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Faszination Drehscheibe

Ingmarie Gundlach und ihre tönernen Schöpfungen

„Keramik ist für den Alltag. Und immer mehr Menschen merken das. Vor allem jüngere.“ Die Begeisterung von Ingmarie Gundlach für Keramik begann früh. „Meine Eltern nahmen mich als Kind oft mit in Töpfereien.“ Dort hatten es ihr vor allem die Drehscheiben angetan. „Ich fand das faszinierend, jemandem beim Drehen eines Gefäßes zuzuschauen.“ Nach dem Versuch eines Studiums in Darmstadt dann der Entschluss: „Ich mache Keramik zu meinem Beruf.“ Die jetzt Zweiunddreißigjährige bestand 1999 ihre Prüfung als Keramikmeisterin. Vorangegangen war eine Ausbildung in Eppertshausen (Töpferware) und in Karlsruhe (Steinzeug) und einige Jahre Beruferfahrung als Gesellin, danach der Besuch der Fachschule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart. Ihre erste eigene Keramikwerkstatt eröffnete sie 1999 in Eberstadt, seit zwei Jahren betreibt sie eine Werkstatt in Jugenheim, verkauft dort auch in einem kleinen Laden ihre Produkte.

„Wie aus einem Klumpen Ton ein Gefäß entsteht, das ist nach wie vor etwas Wundervolles für mich.“ Mit ihren selbstentworfenen Dekors steht sie nach eigener Aussage in keiner besonderen Tradition. „Selbstentworfen“, sagt sie knapp. Gundlach arbeitet mit Malbällchen zum feinen und detailreichen Auftragen der Glasuren. Knapp 500 verschiedene Teile hat sie im Sortiment. Darunter auch Ungewöhnliches: die Butterdose, in der die Butter mit Wasser gekühlt wird. Ideal für das lange Frühstück auf der Sonnenterrasse. Das Alltagsgeschirr der Kunsthandwerkerin gibt es in zwei Farben, creme und blau. Jeweils kombiniert mit drei Dekors. Und die kommen so schlicht wie einfallsreich daher, machen aus Gundlachs Geschirr Hingucker in jeder Küche und auf jedem Esstisch und treten den Gegenbeweis zum Vorurteil an, Gebrauchskeramik sehe aus, wie aus längst vergangenen Jahrhunderten. Das Traditionshandwerk mit alltagstauglichen Ideen und zeitgemäßem Design kombinieren, das ist Gundlachs Anspruch. „Es kommt viel junge Kundschaft zu mir“, sagt sie. Spülmaschinenfest sind ihre Produkte, lebensmittelecht sowieso.

Die verkauft sie außer im eigenen Lädchen vor allem auf Märkten in Deutschland. Gundlach lebt ihren persönlichen beruflichen Traum. Wohnhaus und Atelier der Keramikerin sind nur durch einen Hof getrennt. „Ideal mit meinen beiden Kindern. Ich kann das Babyphone mit an die Drehscheibe nehmen, wenn ich abends noch etwas arbeiten will.“ Jeder Traum ist zu steigern, Auch der von Gundlach. „Ich würde gerne mehr Zeit und Muse zum Experimentieren haben. Mit Farben, Formen und Glasuren. Das kommt leider zu kurz.“

Neben der Drehscheibe mit Blick in den malerischen Innenhof steht der Brennofen. Und Gundlach fachsimpelt. „Steingut und Steinzeug darf man nicht verwechseln. Ich mache Steinzeug.“ Steingut werde aus weißbrennendem Ton gemacht, sei poröser als Steinzeug und werde bei niedrigeren Temperaturen gebrannt. Steinzeug – Gundlachs Arbeiten – seien dichter und fester gebrannt und der Ton „nie rein weiß.“ Vorteil: Die Gefäße sind unglaublich stabil, überstehen schon mal einen Sturz auf den Boden. „Und man kann sie sehr dünn fertigen, ohne dass sie allzu zerbrechlich werden.“ Man merkt es, wenn man eine tönerne Gundlach-Schöpfung hebt: Die Gefäße sind erstaunlich leicht. „Also voll alltagstauglich“, sagt Gundlach. „Und so sollen sie ja auch benutzt werden. Jeden Tag, für alles.“

Alle Produkte werden frei auf einer Töpferscheibe gedreht, Ingmarie Gundlach verwendet ausschließlich feldspathaltige bleifreie Glasuren, die sie nach eigenen Rezepten mischt. Die Gundlach-Dekore werden mittels speziellen Ausspartechniken hergestellt. Es gibt sie als Spiralmotiv, als Streifendekor und mit gemalten Verzierungen. (bux)

Das Atelier mit daneben liegendem Verkaufsgeschäft von Ingmarie Gundlach liegt in der Hauptstraße 9 in 64342 Seeheim-Jugenheim (Ortsteil Jugenheim). Telefon 06257 937360.

 

     

 

  
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