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Türkisches Kabarett mit ausschließlich deutschsprachigem Programm

Die Käs in Frankfurt - eine der wenigen Bastionen anspruchsvollen Polit-Kabaretts in der flachen Comedy-Landschaft

Sie ist schon eine besondere Kleinkunstbühne, die Käs in Frankfurt. Sie ist das erste und bislang einzige türkische Kabarett-Theater mit deutschsprachigem Programm. Besonders auch deshalb, weil sie eine der wenigen Bastionen des anspruchsvollen Polit-Kabaretts inmitten des stetig wachsenden Comedy-Booms ist.
Zu finden ist die Käs einfach: Von der Wittelsbacher Allee rechts ab in die Waldschmidtstraße. Ebenso einfach: Die Parkplatzsuche. Mitten in Frankfurt ist das doch gar kein Problem, schließlich gibt es Parkhäuser. Eines direkt gegenüber der Käs, das nächste ein paar Meter weiter. Am Hoftor weist ein Schild den Weg und der Besucher läuft auf ein altes Fabrikgebäude zu. Ganz hinten im Eck ist der Eingang zum Theater – und schon wird es gemütlich: Plüschige Stühle an Bistrotischen, ebenso bequeme Lederbänke, Barhocker – jeder findet seine ganz spezielle Sitzmöglichkeit mit der nötigen Fußfreiheit und hat von jedem Platz aus einen guten Blick zur Bühne. An den Wänden hängt Kunst, von der Decke herab ein Kronleuchter, die Bar bietet Leckeres an Essen und Trinken – das gesamte Ambiente ist einladend und stimmig.
Angefangen hat es mit der Käs allerdings an anderer Stelle, an der Finkenhofstraße. Acht Jahre ist es her, als dort die einzige politisch-literarische Kabarettbühne der Mainmetropole Frankfurt entstand. Neben eigenem Programm bot diese auch renommierten Gastakteuren wie Dieter Hildebrand, Georg Schramm oder Urban Priol eine Spielstätte.
Ayse Aktay und ihr Lebensgefährte, der türkische Kabarettist und Autor Sinasi Dikmen lebten in Tübingen und Ulm bis sie sich entschlossen, ein Kabarett-Theater auf die Beine zu stellen. Ihre Wahl fiel auf Frankfurt als besten Standort. Denn: „Hier hat ein auf Kabarett spezialisiertes Theater noch gefehlt“. Ayse Aktay und Sinasi Dikmen gründeten die Kleinkunstbühne im März 1997. Seither öffnen Chefin Aktay und Programmplaner Dikmen, der augenzwinkernd sagt: „Ich bin mein eigenes Ensemble“ regelmäßig ihre Türen, um das Käs-eigene Programm und auswärtige Kabarettisten auf die Bühne zu bringen. Viel Arbeit, daher engagiert sich Sohn Oktay Acet ebenfalls, als Geschäftsführer des Familienunternehmens. Er hebt noch eine Besonderheit dieser Bühne hervor: „Wir erhalten von der Stadt keinerlei Subventionen“ - räumt aber ein: „Es funktioniert dennoch!“ Denn: Die Künstler, auch die bekannten, die sonst nur in größeren Häusern spielen, kommen – auch aus alter Freundschaft zu Kollege Sinasi - immer wieder gerne in die Käs, und das Publikum weiß dieses hochwertige Angebot zu schätzen und kommt ebenso gerne immer wieder. Der skurrile Name des Hauses, Käs steht für „Kabarett Änderungsschneiderei“, ist Sinasis erstem Programm „Kleider machen Deutsche“ entnommen. Dikmen mimt darin einen türkischen Änderungsschneider und flickt und näht mit Liebe an der deutschen Sprache.
Übrigens: Auch in der Türkei feiert der Kabarettist mit seinen deutschsprachigen Programmen große Erfolge, während bei Vorstellungen hierzulande und auch in der Käs selten Landsleute anzutreffen sind. Aber das kann Sinasi erklären: „Die Türken in der Türkei verstehen viel besser Deutsch als die Türken in Deutschland“. Vielleicht besuchen sie alle leidenschaftliche gerne – wie Sinasi früher - die Sprachkurse des Goethe-Instituts in der Türkei?
Neben dem eigenen bietet die Käs ein vielfältiges Programm mit anderen Kabarettisten. Von A bis Z – alle waren schon da: Django Asül, der unvergessene Matthias Beltz, Mark Britton, Martin Buchholz, Andreas Giebel, Günter Grünwald, Dieter Hildebrandt, Bruno Jonas, Reiner Kröhnert, Frank Lüdecke, Heinrich Pachl, Urban Priol, Arnulf Rating, Georg Schramm, Henning Venske, Anka Zink.
Für die dauerhafte Sicherung einer Existenz wurden die Räume in der Finkenhofstraße irgendwann zu klein. Als sich die Gelegenheit bot, in einen Teil der renovierten Naxoshalle umzuziehen, war der Entschluss schnell gefasst. Seit September 2002 läuft der Spielbetrieb der Käs in einem Teil der renovierten Fabrikhalle an der Waldschmidtstraße 19. Hier ist mehr Platz auf der Bühne, aber natürlich auch für die Zuschauer, die jetzt zum „Kabarett in der City“ kommen: Auf rund 160 Quadratmetern stehen ihnen mit bis zu 29 Tischen maximal 199 Sitzplätze zur Verfügung. Gespielt wird übrigens fast täglich, viele Künstler gastieren zwei oder drei Abende in Folge in der Käs.
Die wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Unternehmer Ayse Aktay und Sinasi Dikmen haben sich mit dem Umzug deutlich verbessert. „Darüber freuen wir uns natürlich sehr“, so Aktay und Dikmen, denn das Überleben des in mühevoller Eigeninitiative aufgebauten Theaters war ganz und gar nicht immer gesichert.“ Die Bürgschaftsbank finanzierte gemeinsam mit der Hausbank den Standortwechsel und die Einrichtung der größeren Spielstätte - und gestaltete damit die Voraussetzung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung mit. Um den künstlerischen Erfolg der politisch-literarische Kabarettbühne kümmern sich Ayse Aktay und Sinasi Dikmen, unterstützt von Oktay Acet. Das war es auch schon an festen Mitarbeitern in dem Familienbetrieb, aber fürs Büro gibt es Aushilfen und bei Vorstellungen werden für Technik und Catering Studenten engagiert. Es funktioniert also mit der Kultur, auch ohne Subventionen, Spenden und ehrenamtliche Helfer, zumindest in der Großstadt und dank so rühriger Theaterbetreiber.

Die Käs GbR, Waldschmidtstr. 19, Frankfurt, Tel. 069 550736, Mail: info@die-kaes.com, www.die-kaes.com

 

                        

     

 

  
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