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Les Frites Foutues – ein Orchester der ganz schrÄgen Art

Sie sind schon ein ziemlich merkwürdiges Orchester, diese Frites Foutues. Natürlich machen sie Musik, und das gar nicht so schlecht, aber sie machen noch viel mehr. In ihrem aktuellen Programm „Mordsorchester“ bringen sie sich zum Beispiel gegenseitig um und das auf eine Art und Weise, dass es dem Publikum die Tränen in die Augen treibt – vor Lachen.

Bei den „Fritten“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt werden, handelt es sich um ein Orchestre clownesque, das ausgefallene Unterhaltung auf hohem Niveau serviert. Die fünf bis sieben Akteure beherrschen ihre Instrumente – und die hohe Kunst der komödiantischen Schauspielerei. Bei all ihren Stücken wird geküsst, gelacht, gegessen, getrunken, geweint, gelitten – und natürlich heftigst intrigiert. Darin sind sie Spezialisten, die sieben Fritten: Alexej Boris alias Dejavus Guillaume, der schmieriger Chef mit Trompete und Flügelhorn, Susanne Grampp alias Mechthild Huber, die verkniffene Schachtel mit Schlagzeug und Biergläsern, Eva Bertelsmeier alias Suzette Cuisine, die giftige Ziege mit Klarinette und Saxophon, Rike Radloff alias Peggy Galanta, das dusseliges Trampel mit Flöte und Waschbrett, Raimund Enkler alias Ide Bouvier, der versoffener Grobian mit Tuba und Akkordeon und Martin Glasmacher als Karl-Gottfried Schröder, der Waschlappen mit Altsaxophon und Thermoskanne oder als geiler Ledertyp Jens Brand mit Baritonsaxophon und Kaugummi.
Alles Menschliche ist den Akteuren nahe, sie spielen nichts weniger als das ganz normale Leben und den damit einhergehenden Wahnsinn. Dabei halten sie dem Zuschauer den Spiegel vor, in dem dieser sich selbst wieder finden kann.

Im März 1994 wurde in Andalusien, während eines Projektaufenthaltes, die Idee geboren, mit einem clownesken Orchester ein Bühnenprogramm zu gestalten und damit durch die Lande zu ziehen. Zwei Jahre lang sammelten die „kaputten Pommes“ Erfahrungen auf der Straße, der intensivsten Schule der Welt. Sie montierten eine Bühne an einen Oldtimer-Lkw und spielten auf diesen Brettern in diversen Städten. Dadurch wurde eine Reihe von Veranstaltern auf sie aufmerksam und die Engagements auf überdachte Bühnen folgten. Inzwischen, zehn Jahre später, wurden vier eigene Bühnen erarbeitet und rund 700 Gastspiele vor mehr als 200.000 Zuschauern im In- und Ausland gegeben. Das baden-württembergische Kulturministerium belohnte 1998 diese Arbeit und vor allem das Programm „Quer durch die Tücken des Lebens - Klezmer Orchestre clownesque“ mit dem Kleinkunstpreis.

Zu den Gründungsmitgliedern zählte vor zehn Jahren auch Hans-Peter Frohnmaier. Bis vor zwei Jahren gab er das Ekelpaket von Orchesterchef, den Kapellmeister Hapo Lawache. Inzwischen ist er Chef des Sapperlot-Theater in Lorsch, für die Fritten fehlt ihm die Zeit. Aber er springt immer wieder ein wenn Not am Mann ist. Dabei ist er selten zu sehen, aber oft zu hören. Er spielt Trompete und Flügelhorn, allerdings hinter dem Bühnenvorhang. Es ist war nicht einfach, ihn zu ersetzten. Schauspielerisch, komödiantisch und musikalisch gleichermaßen begabte Künstler zu finden, besonders für diese schräge Rolle, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Aus dieser Not machten die Fritten eine Tugend. Auf der Bühne steht nun der glatzköpfige Alexej Boris als Idealbesetzung des schmierigen, despotischen Orchesterchefs – und spielt Trompete. Die Leichtigkeit seines Spiels wurde schon hoch gelobt, es fällt nicht auf, dass er nur so tut als ob. Wirklich trompetet wird hinter dem Vorhang, unter anderem von Hans-Peter Frohnmaier, was erst am Ende des Stücks offenbart wird.

Neben den Bühnenstücken, erst das Klezmer- und nun das Mords-Orchester, zieht es die schräge Truppe immer wieder „back to the roots“, auf die Straße. Dort spielen sie die mitreißende, nervtötende, anarchisch-charmante Jelly Family – oder besser gesagt: Sie sind es, eine Familie zum Knutschen und zum auf-den-Mond-schießen, ganz nach Belieben. Für die Straße sind auch die „Cock-Tales“ inszeniert. Hier spielen fünf eigenwillige Federviecher tierisch menschliche Szenen zwischen und mit dem Publikum, mit und ohne Musik. Pure Spielfreude, eine fast an das Original-Geflügel heranreichende Körperhaltung und aufwendig verarbeitete Kostüme - über 3000 handvernähte Federn pro Tier - verleihen diesen Mega-Hühnern einen schon fast gespenstischen Realismus.

Sie sind gut unterwegs, die Fritten, europaweit – und durch die freundschaftliche Verbindung zum „Aushilfsmitglied“ Hans-Peter Frohnmaier in Lorsch auch immer mal wieder im Outback-Gebiet. Dann gilt es, sich rechtzeitig Karten zu sichern, denn die Fangemeinde ist inzwischen recht groß. Sie sind einfach unbeschreiblich gut, man muss sie erlebt haben. (psi)

Kontakt, Info und Tourplan: Les Frites Foutues, Bolander Weg 39, 88368 Bergatreute, Tel. 07527 918590, mobil 0172 2335760, Fax: 07527-9146242, info@lesfritesfoutues.de, www.lesfritesfoutues.de

 

     

 

  
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