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Schnauferl, Dinos der Landstraße und schnelle Flitzer

Rund 800 chromblitzende Oldtimer ab Baujahr 1907 bevölkern Mitte Juli den Bad Königer Kurpark und die Straßen der Region

Was genau macht sie aus, die Faszination alter Autos? Die einfache Technik, an der man ohne Computer oder Spezialwerkzeug herumschrauben kann? Formen, die vom Sinn für Ästhetik statt vom Windkanal geformt wurden? Oder die immer wiederkehrende Herausforderung an den Besitzer im Kampf mit ihren Macken, verbunden mit dem Reiz, diese zu beherrschen? Für jeden gibt es wohl einen anderen Grund, warum er das alte Blech so liebt. Diese Liebe zu pflegen oder auch neu zu entdecken – dafür bietet sich Mitte Juli in Bad König  und auf den Straßen der Region die ideale Gelegenheit.

Zum 14. Mal lädt das Bad Königer Klassikerfestival die Oldies, ihre Besitzer und Fans in die grüne Idylle des Kurparks ein. Alles was unter dem edlen Blech Rang und Namen hat kommt – und wer einmal da war, kommt immer wieder. In der familiären Atmosphäre im Kurpark an den Seen ist jeder Klassikerbesitzer Teilnehmer und erhält, wie die ausstellenden Clubs, eine kostenlose Stellfläche. Rund 800 chromblitzende Oldtimer ab Baujahr 1907 werden den Kurpark in ein lebendiges Kraftfahrzeugmuseum verwandeln. Der fast hundertjährige Loreley trifft auf den Ferrari 512 TR, traditionelle Handwerkskunst auf Hightech Sportwagenbau der Gegenwart, grundsolide Technik auf „Exoten“. Markenclubs feiern zusätzlich den 100. Geburtstag der Marke Lancia und den 70. und 50. Geburtstag des Fiat Topolino und Fiat 500.

Wie bei jedem Klassikertreffen steht auch dieses Jahr ein Highlight im Mittelpunkt – diesmal sind das die Mittelmotor-Fahrzeuge. Das sind zweisitzige Sportwagen, die ihren Motor hinter den Sitzen beziehungsweise direkt vor der Hinterachse platziert haben. Durch diese günstige Gewichtsverteilung verfügt diese Fahrzeugbauart über eine außergewöhnlich gute Straßenlage. Die aus der Formel 1 übernommene Technik wird heute von fast allen führenden Sportwagenproduzenten angewendet. Um die Evolution dieser Technik breit gefächert in Bad König aufzuzeigen, hat der Veranstalter Alexander Hahn die Tore für Mittelmotor-Sportwagen von den Anfängen der 60er Jahre bis zu den Hightech-Modellen der 90er Jahre geöffnet. Seltene und teure Exoten wie Ferrari F40, Lotus Esprit, Lancia Stratos, BMW M1, Bugatti EB 110, Porsche 904, Maserati Bora oder Lamborghini Miura können die Startrampe im Kurpark herunter rollen. Sicher dabei sein werden die älteren Fahrzeuge wie  Fiat X 1/9, Lancia Montecarlo und Stratos, Lotus Esprit S3, Ford GT 40, Ferrari Dino 208 GT4, 328 und der 512 Testarossa.

Das Highlight der vergangenen Veranstaltungen waren die Dinosaurier der Landstraße und auch das „2. Internationale Treffen historischer Omnibusse“ wird die Besucher in ihren Bann ziehen, Erinnerungen an die 50er und 60er Jahre wecken. Von den Hightlights bleibt immer etwas hängen, beziehungsweise sie kommen alle wieder – so auch die DeLoreans, das Highlight des Jahres 2000. Von den Flügeltürern aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ wird auch dieses Jahr wieder eine ganze Armada im Kurpark parken.
Natürlich beschränkt sich das Festival nichts aufs Parken, ganz im Gegenteil – es soll ja die gesamte Region etwas davon haben. Samstags nehmen alle Fahrzeuge die Oldtimer-Erlebnisfahrt „Nibelungen Klassik“ durch die Fachwerkregion Naturpark-Odenwald unter die Räder. Im Mittelpunkt der Ausfahrt stehen die Fachwerkstädtchen Breuberg, Miltenberg, Amorbach, Erbach und Michelstadt. Sonntags gehört das Kurpark-Areal dann erneut den britischen und italienischen Klassikern. Eine Ausfahrt durch den westlichen Odenwald führt die Teams durch Höchst, Brensbach, Fränkisch-Crumbach, Reichelsheim und Michelstadt. Die historischen Omnibusse fahren sogar bis nach Wertheim, Schnauferl-Besitzer mit Fahrzeugen bis Baujahr 1940 nehmen auf speziell ausgesuchten Strecken an beiden Tagen an der „Nibelungen-Historic“ teil.

Der Samstagabend steht unter dem Motto „Nacht der Motoren“ und ab 17 Uhr werden die Fahrzeuge nach der Ausfahrt in der Bad Königer Innenstadt vor dem Schloss vorgestellt. Anschließend gibt es Live Musik und gegen 22.30 Uhr steht eine Formel 1 Demonstration auf dem Programm. Sonntags stehen die Omnibusse in der Innenstadt von Bad König und mittags sind dort Demonstrationsfahrten der Motorwagen bis Baujahr 1915, der sportlichen Vorkriegsautomobile wie Bugatti, Bentley, Alfa Romeo oder Fiat sowie der Mittelmotor-Sportwagen geplant.

Es gibt also allerhand zu schauen, im Bad Königer Kurpark, der Innenstadt und auf den Straßen der Region  - und sicher erblüht auch dieses Jahr wieder die eine oder andere neue Liebe, zwischen Mensch und diesem faszinierenden Blech.
Aktuelle Informationen über Teilnehmer und Aktivitäten sind unter www.Klassikerfestival.de zu finden.

Reisen wie früher – im historischen Omnibus

Im Mümlingtal zwischen Erbach und Höchst besteht die Möglichkeit, mit einem Oldie-Bus-Shuttle nach Bad König anzureisen (Karten gibt es direkt im Bus). Zusätzlich bietet die Odenwald-Regional-Gesellschaft die Möglichkeit an der Samstags-Ausfahrt im Oldtimerbus teilzunehmen. Die vergleichsweise günstigen Fahrten kosten im Vorverkauf 6 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder. Hiervon geht 1 Euro an die humanitäre Kinderhilfe „Kinderpan“, die sich um Projekte in den ärmsten Regionen der Welt kümmert.
Buchbar sind die Ausfahrten bei: Touristik-Zentrum der OREG, Marktplatz 1, Erbach, Tel. 06062  94330, Mail: odenwald@oreg.de

Knutschkugel zu gewinnen - per Losglück zum Oldiebesitzer

Traditionell wird seit über zehn Jahren ein Besucher des Klassikerfestivals zum Oldie-Besitzer – ganz einfach mit einem Los. Zu gewinnen gibt es dieses Jahr wieder ein erklärter Liebling, ein Sympathieträger ersten Ranges: Ein Fiat 500. Die kleine Knutschkugel wird am 16. Juli um 15.45 Uhr verlost, die Lose zur Teilnahme gibt es vor Ort und die kosten einen Euro.
Der kleine Italiener schaut auf ein fast 50-jährige Geschichte zurück: Im Juli 1957 bekam der Fiat 600 einen kleinen Bruder, der ihm äußerlich recht ähnlich sah, aber dessen Heckmotor von ganz anderer Art war. Um auch denjenigen Autofahrern noch etwas anbieten zu können, denen selbst ein 600er zu teuer war, hatte Fiat den Typ „Nuova 500“ entwickelt, der den ersten luftgekühlten Motor in der Geschichte des Hauses bekam. Aus 479 ccm holte der winzige Zweizylinder anfangs 13, dann bald 15 PS und schaffte es so, den zwergenhaften, weniger als drei Meter langen Viersitzer 85 km/h schnell zu machen.
Im Innenraum, ganz nach Art des 600er ausgestattet, hatten vorne zwei Erwachsene bequem Platz, und auf der Rückbank konnten zwei Kinder oder im Notfall auch (nicht zu große) Erwachsene platziert werden.
1960 erschien eine hübsche Kombiversion des 500, genannt Giardiniera, mit verlängertem Radstand. Hier hatte man den Motor um 90 Grad gedreht, um eine plane, durchgehende Ladefläche zu schaffen. Diese Version leistete 17,5 PS, und auch der normale 500 bekam von nun an diesen Motor und nannte sich 500 D.
Zwei Jahre zuvor war ein Fiat 500 Sport mit diesem 17,5-PS-Motor vorgestellt worden, er lief 105 km/h Spitze. Aber auch die anerkannten Tuningfirmen nahmen sich des kleinsten Fiat an und zauberten oft mehr als 30 PS aus der Miniaturmaschine. Im März 1965 bekam schließlich auch der Fiat 500 vorne angeschlagene Türen und wurde fortan als 500 F bezeichnet. Die Motorleistung betrug jetzt 18 PS. Wobei es Fiat auch bis zum Produktionsende bewenden ließ.
Als im Jahre 1976 der völlig neue Typ 126 den kleinen 500er ablöste, verschwand ein Auto aus den Angebotslisten der Händler, das zusammen mit seinen Verwandten und Vorläufern 600 und Topolino maßgeblich zur Motorisierung Italiens, Spaniens und Jugoslawiens beigetragen hatte. Aber auch in Deutschland gehörten die wendigen italienischen Kleinwagen viele Jahre zum vertrauten Straßenbild. Nun werden sie langsam rar - doch hier und da wird ein gut erhaltenes Exemplar angeboten. Die kleinen Fiat haben es geschafft, sie sind zu Liebhaberfahrzeugen geworden – und einer davon findet beim Klassikertreffen einen neuen Besitzer.

Von der Liebe zum historischen Blech

Im Landkreis Miltenberg stehen die alten Schönheiten hoch im Kurs und Klassikertreffen monatlich auf dem Programm

Sie sind nicht unbedingt die passionierten Schrauber, die sich da auf dem Gelände des Weinguts Wengerter in Röllfeld treffen. Doch sie haben ihren Spaß an Formen und teils veralteter Technik: die Oldtimerfreunde. In Klingenberg/Röllfeld kommen sie bis Oktober einmal im Monat zum Klassikertreffen. Die Vielfalt der Autos und die Atmosphäre machen das vom Verein Main-Land Miltenberg unterstütze und von Volkmar von Wittern und Weingutsbesitzer Rainer Wengerter organisierte monatliche Klassikertreffen auf dem Winzerhof Wengerter zu etwas Besonderem. Vor allem aber sind es die Fahrzeuge und deren Besitzer, die einen Besuch sehens- und hörenswert machen.
Fast 70 Oldtimer stehen beim zweiten Klassikertreffen der Saison in Reih und Glied vor und hinter der Scheune des Weinguts. Kein Fahrzeug ist doppelt vertreten. In der Abendsonne glänzen unter anderem ein Ford A Roadster aus dem Jahr 1930, ein Chevrolet 3100 Pickup aus dem Jahr 1957, der 1000Sp von Auto Union aus dem Jahr 1960 und ein Ford T, (auch Tin Lizzie genannt) von 1922, von dem in Europa nur noch zwei Exemplare existieren.
Jedes neu ankommende Auto wird neugierig begutachtet und an offenen Motorhauben entwickeln sich ungezwungen lockere „Benzingespräche“. An allen Ecken fachsimpeln die Freunde historischer Fahrzeuge über die richtige Pflege und Veredelung und tauschen Anekdoten aus. Enthusiasmus liegt in der Stimme des Oldtimerfans, wenn wie beispielsweise Ernst Umscheid aus Collenberg über seinen Opel Admiral Typ B spricht. Ursprünglich habe er einen Citroën kaufen wollen, so Umscheid. Doch da habe seine Frau nicht mitgespielt. 1994 sei ihm die Verkaufsanzeige eines Admiral in die Hände gefallen. Der Wagen, Baujahr 1971, habe einmal dem ehemaligen Obernburger Sparkassenchef Ignatz Kress gehört. Neben der Beschreibung „145 PS und 117000 Kilometer“ sei folgender Satz in der Anzeige bemerkenswert gewesen: „Das Auto kennt jeden (Schleich-)Weg im Spessart.“ Es war „Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Umscheid, und das, obwohl der Admiral ziemlich heruntergekommen und mit platten Reifen in der Garage stand. Mit einem Kompressor pumpte er die Reifen auf und nahm die nächste Hürde: Er fuhr zu seiner Frau. Deren Reaktion kam für ihn überraschend: „Das Auto gefällt mir, das bleibt da“.
1500 Mark hatte Ernst Umscheid damals bezahlt und noch 3000 Mark investiert. Vieles reparierte er selbst. In den vergangenen zwölf Jahren fuhr der Autoliebhaber mit dem Admiral 60000 Kilometer, nahm an mehr als 100 Autotreffen teil und gewann auch schon einige Wettbewerbe, bei denen unter anderem Geschicklichkeitsfahren gefragt ist. Er genießt die Aufmerksamkeit für seinen Wagen: „Die Leute stehen an der Straße und halten den Daumen hoch“. Auch heute noch mietet sich der Collenberger regelmäßig eine Werkstatt und schraubt am Auto. Nur den Motor überlässt er Profis.
Fast jeder Teilnehmer am Klassikertreffen legt selbst Hand an seinen Oldtimer. Bestes Beispiel: Ossi Hülbig aus Miltenberg mit seinem Marcos, Baujahr 1972. Allerdings kommt Hülbig am Mittwoch als Mitfahrer nach Röllfeld. „Ich habe bis zum Schluss geschraubt und bin doch nicht fertig geworden“, bemerkt er frustriert. Sein Auto sei wohl erst in vier Wochen wieder fahrbereit. Trotzdem wollte er sich das Klassikertreffen nicht entgehen lassen. Hülbig schwärmt von der Atmosphäre, vom Platz der den Oldtimern zur Verfügung steht und vom guten Essen. Bemerkenswert auch die Detailverliebtheit der Autobesitzer. Manfred Helmstetter (Wörth) holt aus dem Kofferraum seines Citroën 11CV (Baujahr 1955) einen Reiseplattenspieler aus den 50er Jahren und spielt die Single „Verbotene Träume“ von Peter Alexander.
Die Klassikertreffen sind Highlights, die das bereits große Freizeitangebot der Region immer mehr bereichern. Tatsächlich soll die regelmäßige Veranstaltung für die Region werben, erklärt Volkmar von Wittern. Im Umkreis von 100 Kilometern werde dafür geworben und die Teilnehmer kämen teilweise von Offenbach, Heidelberg und Würzburg. „Wer noch nie da war, der hat etwas versäumt“, betont von Wittern. Es ist ein freies Treffen, ohne Anmeldung und Gebühren. Das nötige Ambiente liefern die Musik und die Gemütlichkeit des Weinguts.
Die Klassikertreffen auf dem Weingut Wengerter in Röllfeld finden bis Oktober jeden ersten Mittwoch im Monat, jeweils ab 18 Uhr, statt. Außerdem macht die Nibelungen Klassik und Historic am Samstag, 15. Juli ab 12 Uhr Mittagsrast auf dem Weingut Wengerter. Um 13.30 Uhr fahren die Teilnehmer weiter nach Miltenberg, wo sie nach einer Fahrt durch die Miltenberger Altstadt auf dem Engelplatz durch Volkmar von Wittern präsentiert werden.

 

 

 

     

 

 

 

  
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