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Kleinkunstbühne Kochsmühle in Obernburg

Jede Menge Stars im Programm, aber auch ein Podium für Newcomer

Die Kleinkunstbühne Kochsmühle verdankt ihre Existenz im Prinzip dem Zufall – der der glücklichen Fügung. Auf alle Fälle stimmte das Timing: Die richtigen Personen waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bei den Personen handelte es sich um Veronika Hofmann und Petra Ulbrich. Vor rund 20 Jahren besuchten sie aus Interesse die Hauptversammlung des im Jahr zuvor gegründeten Arbeitskreis Kul-Tour – als dieser sich gerade auflösen wollte. Das Vorhaben, Obernburg mit Kultur zu beleben, gestaltete sich für die Gruppierung als zu schwierig und ließ sich nicht erfolgreich umsetzen. Die beiden Damen übernahmen kommissarisch die Leitung, wurden später auch zu Vorsitzenden gewählt und aus der Auflösung wurde nichts.
Und nochmals stimmte das Timing, denn zur dieser Zeit wurde gerade die Kochsmühle –  eine ehemalige Getreidemühle – im Rahmen der Stadterneuerung saniert und sollte anschließend die Musikschule der Stadt beherbergen. Die Baumaßnahme war schon weit fortgeschritten, glücklicherweise nicht weit genug, um die Planung dahingehend zu ändern, dass im Obergeschoss zusätzlich Räumlichkeiten für eine Kleinkunstbühne geschaffen wurden.
1988 war Eröffnung, Bühnenleiter damals Urban Priol. 1992 beschränkte der sich auf die künstlerische Leitung und stieg – mit zunehmender eigener Popularität als Kabarettist – 1998 ganz aus. Als Kabarettist schaut er aber immer wieder in der Obernburg vorbei.
Urban Priol ist ja bekannt für seine Mammutprogramme, unter drei Stunden macht er es selten bis gar nicht. In der Kochsmühle ist das aber gut ertragen, denn sie Stühle sind bemerkenswert bequem. 99 Zuschauer passen in den Bühneraum, bei der üblichen lockeren Bistrobestuhlung. An der Bar gibt es Getränke (natürlich nicht während der Vorstellung) und auch etwas zum Knabbern. Das Prinzip der kulturellen Kost lautet: Altbewährtes mit Newcomern kombinieren. Viele Große der Kleinkunstszene standen in den vergangenen 17 Jahren auf der Obernburger Bühne und so mancher Newcomer zählt bereits oder bald zu den Großen. Geboten wird die ganze Palette der Kleinkunst und viel Kabarett: Hans Scheibner, Hanns Dieter Hüsch, Matthias Beltz, Reiner Kröhnert, Andreas Giebel, Lars Reichow, Dieter Nuhr, Anka Zink, Thomas Freitag, Volker Pispers, die Mehlprimeln, Sigi Zimmerschied, Georg Schramm, Achim Konejung oder die Academixer aus Leipzig gastierten schon in der Kochsmühle. Gerhard Polt samt Biermösl Blosn musste wegen der großen Kartennachfrage in die Stadthalle ausweichen, ebenso Ottfried Fischer.
Besonderer Beliebtheit erfreuen sich nicht nur die Heimspiele von Urban Priol, sondern überhaupt die Auftritte lokaler Größen wie Norbert Meidhof, Klaus Staab und Holger Paetz. Hinzu kommen noch der „Obernburger Mühlstein“ - ein Kabarettwettbewerb für „Newcomer der Szene“ - und der „Obernburger Aschermittwoch“, jeweils mit großem Aufgebot an Kabarettisten im Bürgerzentrum Elsenfeld. Den Wettbewerb „Obernburger Mühlstein“ gibt es schon fast so lange wie die Bühne selbst und er ist bundesweit bekannt. Zahlreiche mit dem gewichtigen Mühlstein (sieben Kilo schwer!) ausgezeichnete Newcomer haben längst ihren Weg gemacht, wie beispielsweise Django Asyl. Ein anderer Teilnehmer, Michael Mittermeier gewann den Wettbewerb zwar nicht, fühlte sich aber allein durch die Teilnahme geehrt. In der Jury sitzt neben Vertretern von Bühnen und Presse auch immer der Sieger vom Vorjahr, der zudem den aktuellen Wettbewerb moderiert.
115 Mitglieder zählt der Verein, 40 bis 50 davon aktiv als Helfer rund um das Kulturgeschehen. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre der Kulturbetrieb finanziell nicht tragbar, so die derzeitige Vorsitzende Petra Ulbrich – rund 30.000 Arbeitsstunden wurden seit Bestehen auf diese Weise für den Verein und das Kulturleben in Obernburg geleistet. Das Ehrenamtliche macht 90 Prozent der Arbeit aus, für das Organisatorische, die Planung und das Booking ist die Agentur Akzent zuständig, eng mit dem Arbeitskreis Kul-Tour verbunden und für diesen halb ehrenamtlich tätig. Das Programm wird von einer Dreier-Gruppe festgelegt, der Vorstand besteht aus sieben Mitgliedern und Hauptversammlungen gibt es nur alle zwei Jahre. Vereinsmeierei ist nicht das Ding der Obernburger Kulturschaffenden. Die gemeinsame Arbeit und der Austausch untereinander hingegen schon.
Die politischen Gremien der Stadt unterstützen den Arbeitskreis Kul-Tour von Anbeginn an, bis vor ein paar Jahren auch finanziell. Inzwischen ist die Obernburger Stadtkasse so leer wie andere auch, aber der Verein darf die Kochsmühle kostenlos nutzen, was einer finanziellen Unterstützung gleich kommt.
Neben dem hohen Qualitätsanspruch in Sachen Programm wird in der Kochsmühle großer Wert auf moderate Preise gelegt. Auch Jungendliche sollen sich Kleinkunst leisten können – so Petra Ulbrich. Der Eintritt kostet regulär zwölf Euro (maximal 15 Euro bei hochkarätigen Künstlern), ermäßigt 8,50 Euro. Fast 90.000 Besucher zählt die Kleinkunstbühne seit ihrem Bestehen und mit im Schnitt 70 bis 80 Gästen pro Vorstellung ist sie gut ausgelastet. 60 bis 65 Vorstellungen gibt es pro Jahr, abzüglich der Sommerpause von Mai bis September sowie der Ferien wird an jedem Wochenende gespielt, meist an zwei Tagen.
Auch in Obernburg gilt: Je bekannter der Künstler, desto größer der Andrang der Zuschauer. Dennoch bleibt die Kochsmühle als Podium für den Nachwuchs bestehen. Ein Anreiz für das Publikum, den Newcomern eine Chance zu geben: Die Happy-K-Punkte. Die gibt es bei Veranstaltungen unbekannterer Künstler und wer fünf davon gesammelt hat, darf einmal kostenlos in eine Vorstellung.
Übrigens: Es lohnt sich, auch der Umgebung der Kochsmühle etwas Aufmerksamkeit zu gönnen. Die Altstadt mit ihren kopfsteingeplasterten Gassen ist traumhaft schön, direkt neben dem Gebäude befindet sich ein zauberhafter Rosengarten, schräg gegenüber das Römermuseum.
Kleinkunstbühne Kochsmühle, Untere Wallstraße 8-10, Obernburg, Tel. 06022 7934, Fax 06022 7942, www.kochsmuehle.de

 

     

 

  
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