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HalbNeun-Theater:
GespÜr fÜr die unbekannten Talente und die Treue der Kabarett-GrÖssen

Eigentlich sollte es „Klappe“ heißen. Irgendwer fragte 1980 gedankenlos in die Runde, wann denn die Vorstellungen der neuen Darmstädter Kleinkunstbühne jeweils beginnen sollen. Jemand sagte „Halb neun.“ Seitdem heißt das unscheinbare Theater in direkter Nachbarschaft des Darmstädter Staatstheaters nach der Uhrzeit seiner Aufführungen: „halbNeun“-Theater. Was heute so nicht mehr stimmt. Längst nicht mehr jede Aufführung beginnt um 20.30 Uhr. Der Name blieb freilich. 1980 wurde das „halbNeun“ gegründet. Drei Leute waren damals im Boot, darunter Heinrich Keller und sein Bruder Jürgen. Heute wird die Kleinkunstbühne von Jürgen Keller und Heinrich Kellers Tochter Alice Keller gemanagt.

200 Plätze hat der Gastraum. Auf der Bühne standen schon Dieter Hildebrand, Harald Schmidt, Dieter Nuhr, Urban Priol, Michael Mittermeier, die Akteure der „Distel“ und „Kabaratz.“ Schmidt, Nuhr und Co. kommen nicht mehr. Priol – längst eine feste Größe im Geschäft -hält dem „halbNeun“ indes ebenso die Treue wie Dieter Thomas und Hendrike von Sydow. „Aus alter Verbundenheit“, sagt Alice Keller. Trotz Priols und Thomas’/von Sydows regelmäßiger Auftritte in Darmstadt, wünscht sie sich vom Publikum, „nicht nur auf große Namen zu achten. Wer heute auf den Kleinkunstbühnen steht, kann morgen schon ein Großer sein. Und wer unbekannt ist, ist noch lange nicht schlecht.“ Viele Kabarettfans seien nicht experimentierfreudig, scheuten neue Namen und Unbekanntes. Ganz im Gegensatz zum „halbNeun“. Newcomer willkommen und keine Angst vor kleinen Namen - so könnte das Credo der Kellers lauten. „Bei den Neulingen liegt eben das Potenzial der Zukunft. Darauf bauen wir.“ Und neu war schließlich jeder mal. Mittermeier und Nuhr spielten im „halbNeun“ vor 40 Leuten. Damals. Beide gehörten da freilich noch nicht dem Sender Pro7.

Die Konjunkturflaute bekommt auch das „halbNeun“ zu spüren. „Die Leute besuchen seltener unsere Aufführungen. Es wird halt gespart“, sinniert Alice Keller. „Mit viel Mühe, aber wir können uns noch halten“, fügt sie an. Die Stadt unterstützt das Theater mit rund 23.000 Euro pro Jahr, ein Förderverein mit 110 Mitgliedern steuert ebenfalls Geld bei. „200 Fördermitglieder wären schon toll“, wünscht sich Keller. Das würde Spielraum bringen. 110 Mitglieder für eine Stadt wie Darmstadt mit seinem Umland, „ja, das ist schon eher wenig.“ Der Darmstädter Chemiekonzern „Merck“ ist Sponsor des „halbNeun“. „Diese Unterstützung ist unser größtes Standbein neben dem, was uns der Förderverein in die Kasse bringt“, gibt Alice Keller Einblicke.

Hauptprogrammpunkte unter den rund 150 Aufführungen im „halbNeun“ pro Jahr sind Auftritte von Kabarettisten. Rund ein Viertel der Auftritte wird mit Musik bestritten. Meistens mit Folk. Jazz überlässt das „halbNeun“ dem benachbarten Jagdhofkeller und die populäre Musik der Darmstädter „Centralstation“. „Es gibt da ein unausgesprochenes Agreement in Darmstadt. Ich bin froh, dass es das gibt. Es nützt allen.“ Sein Vorbild hat das „halbNeun“ im legendären Mainzer „Unterhaus“. Warum es so etwas nicht auch in Darmstadt gebe, fragten sich die Gebrüder Keller 1980. Schneller als gedacht war das ehemalige Kino und spätere Lagerhaus als Kleinkunstbühnenstandort dann gefunden.

Rot und orange herrschen drinnen vor. Und als nicht nur die Decke, sondern auch noch die Wände dunkelbraun gestrichen waren, war das „halbNeun“ ganz wie die 70er gestylt. Die Wände sind seit ein paar Jahren weiß, an die Decke schaut eh keiner. Im „halbNeun“ wird – verständliches Diktat des Umsatzes – eng gestellt. Man sitzt an winzigen Tischchen und wird bewirtet. 

Seinen Platz in der Riege der Kleinkunstbühnen des Rhein-Main-Gebietes hat das Theater mit der charakteristischen roten – wenn auch schmucklosen – Eingangstür indes sicher. So viele große und später groß gewordene Kabarettisten haben sich sonst allenfalls im Mainzer „Unterhaus“ verewigt. Manchmal werden Vorbilder eben doch noch eingeholt. Wenn man das Gespür für die hat, die auch klein schon ganz groß sind.  (bux)

HalbNeun-Theater, Sandstrasse 32, Darmstadt, Tel. 06151 23330,
www.local-pages.de/halbneun-theater

 


     

 

  
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