauft sich am Tresen die Eintrittskarte, versorgt sich mit Getränken, Salzstangen oder Brausestäbchen und wartet, bis der Filmvorführer die Tür zum Kinosaal öffnet, in dem sich, so scheint es, eine eingeschworene Gemeinde versammelt. Nicht der Wunsch nach Zerstreuung, sondern das Interesse am Film steht hier eindeutig im Vordergrund. Eine Wohltat ist es allein schon, dass man vor Filmbeginn nicht mit Werbung traktiert wird, sondern Trailer laufen, die auf das Erlebnis Kino einstimmen.
Leider ist aber auch der schönste Film irgendwann einmal zu Ende. Wer sich noch nicht so schnell trennen will, der bleibt danach ganz einfach im Café Filmriss. Im alten Teil sitzt man an gemütlichen Holztischen oder kann von der Theke aus alles überblicken, während der neuere Anbau mit Glasdach etwas „cooler“ wirkt. Hier liegen auch ausführlichere  Informationen zu den gezeigten Filmen, aber auch Tageszeitungen und Filmzeitschriften aus. Wer zwischen Arbeit und Kino keine Zeit zum Essen hatte, kann unter kleinen Gerichten wie Käsewürfel, Frankfurter Würstchen oder Chili con Carne wählen. Unter den Getränken gibt es auch eine schöne Auswahl an Weinen, wobei die Preise alles andere als metropolenüblich sind. (kro)

Mal seh’n Kino, Adlerflychtstr. 6h, Frankfurt. Telefon: 069 5970845. Internet: www.malsehnkino.de

 

     

 

 

 

  
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