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Scharfzüngige Sauerei

Kritik an Zeitgeist und Gesellschaft – Kabarettit macht Kabarett im Zeichen des Schweins

Das erste Programm war richtungsweisend, zumindest zoologisch. Mit „Schlachtfest“ begann die Bensheimer Kabarettgruppe „Kabarettit“ 1998 ihre Reihe von jährlichen Programmen. Irgendwann folgte das Programm „Schweineflüsterer“, später, als die Kampfhundeverordnung in aller Munde war, nannte die Truppe ihr Programm „Kampfschweinverordnung.“ Immer hübsch dekoriert mit einer möglichst fetten und rosa und mitunter auch anarchisch dreinblickenden Sau auf dem Plakat. „Das mit den Schweinen behalten wir bei“, sagt Jürgen Müller, der Vorsitzende des Trägerverein „Neue Bühne Bensheim e.V.“ Rund zehn Leute gehören zum Ensemble. Darunter fünf mit Bühnenpräsenz, die ihre zeitkritischen Texte gemeinsam (Müller: „Ganz gemütlich beim Bier.“) texten und auch als Zweier- oder Dreierteams auf der Bühne stehen. Der Rest sind Techniker und eine Pressefrau. Die Truppe kommt aus Mannheim, Bickenbach, Bensheim, Darmstadt und Griesheim und hat – für eine Kabarettwelt – eher unverfängliche Jobs. Zwar sorgen eine Ex-Lehrerin und ein Lehrer für die Quote zur Vorurteilsbestätigung, ein Automechaniker und eine professionelle Sprecherin sind aber auch dabei.
„Kabarettit“ - das Namensrätsel ist schnell gelöst. „In Bensheim gab es keinen passenden Spielort für uns“, erzählt Müller. Den gab es, nach einem Umweg über Wilmshausen, schließlich in der Reichenbacher Gaststätte „Zur Traube“ und in Anlehnung an  die Abkürzung „TiT“ („Theater in der Traube“) wurde „Kabarettit“ geboren. „Dort wollen wir nicht mehr weg“, sagt Müller. „Es ist optimal. Die Technik stimmt, die finanziellen Bedingungen ebenfalls.“
Woher kommt die Motivation Kabarett zu machen? „Man kann Schauspieler sein, hat aber keine vorgegebenen Texte, man kann hochkreativ sein und muss nicht damit hinter dem Berg halten, dass man politische Zustände nicht gut findet“, erklärt Müller die Kabarettwelt. Und schränkt ein: „Kabarett ändert nichts. Im Grunde könnten wir die beschimpfen, die unten sitzen, sie würden es nicht merken und es sogar noch gut finden.“ Wenn sich nur einige Menschen durch Kabarett zum Nachdenken bringen ließen, „ist das schon sehr viel.“ 
„Kabarettit“ habe seine Nische gefunden. Der Comedy-Anteil sei fester Bestandteil im Programm. Da wird schon mal über Nordic-Walker gelästert. Der „Wilhelm“, die Bühnenfigur von Jürgen Müller liest in Dialekt der Welt die Leviten und outet sich dabei als einer von ihr. Fremdwörter sind „Wilhelms“ Sache dabei nicht.    
Grenzen für einen Kabarettisten sieht Müller nur wenige. „Keine persönlichen Ausfälle ohne Bezug.“ Grenzen entstünden durch Themen. Nach den Terroranschlägen in New York habe sich das Ensemble gefragt, wie es damit umgehen soll. Die Grübelei endete mit einem Kunstgriff. „Wir haben unsere Gedanken dazu in Gedichtform erzählt.“ Die Reime hätten Andacht und Distanz erzeugt.
Die Politik mag Steilvorlagen für Kabarettisten liefern, aber wie sehen die absoluten Traumvorlagen aus? Müller: „Es wären genau die Dinge, die wir nicht erleben wollen: Der freie Markt bestimmt alles, alle Sozialsysteme sind abgeschafft, Merkel propagiert den Zwölf-Personen-Haushalt mit zehn Kindern, das Mutterkreuz wird wieder eingeführt und alle Deutschen werden aus Kostengründen nach Polen ausgebürgert.“

(H)AUSSCHLACHTUNG

Das neue „Kabarettit“-Programm „(H)AUSSCHLACHTUNG“ hat am 6. Oktober Premiere. Jeweils am 7., 8., 14. und 15. Oktober, am 4., 11., 18., 19. und 26. November und am 2., 3., 9., 10., 16., und 17. Dezember wird das Programm jeweils ab 20.30 Uhr im Theatersaal der Reichenbacher Gaststätte „Zur Traube“, (Nibelungenstraße 265) gespielt. Vorverkauf via „Tea-Time“, Hauptstraße 45-49, Bensheim, Telefon 06251 62636.

Kabarettisten gesucht
„Kabarettit“ will sein Ensemble erweitern und sucht Kabarettisten. Die Stellenbeschreibung ist umfangreich: Gewünscht wird Schärfe, Fähigkeit zur Satire, eine hohe Frustrationsschwelle, Regieresistenz und politisches Selbstbewusststein. Ohne Casting geht nichts. Kontakt unter www.kabarettit.de

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  
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