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Eine Leidenschaft zum Beruf gemacht

Schon seit frühester Kindheit steht Alexander Kaffenberger auf den Brettern, die für manche die Welt bedeuten – als Schauspieler, Regisseur und Autor hat er sich längst weit über die Region hinaus einen Namen erworben

Im vergangenen Jahr ging – mit großen Erfolg – der erste Michelstädter Theatersommer über die historische Bühne des Kellereihofs. Eng verbunden damit war ein Name, der seit Jahren fester Bestandteil der Odenwälder Theaterszene ist: Alexander Kaffenberger. Der gebürtige Michelstädter, Jahrgang 1968 und aufgewachsen in dem Höhendorf Vielbrunn, gab nicht nur die Initiative für das sommerliche Theaterspektakel, sondern führte auch Regie und bescherte der Region mit „Parzival“ ein faszinierendes Historienstück.
„ Geschichte und vor allem Geschichten haben mich schon immer interessiert, dieselben zu erzählen und, besser noch, auf die Bühne zu bringen, gilt für mich als das Höchste“, erklärt der Theatermacher. Seine Leidenschaft begann früh, schon in Schul- und Kindertheatergruppen spielte er mit und sammelte erste Bühnenerfahrungen. Nach der Schule kam aber erst mal eine solide Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker und die Schauspielerei lag brach.
Aber nur für kurze Zeit. 1986, nach einem Internationalen Theaterworkshop in Finnland, brach das Theaterfieber richtig aus: Alexander Kaffenberger gründete die erste freie Theatergruppe des Odenwaldes: Die Odenwälder Theaterinitiative, kurz OTI. Bereits im Januar 1987 feierte die Truppe Premiere und das ausverkaufte Haus die „Rocky Horror Show“. Nicht minder erfolgreich erwiesen sich die nächsten OTI-Eigenproduktionen, meist aus der Feder Kaffenbergers. Es folgten weitere internationale Theaterworkshops, die ersten Odenwälder Kinder- und Jugendtheatertage des Odenwaldkreises und auch bei den Bad Königer Jugendkulturtagen war der Theatermacher mit seiner Truppe seit Beginn dabei. Auch betreute er neue Jugendtheatergruppen, Amateurensembles und verschiedene Produktionen. Erste Schauspielverträge aus Nordhessen folgten und schon bald wurde der Beruf des Fernsehtechnikers an den Nagel gehängt.
Kaffenbergers wachsende Schauspiel-, Regie- und Autoren-Erfahrungen brachten den von ihm betreuten Gruppen unter anderem mehrmals den Hessischen Schultheaterpreis ein. Der junge Theatermacher wurde regelmäßig zu den Hessisch-Thüringischen Theatertreffen eingeladen und stieg als Gastspieler beim Chawwerusch-Theater ein. Während vier Sommertouren mit den Herxheimern erblühte seine Leidenschaft für Freilichttheater dann völlig.
1996 stand das 175-jährige Jubiläum des Odenwaldkreises an und Kaffenberger wurde engagiert. Ein Jahr später feierte sein Historienstück „Recht soll Recht bleibe“ im Erbacher Schlosshof eine glanzvolle Premiere. Das Publikum bekam gar nicht genug von diesem Mammutwerk mit über 80 Darstellern und fünf Pferden – und das Stück wurde im Jahr darauf an selber Stellen und mit selbem Erfolg wiederholt. Es folgten jährlich weitere Freilichtereignisse wie das Stationstheater in Michelstadt zum Gedenken an die Revolution 1848/49 oder das „Nibelungenfieber“ am Lindelbrunnen zu Hüttenthal.
1998 kam eine eigene Bühne hinzu, in der alten Koziol-Fabrik in Michelstadt, von Alexander Kaffenberger und seine Truppe zur „Royal Drama Hall“ verwandelt. Dem ging die Gründung des Vereins Theaterkarren voraus und zahlreiche Erfolge gab es zu feiern. Zum Teil wurden bis zu 50 Aufführungen pro Jahr gegeben. 2002 zog der 80 Mitglieder starke Verein um in das Dachgeschoss des Odenwaldmuseums in Michelstadt und widmete sich verstärkt der Kinder- und Jugendtheaterarbeit. Zum Klientel gehörten bereits Kinder der Generation, die Jahre zuvor bei OTI die Liebe zum Theater entdeckte. Neben der ständigen Begleitung der Odenwälder Kinder- und Jugendtheatertage führt Kaffenberger seit 2000 auch Regie bei den Weihnachtsmusicals der Musikschule Odenwald.
2001 wurde die Drehbuchwerkstatt München auf sein Autorentalent aufmerksam und er entwickelte mit derer Stipendium sein erstes Filmdrehbuch „Jagdbitter“, ein moderner Heimatfilm. Es wurde 2001 für den Tankred-Dorst-Preis nominiert. Neben zahlreichen Tätigkeiten im gesamten Raum Rhein, Main, Neckar übertrug man Kaffenberger 2003 die künstlerische Leitung der Freilichtbühne in Schwarzach. Nach zahlreichen Auftritten des Theaters „Kurz & Bündig“ als Raubacher Jockel machte er sich 2003 mit seinem jahrelangen Mitstreiter und Kollegen Dirk Daniel Zucht an die Inszenierung des Michelstädter Theatersommers. Im August 2004 standen dann zwei Premieren an: Der „Parzival“; Buch und Regie von Alexander Kaffenberger und das Jugendstück „Die Edelweißpiraten“, Buch und Regie Dirk Daniel Zucht. Trotz nasskaltem Wetter wurden sämtliche Aufführungen gut besucht und immer wieder vom Publikum aus Nah und Fern gefeiert. Nach diesem Erfolg folgt dem ersten Michelstädter Theatersommer selbstverständlich ein zweiter und die Vorbereitungen sind bereits am Laufen. Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“, Regie Alexander Kaffenberger, und Wedekinds „Frühlings Erwachen“, Regie Dirk Daniel Zucht, stehen im Juli und August 2005 auf dem Programm.
Mit Sicherheit sind die Ideen des kreativen Theatermachers damit noch lange nicht erschöpft, es gibt ja noch so viel Geschichte und Geschichten zu erzählen. In eine bestimmte Rolle schlüpft Alexander Kaffenberger übrigens alle Jahre wieder: In die des Nikolaus auf dem Michelstädter Weihnachtsmarkt. Allerdings verteilt er im roten Mantel nicht nur Süßigkeiten, sondern – wie könnte es auch anders sein – erzählt natürlich Geschichten.

Kontakt: Verein Theaterkarren und Alexander Kaffenberger, Tel. 06061 968248 oder 06062 913175, mobil 0177 6471100, www.theaterkarren.de.vu

Text und Fotos: Liane Probst-Simon

     

 

  
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