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Abstrakte Formen mit wildem Pinselstrich

Kurt Höffner – Seit sechs Jahren lebt der Pensionär aus Weiterstadt sein Talent zur Malerei aus

Wer das Atelier des Weiterstädter Malers Kurt Höffner betritt, kommt sich unweigerlich beobachtet vor. Mehrere hundert Augenpaare starren den Betrachter auf Höffners bunten Acrylgemälden an. Manchmal glotzend, oft mit weit aufgerissenen Augen stehen und hängen die zum Teil grellen Bilder in dem 80 Quadratmeter großen Raum im Südring 49 in Weiterstadt. Die Strukturen sind vermischt, dick aufgetragene Farben laufen den abstrahierten Porträts über Gesicht und Körper. Schön sind sie nicht gerade, diese ernst dreinblickenden Gesichter, die mal fragend mal selbstbewusst in die Leere starren. Aber farbenfroh, real und doch irreal. Und irgendwie sehr rätselhaft.
Mit den„verrückten Köpfen“, so nennt der 67 Jahre alte Maler liebevoll-amüsiert seine Porträts, begann vor sechs Jahren Höffners zweite Karriere als Künstler. Zuvor hatte der in Hattingen geborene Pensionär bis zu seinem Ruhestand die Karriereleiter als Produktmanager in der Pharmaindustrie erklommen, den Erkältungssaft „Wick Medinait“ und das vermeindliche Verjüngungsfluid „Oil of Olaz“ auf den Markt gebracht. „Dann endlich konnte ich mir meinen eigenen Jugendtraum erfüllen“, sagt er. Und begann zu malen. Seit etwa drei Jahren arbeitet Höffner fast täglich an seinen Bildern im Atelier „ArTonika“ unweit seines Wohnhauses.
An der Wand des ehemaligen Frisörsalons hängt der „morbide Papst“, dessen Last des Amtes sich als dunkle Schatten und verzerrte Konturen über das gesenkte düster dreinblickende Profil legt. Mittlerweile ist aus dem „Kopfspezialisten“ Höffner ein vielseitiger Maler geworden. „Ich entwickele mich stets weiter, nehme an Kursen und Schulungen teil, um meine Technik zu verbessern“, sagt der fidele Pensionär. „Ich zeig´s ihnen“, sagt er und hopst flink über die auf dem Boden ausgebreiteten Farbflaschen und Pinsel zu einer Bildersammlung an der gegenüberliegenden Wand. „Die sehen doch richtig toll aus“, schwärmt Höffner und stellt einige Bilder nebeneinander. Darauf zu sehen sind typisierte Römerporträts in kontrastreichen Farben, die eine Dreidimensionalität erzeugen. Auch haben sich zu den Köpfen mit dem stieren Blick mittlerweile großformatige Bilder gesellt, in denen Höffner seinem Hang zum abstrakten Expressionismus freien Lauf lässt. Wie bei dem Bild „Charakt and Bacon“ (Wasserfall und Schinken) verbinden sich in den Werken klare Formen mit scheinbar zufälligen Farbspritzern. „Das ist typisch für meine Arbeit. Ich bewege mich stets zwischen Chaos und Exaktheit“, erläutert Höffner. Auch wenn seine Bilder von einer Eigenwilligkeit geprägt sind („Ich lasse mir in meine Arbeit nicht hineinreden“), wird Höffner doch von verschiedenen Künstlern inspiriert. Zu seinen Vorbilder gehört der 1956 bei einem Autounfall ums Leben gekommene amerikanische Künstler Jackson Pollock, auch Francis Bacon faszinieren den Weiterstädter: „Der malt genauso verrückt wie ich.“ Seit September sei er jedoch von dem in den Niederlanden geborenen Amerikaner Willem de Kooning“ fasziniert. Eine Reise zur Ausstellung von de Kooning in Rotterdam sei bereits geplant.
Wie wild Höffner beim Malen seine Pinsel schwingt, davon zeugen nicht nur seine mit Farbspritzern übersäten Schuhe. „Ich muss beim Malen immer einen Kittel und Handschuhe tragen“, verrät der Künstler. Doch Höffner kann auch anders. Unter den rund 400 Bildern, die er in seinem Atelier aushängt und lagert, zählen auch einige realistische Arbeiten. Wie das großformatige Porträt des Sängers Johnny Cash, das wie viele von Höffners Werken, aus einer Mischtechnik von Acryl- und Ölfarbe besteht. Die Perfektion eines nackten Frauenkörpers wird auf einem weiteren Bild von großen blauen Farbklecksen gestört, deren feine Linien am Bild hinab laufen. „Drip-and-Flow“ heißt diese Technik, ebenfalls häufiges Merkmal bei Höffners Werken. „Im Moment arbeite ich daran, abstrakte und gegenständliche Dinge zu verbinden. Das gefällt mir sehr gut“, sagt Höffner.
Ganz anders sahen da die ersten Werke aus, mit denen der Autodidakt Höffner vor Jahren in seinem Atelier begann. Damals hat er zum Abschluss jeder Arbeit seine Paletten – Pappteller mit Farbresten – mitten auf die Porträts geklebt. Ein besonderer Gag, der ihm neben Kopfschütteln vor allem Unverständnis einbrachte. „So was mache ich heute nicht mehr“, sagt der gut gelaunte Künstler, der schon zahlreiche Ausstellungen organisiert hat. Einige Bilder habe er bereits verkauft. Ein Teil des Erlöses hat Höffner an eine wohltätige Stiftung gespendet. 
Ein Bild von Kurt Höffners Arbeiten kann man sich im Internet machen unter www.artonika.de. (sab)

     

 

  
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