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Der saubere Weg zur perfekten Falte

Vadim Lapinskij – Im Atelier des Seeheimer Malers sucht man vergeblich nach Farbklecksen

Es ist sauber. Nirgendwo ein Farbklecks, keine Pinsel mit verschmierten Stielen, geschweige denn bunt befleckte Regale mit Farbtuben oder -tiegeln. Wer das Atelier des Malers Vadim Lapinskij in Seeheim-Jugenheim betritt, wähnt sich eher in einer Galerie, in der eine Putzkolonne gerade ganze Arbeit geleistet hat.
In dem hohen Raum mit Parkettboden steht nicht viel mehr als eine Stereoanlage und ein rostbraunes Ledersofa, von wo aus man Lapinskijs meist großformatige Bilder an den Wänden betrachten kann. Kaum zu glauben, dass Lapinskij hier malt, ohne Spuren eines kreativen Chaos zu hinterlassen. „Wenn ich arbeite, sieht es hier genauso sauber aus“, sagt der in Kiew geborene Künstler.
Zugegeben, meist malt er in seinem zweiten Atelier in der Heidelberger Straße in Seeheim, wo er etwa 50 erwachsenen Schülern Zeichen- und Malunterricht erteilt. Und dann? „Sieht es kaum anders aus.“  Dort liege sogar Teppichboden, der – wie erwartet – sauber sei. „Malerei bedeutet nicht Kleckserei und Kunst findet nicht auf dem Boden statt“ hätten Lapinskijs Ausbilder in Russland stets gemahnt. Diesen Leitfaden hat Lapinskij stets beherzigt und an seine Schüler weiter gegeben. „Durchaus“, antwortet der 45 Jahre alte Künstler denn auch auf die Frage, ob er im Designer-Anzug und ganz ohne Reinigungskosten seine Bilder malen könnte. Diese wirken ebenso rein und klar wie die Umgebung, in der sie hängen.
Auf den ersten Blick ist das Leitmotiv von Lapinskijs Werken kaum zu erkennen. Transparent, fast schemenhaft hat er seine Figuren und Formen auf Leinwand gebannt. Gesichter, die aus dem Nichts hervortreten, Frauensilhouetten, Plastiken, Kerzen, Federn. Alles, was Lapinskij malt, scheint der Welt eigenartig entrückt, so zart und fragil, als würden die realistischen Motive jeden Moment wieder hinter der Leinwand verschwinden. Und plötzlich, nach längerem Hinschauen, werden sie klar erkennbar: Falten.
Lapinskij malt sie in jedem Bild, in allen Varianten: Als Papyrusrolle, als Konturen auf einer Kerze, auf Gewändern, auch als abstrakte Zugabe einer Zypresse erscheinen sie auf einem Gemälde. „Eine frühe Leidenschaft von mir“, erklärt Lapinskij. Als gelernter Bühnenbildner habe er sich früh mit der naturgetreuen Darstellung schwieriger Formen und Motive befasst – und dabei seine Affinität zu Falten entdeckt. Diese bannt er auf Bilder in meist zarten Tönen. So naturgetreu, dass sie fast wie Fotografien wirken. Die Schwere der Ölfarbe schwindet dabei teilweise völlig, bis nur noch ein Hauch von Farbe über die Leinwand huscht. „Ich habe diese Technik entwickelt und möchte sie perfektionieren“, sagt Lapinskij über die Arbeitsweise, Konturen und Schatten durch Verwischen federleicht wirken zu lassen.
Lapinskij versteht sein Handwerk: An der Staatlichen Akademie der Künste in Kiew wurde er ausgebildet, für mehr als 20 Theaterstücke hat er in der Ukraine und in Georgien Bühnenbilder entworfen.
Namen haben seine viele hundert Bilder nicht: „Davon halte ich nichts. Jeder soll die Werke auf sich wirken lassen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Wenn ich Titel vergebe, ist die Wirkung der Bilder schon festgelegt.“ Alle Motive seien ausgedacht. So gibt es weder die unbekannte Schöne, die - in ein romantisches grünes Kleid gehüllt – melancholisch zur Seite schaut, noch einen Körper zu dem aus einem apricotfarbenen Hintergrund heraustretenden Gesicht, das nachdenklich-erwartungsvoll in die Leere blickt.
Auch bei der Stilfrage möchte sich Lapinskij nicht festlegen. Keine Namen, kein Schubladendenken. Stattdessen freie Gedanken über vorwiegend aufgeräumt wirkende Motive in einer Umgebung mit klaren Formen. „Die Bilder sollen Assoziationen wecken. Der Betrachter muss sie genießen können, ohne durch zu viele andere Eindrücke abgelenkt zu werden“, sagt der Künstler. „Romantischer Realismus im weiteren Sinne“ käme seiner Art zu Malen am nächsten.
Seine Kunst kommt an: In zahlreichen Galerien hat Lapinskij seine Werke schon präsentiert, darunter in regionalen Häusern wie im Hofgut Reinheim, in der Geibel’schen Schmiede in Eberstadt und im Museum Heppenheim. Oft reist Lapinskij auch nach New York. Dort hat er schon mehrfach Ausstellungen organisiert, darunter in der Galerie La Boom in Brooklyn und in SoHo (Manhattan).
Im November will Lapinskij eine eigene Galerie in Seeheim eröffnen. Seine Partnerin wird die Künstlerin Magdalena Flammiger sein. Der Name der Galerie soll daher – als Wortspiel der Namen – Vama heißen.

Kontakt: Vadim Lapinskij, Telefon 06257 86159.

 

 

     

 

  
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