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Kleines Cinema mit groSSem Programm

Das Kult-Kino Passage im bayrischen Erlenbach lockt seit 25 Jahren die Hessen Über den Main

Es stammt auch aus den Fünfzigern, das Kino Passage in Erlenbach am Main, aber als Kult-Kino feierte es Silvester 2003/04 sein 25-jähriges Jubiläum. Fest verbunden damit steht der Name Eva Matlok, die es mit ihrem Team 1979 als Programmkino neu aufleben ließ. Das lockte auch wahre Besucherströme aus dem hessischen Odenwald, die schon den Weg dahin zum Erlebnis machten. Geparkt wurde grundsätzlich in Wörth und die letzten 200 Meter ging es zu Fuß über die Mainbrücke.

Inzwischen lebt Eva in Berlin, der Chef heißt Steffen Heinke – aber das Kino Passage ist noch immer das Programmkino mit dem besonderen Flair. Der Übergang war fließend, Steffen – ebenfalls absoluter Cineast - fing als Filmvorführer an, übernahm schon bald die Programmgestaltung und Ende der Neunziger, nach dem Umbau, die Gesamtleitung.
Im Kino Passage laufen überwiegend europäische Filme, auch Dokumentationen, und gespielt wird täglich – sogar an Heiligabend. Samstags und sonntags gibt es meist fünf Vorführungen, angefangen mit der Matinee, inklusive Frühstücksangebot, zwei Kinderfilme und die beiden Hauptfilme. Manchmal werden zudem Late Night-Vorstellungen geboten und fester Bestandteil ist monatlich das Senioren-Kino. Auch Schul- und Sondervorführungen sind möglich – und vor den Hauptfilmen gibt es oft Kurzfilm-Leckerbissen. Besondere Schmankerl, die hin und wieder für einen kleinen Kreis Fans auf dem Programm stehen: Stummfilme, begleitet von Live-Musik oder nicht synchronisierte Originalfassungen.

Trotz des überwältigenden Angebot sind die Eintrittspreise absolut moderat: Die Hauptvorstellungen kosten zwischen 5.50 Euro, bei Überlänge 50 Cent mehr, die Matinee samstags vier, sonntags fünf Euro und Kindervorstellungen grundsätzlich drei Euro, ob für Kinder oder Erwachsene. „Es sollen sich schließlich auch Familien mit mehreren Kindern noch einen Kinobesuch leisten können“, so die Intention des Chefs. Nur in Ausnahmefällen, bei extrem hohen Leihgebühren, steigt der Preis auf vier Euro. Donnerstags ist Kinotag und alle Filme kosten nur 4. 50 Euro - und Geburtstagskinder haben immer freien Eintritt.

Der Saal mit seinen 165 Plätzen wurde bei der Umbaumaßnahme 1997 lediglich renoviert, das Wesentliche blieb erhalten: Breite, bequeme, weiche Sessel und unheimlich viel Fußraum – und vom jedem Platz aus freien Blick auf die Leinwand. Komplett umgebaut und erweitert wurde der Vorraum. Hier können die Gäste nicht nur ihre Eintrittskarte kaufen, sondern in der Kinokneipe auch Getränke aller Art, Süßes und Saures, ebenso kleine Snacks, belegte Brötchen sowie Warmes und Kaltes aus der Küche. Diese kleine, liebevoll gepflegte gastronomische Einrichtung trägt trotz günstiger Preise deutlich zum finanziellen Überleben des Kinos bei und öffnet in der Regel ein halbe Stunde den Vorstellungen.

Trotz Internetseite erscheint in unveränderter Auflage monatlich die Programm-Zeitung mit ausführlichen Informationen zu den anstehenden Filmen. Beim Publikum ist diese gedruckte Einführung in den Kino-Monat nach wie vor ausgesprochen beliebt. Ebenso natürlich das Programm-Angebot – was zahlreiche entsprechende Einträge im Gästebuch der Internet-Seite belegen. Anerkennung kommt aber auch von ganz anderer Seite: Das Kino Passage wurde für herausragende Jahresfilmprogramme ausgezeichnet und finanziell unterstützt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in den Jahren 1981, 1983 und 1986 bis 2002 durchgängig. Unterstützung kommt auch aus dem FilmFernsehFonds des Landes Bayern für die Jahres 1983 bis 2003.

In den Siebzigern und Achtziger des vergangenen Jahrhunderts eroberte die schräge britische Komiker-Truppe „Monty Python“ die Kinoleinwände – auch und ganz besonders in Erlenbach. Es gehörte damals zu Weihnachten dazu wie der Christbaum, nach dem ganzen familiären Bescherungszinnober ins Kino zu gehen. Dort lief natürlich das „Leben des Brian“ – und die Puffreis-Steinigungen im Kino sind legendär. Aber damals zog man sich auch die „Blues Brothers“ immer wieder rein, stets mit schwarzem Hut und schwarzer Sonnenbrille.

Die „Blue Brothers“ liegen nicht mehr so arg im Trend, aber Brian soll auch dieses Jahr wieder seine ganz besondere Weihnachtsstimmung im Kino verbreiten – sofern noch eine spielbare Kopie aufzutreiben ist.

(Liane Probst-Simon)

 

     

  

 

 

 

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