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Die Rundum-Welt des JÜrgen Mai

DarmstÄdter Fotograf erweitert den Blickwinkel des Betrachters

Der Mensch sieht beschränkt. Das Blickfeld ist nicht umfassend genug, als dass man alles um sich herum wahrnehmen könnte. Auch die Fotografie mit ihren üblichen Mitteln bildet immer nur sehr beengte Ausschnitte ab. Mit der ungewöhnlichen Panoramafotografie beschäftigt sich der Darmstädter Fotokünstler Jürgen Mai (36).
Er nutzt eine spezielle Kamera, um 380-Grad-Panoramen aufzunehmen. Weil ein Vollkreis aus 360 Grad besteht, erreicht Mai mit den 380 Grad eine Überdeckung an den Rändern seiner Bilder. Und weil seine Kamera den 380-Grad-Bogen nicht auf einmal festhält, sondern in Sequenzen und innerhalb eines Zeitraums zwischen zwei Sekunden und 15 Minuten, bringt Mai in seine Bilder neben dem ungewöhnlichen Rundumblick auch noch die Ebene Zeit hinein. Was beim Beginn der Aufnahme am linken Bildrand zu sehen ist, taucht am rechten Bildrand und zum Schluss der Aufnahme noch einmal auf. Und das – bewegungsbedingt - unter Umständen ganz anders als noch zu Beginn der Belichtung.
„ Ich schaffe Raumeindrücke gepaart mit der Dimension Zeit“, sagt Mai. Außerdem gebe die 380-Grad-Technik dem Bild eine Symmetrie und dem Betrachter Halt innerhalb des Bildes. „Er kann sich orientierten, nimmt damit den Raum leichter als Raum wahr.“
Wer vor den Panoramabildern steht, fühlt sich in das Bild hineingezogen, empfindet etwas Unwirkliches in Anbetracht der ungewöhnlichen Darstellung dessen, was er sieht.
Die Interpretationsansätze zu Mais Fotokunst sind vielfältig und drängen sich geradezu auf. „Den Blickwinkel erweitern“, das liegt allzu nah. „Wahrnehmungsgrenzen aufbrechen“, ist indes arg hoch gegriffen. Dazu wirken die Bilder wiederum zu einvernehmlich mit dem, was der Betrachter von ihnen erwartet. Den Idealfall eines Betrachters, der ein Mai-Panorama zu Gesicht bekommt und zunächst nicht weiß, was und wie er da sieht, mag es indes nur höchst selten geben. Am ehesten trifft da noch zu, dass Mai mit seiner ungewöhnlichen Fotokunst als dezenter Mahner handelt, der darauf hinweist, dass unentwegt Dinge sind und passieren, auch wenn wir ihnen den Rücken zuwenden.
Zweifellos erziehen Mais Panoramabilder. Sie schulen die Wahrnehmung, machen Lust auf das Hinterfragen der Sehgewohnheiten. Vielleicht liegt darin der größte Reiz dieser Kunst. Oder vielleicht doch im Gegenteil. Eben darin, dass einem das Betrachten der Bilder so sehr fordert, dass ein begleitendes Hinterfragen ihres Reizes schlicht zu viel wäre. Zu viel Kopfarbeit, denn der Kopf ist gerade genug damit gefordert, zusammen zu bringen, was zueinander gehört, vom Menschen aber ohne technische Hilfe nie wahrgenommen werden kann.
Es bleiben Rätsel beim Betrachten von Jürgen Mais Werken. Und Rätsel sind ja nicht das Schlechteste, was einen Betrachter umtreiben kann. (bux)


Jürgen Mai nutzt für seine Panoramabilder eine sieben Kilogramm schwere Schweizer Spezialkamera und fotografiert auf 70-Millimeter-Film. Die Kamera kostete ihn vor einigen Jahren rund 40.000 Mark. Mais Bilder gibt es in Größen zwischen 5,8 auf 32 Zentimeter und 90 auf 450 Zentimeter. Die meisten Fotos sind in der Größe 8,5 auf 50 Zentimeter zu haben. Die Preise für diese Größe liegen bei rund 250 Euro.


Das bekannteste Panoramabild von Jürgen Mai dokumentiert die Feier und den Empfang der deutschen Fußballnationalmannschaft auf dem Frankfurter Römerberg nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1996. Eine Straßenbahn, beklebt mit einem Panoramabild der Darmstädter Mathildenhöhe fuhr zwischen 1997 und 2003 durch die Woog-Metropole. Viele Motive des Darmstädters zeigen jedoch Frankfurt am Main. Für 2005 ist ein Buch mit Jürgen Mais Panoramaaufnahmen geplant. Infos und Kontakt zum Künstler gibt es unter www.panorama380.com.

 

     

 

  
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