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Mittelalterlicher Instrumentenbauer und Musiker aus Leidenschaft

„Was ich mir nicht kaufen kann, das baue ich mir halt!“ So lautete der Beschluss des noch jugendlichen Rudolf Bode, der ihn später seinem Traum näher bringen sollte: Mittelalterlicher Instrumentenbauer und Musikant zu werden. Die Voraussetzungen dafür waren gut, schließlich hatte der Junge nicht nur die Musik, sondern auch das handwerkliche Geschick zur Holz- und Metallverarbeitung seitens seiner Vorfahren im Blut. Rudolf Bodes Traum galt von klein auf Zupfinstrumenten wie Gitarre und Laute. Dennoch musste er erst einmal Akkordeon lernen, was er gar nicht mochte. Als Jugendlicher hätte der Sensbachtaler zwar die Chance gehabt, im Schwarzwald eine Lehre zum Orgelbauer zu machen, doch das war nicht sein Ding. „Tasteninstrumente liegen mir einfach nicht“, erklärt der Zupfinstrumentenbauer, der nebenberuflich die Ausbildung absolvierte und die Abschlussprüfung ablegte.
Zunächst hatte Rudolf Bode nach Feierabend bei einem Zupfinstrumentenbauer gelernt und sich dann im Eigenstudium mit historischen Instrumenten beschäftigt. In Museen und alten Büchern interessierten ihn besonders die technischen Zeichnungen der Instrumente, die den jeweiligen Ist-Zustand ihrer Zeit dokumentierten. Anhand dieser Zeichnungen rekonstruierte Bode mit Hilfe der bauarttypischen Merkmale die jeweiligen Instrumente bis er ihre Charakteristik herausarbeiten konnte. Das erste nachgebaute Zupfinstrument war eine Dulcimer, ein Volksinstrument, das zur Familie der Schmalzithern gehört. Diesem folgten etliche Streichpsalter und Drehorgeln bis sich der Odenwälder vor über 20 Jahren schließlich auf sein Hauptinstrument, die Cister, einschoss. Durch Zufall war Rudolf Bode bei einem Weihnachtsmarktbesuch eine Cister in die Hand gefallen und nachdem er damit erste Spielversuche unternommen hatte, kam er nicht mehr davon los: „Ich suche seit Jahren die Museen nach Cistern ab, doch die ausgestellten Instrumente gleichen sich nie. Sie sind nicht genormt, hatten nie eine Standardstimmung und stets eine unterschiedliche Mensur“, weiß der leidenschaftliche Zupfer zu berichten, der neben Gitarre, Laute und Mandoline auch die griechische Variante spielt.
Aus rein wirtschaftlichen Gründen und aufgrund zahlreicher Anfragen hatte der Musiker vor gut 17 Jahren schließlich auch mit dem Bauen von Schnurtrommeln begonnen. Wie es sich herausgestellt hatte, gab es bis dato kaum jemanden, der sich auf historische Trommeln verstand.
Seine Dienste als Instrumentenbauer nehmen heute leider immer weniger Kunden an. Derzeit beschäftigt sich Rudolf Bode hauptsächlich mit Reparaturarbeiten. „Ich verstehe mich mit meinem Beruf als einen kleinen Bestandteil einer uralten Tradition. Seit Jahrhunderten gab es Kollegen, die Musikinstrumente bauten und entwickelten, zur Freude der Musiker und des Publikums. Ein bespieltes Instrument lebt, und wie jedes andere Lebewesen auch, bekommt es im Lauf der Jahre seine Krankheiten und Wehwehchen“, erklärt der Musiker, der bei der Pflege und Reparatur eigener Instrumente oder solcher, die Kollegen von ihm hergestellt haben, manchmal auch einen Teil ihrer meist sehr spannenden Geschichte erfährt.
Geschichten weiß auch Rudolf Bode einige zu erzählen: Beispielsweise als er vom Schloss Hambach den Auftrag erhielt die historische Trommel des Hambacher Festes nachzubauen, so dass sie als Kopie kaum vom Original zu unterscheiden sein würde. Doch auch in seiner Rolle als mittelalterlicher Herold oder Spielmann weiß er seine Gäste zu unterhalten: Für Lieder und Texte verwendet er bearbeitete, historische Vorlagen und bringt sie mal witzig, zotig und frech, mal äußerst stimmgewaltig und publikumswirksam ausnahmslos mit verschiedenen historischen Musikinstrumenten dar.
Für dieses Jahr und die nähere Zukunft hat sich der Sensbachtaler einiges vorgenommen: Zum einen will er seine Präsenz auf mittelalterlichen und kunsthistorischen Märkten verstärken. Bislang war er vor allem auf den großen Märkten in Oberwesel sowie im thüringischen Rudolstadt und Runneburg vertreten. Zum anderen plant der Musiker mit breit gefächertem Repertoire aber auch zwei neue Programme auf die Beine zu stellen. Einerseits möchte Rudolf Bode eine humoristische Satire über’s Älterwerden machen. Diese will er gemeinsam mit Kollegen und Liedern aus den letzten 30 bis 40 Jahren, die in „Bloomaul“ gesungen werden, seinem Publikum zu Gehör bringen. Andererseits hat er ein Programm mit Märchen angedacht. Dieses soll nicht länger als anderthalb Stunden werden und Kindern sowie Erwachsenen Kurzweil bringen, in dem der Zupfinstrumentenbauer Geschichten erzählt und dazu singt.
Rudolf Bode, Hauptstraße 22, Sensbachtal, Tel. 06068 912401, Fax: 06068 912402, rudolf.bode@t-online.de, www.rudolf-bode.de

Text und Fotos: Martina Emmerich

 

     

 

  
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