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Festivals im Outback

Noch vor einigen Jahren stand über die Sommermonate fast an jedem Wochenende irgendwo in den Weiten des Odenwaldes und der Umgebung ein musikalisches Ereignis an. Im Laufe der Jahre sind sie immer weniger geworden, die Festivals im Outback. Ursachen dafür gibt es viele. Das Publikumsinteresse ließ nach, große, für diese kleinen Veranstaltungen unerschwingliche Stars waren gefragter als unbekanntere, aber deswegen nicht schlechtere Bands. Parallel zu den zurück gehenden Besucherzzahlen stiegen die Kosten für die Veranstalter, von der Platzmiete angefangen bis hin zu unzähligen Verordnungen und Gebühren. Lärmbelästigte Anwohner versuchten - oft erfolgreich - die Veranstaltungen schon im Vorfeld zu verhindern oder schickten frühzeitig die Polizei, die dem musikalischen Treiben bereits um 22 Uhr ein Ende machte. Und, und, und... Es ist wahrlich nicht verwunderlich, dass vielen Veranstaltern irgendwann die Lust am Veranstalten verging – mancher zahlt heute noch für sein damaliges Engagement.

Doch noch ein Silberjubiläum in Finkenbach?

Die Lust noch immer nicht verloren, trotz aller Widrigkeiten, habe die Macher der „Mutter aller Odenwälder Festivals“, die Finkenbacher Ortsvereine. Zum 25. Mal stünde dieses Jahr das legendäre Finkenbach-Festival um Mani Neumeier und seine Guru Gurus auf dem Programm. Ob es tatsächlich über die Bühne geht, ist derzeit noch ungewiss. Der Wille ist da, ebenso die Motivation, aber die Erfahrungen der vergangenen Jahre setzte doch gewaltige Dämpfer. Hier waren es weder Verordnungen noch Lärmbelästigte, die dem bunten Hippietreiben ein Ende setzten, sondern die Staatsgewalt. Seit dem Jahr 2000 steht das Festival unter strenger Polizeibewachung, weil – wie man plötzlich erkannte – bei diesem Event Marihuana konsumiert wird. Für ein Festival ist das zwar nicht ungewöhnlich, aber die Lage Finkenbachs an der bayrisch-hessischen Grenze bot sich wohl an für gemeinsame Aktionen der Ordnungshüter.

Massive Verkehrskontrollen – schon Tage vor und auch nach dem eigentlichen Festival – verdarben mit der Zeit den Besuchern die Lust an diesem Spaß. Diesen Kontrollen, oft verbunden mit Leibesvisitationen, Durchsuchung des Autos und des Gepäcks, Blutentnahme und so weiter, konnte sich niemand entziehen, weder das Kiffervölkchen noch die Nicht-Kiffer, die sich einfach ein paar entspannte Tage im Tal machen wollten. Besonders Letzteren ging diese Kriminalisierung gewaltig auf die Nerven und immer weniger trauten sich zur Festivalzeit nach Finkenbach. Im vergangenen Jahr erreichte die Besucherzahl mit 3500 Leuten ihren absoluten Minusrekord, die Polizeipräsenz mit 350 Beamten aus Hessen und dem Badischen die umgekehrte Superlative. Beschlagnahmt wurden von den Beamten übrigens 140 Gramm Cannabis, was nach Ansicht des hessischen Innenministeriums und der untergeordneten Stellen diesen massiven Polizeieinsatz rechtfertigte. Lediglich der Bund der Steuerzahler sieht das etwas anders.

Und natürlich die Finkenbacher selbst, denen das Festival 2004 ein fünfstelliges Defizit bescherte. Diese Verluste sorgten natürlich für Kritiker und Gegner in den eigenen Reihen und unmittelbar nach dem letzten Festival kam das Aus. Aber wer seit den Siebzigern jedes Jahr ein friedliches buntes Völkchen zu Gast im Dorf hat und von diesem Festival beide Seiten – Gäste und Gastgeber – profitieren, gibt so schnell nicht auf. Seit Monaten wird überlegt und diskutiert, wie diese schöne Tradition fortgesetzt werden und das Finkenbach-Festival – ursprünglich aus einem Feuerwehrfest heraus entstanden – sein Silberjubiläum doch noch erleben könnte. Das Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, aber es ist nicht ganz aussichtslos, dass Finkenbach auch dieses Jahr wieder zum Mekka der Hippies und ihrer Nachfolger werden könnte, zumindest jener, die sich von den grünen Uniformen und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten auch dieses Jahr nicht abschrecken lassen. Der Stand der Entwicklung sowie die ganze Vorgeschichte ist auf der Seite www.finkenbach.de nachzulesen.

Vom 26. bis 29. Mai zieht das Schlossgrabenfest mittlerweile zum siebten Mal Besucher aus Nah und Fern in das Zentrum von Darmstadt. Rund um das Schloss, auf dem Friedens-, dem Ernst-Ludwigs- und dem Karolinenplatz sind dann vier Live-Bühnen aufgebaut, auf denen an den vier Festivaltagen von nachmittags bis in die Nacht hinein an die 60 Bands spielen werden. Ganz klar, dass da die komplette musikalische Bandbreite von Rock und Pop, Soul, Hip Hop, Alternative, Reggae, Coversongs, Blues und Jazz geboten ist und sicherlich jeder Besucher etwas für seinen Geschmack findet. Das Beste: Das Konzertvergnügen mit bekannten Bands aus der Region oder dem Bundesgebiet sowie mit einigen Newcomern der Musikszene ist kostenlos und man trifft eine Menge bekannter Gesichter. Platzangst sollten die Besucher jedoch nicht haben: Im vergangenen Jahr kamen über 400.000 Musikfans zum Schlossgrabenfest, was zu Stoßzeiten am Abend bedeutet, dass man sich nur im Schneckentempo von Bühne zu Bühne schieben konnte. Infos gibt es unter www.schlossgrabenfest.de (me)

Die Wissenschaftsstadt feiert dieses Jahr übrigens ihr 675-jähriges Jubiläum, Anlass für ein „Auswärtsspiel“ der Centralstation. Die Darmstädter Kulturmacher laden ein zum 675-Jahr-Festival am Darmstädter Schloss und auf der Bühne stehen vom 16. bis 19. Juni unter anderem Till Brönner, Andreas Vollenweider und den U-Bahnkontrollören. Infos unter www.centralticket.de. (psi)

In Dieburg wird der Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker jedes Jahr zum Treffpunkt für die Musik begeisterte Jugend: Auch in diesem Jahr werden am 29. und 30. Juli wieder scharenweise Besucher zum Traffic Jam Open Air kommen. Jenseits von Kommerz und Mainstream sind an diesem Festival-Wochenende regionale und überregionale Bands aus der Newcomer-Szene zu erleben und hören. Nähere Infos - beispielsweise zu den Bands, Eintrittspreisen und Zeltmöglichkeiten – sind unter www.trafficjam.de demnächst nachzulesen. Bands haben noch bis zum 8. April die Möglichkeit sich für einen Auftritt zu bewerben. (me)

Seit 1975 findet einmal im Jahr an einem Wochenende im Sommer ein kleines Festival im Nilkheimer Park bei Aschaffenburg, statt – das Kommz. Organisator ist der Freundeskreis für Kultur. Mittlerweile arbeiten und feiern vier Kommz-Generationen zusammen, von den alten Freaks um die 50 bis zu den Pampersträgern. Das Team besteht aus Hausfrauen, selbständige Unternehmer, Arbeitslose, Studenten, Künstler, Handwerker und Schüler – alles bunt gemixt durcheinander. Beim Kommz steht Kommunikation und Miteinander im Vordergrund, kommerzielle Anbieter haben keine Chance. Zugeständnisse werden in dieser Hinsicht lediglich an das kulturelle Angebot hinsichtlich eines ausgereifte Musikprogramms - die Programmpalette reicht von Rock, Reggae, Samba bis hin zu Soul, Jazz, Funk -  und eines mittlerweile beispielhaften Kinderprogramms gemacht. Wichtiger Bestandteil des Festes sind kostenlose Workshops, an denen sich jeder beteiligen kann. Kommz steht übrigens für kommt's alle und dieses Jahr vom 5. bis 7. August auf dem Programm. Nähere Infos unter www.kommz.de. (psi)

Bereits seit Jahren gilt das Burg-Open-Air-Lindenfels, kurz Boal, als absolutes Sommerhighlight für Bands und Musikfreunde in Südhessen und an der Bergstraße. Dieter „Blaulicht“ Kessel und sein junges Open-Air-Team sowie etwa 160 ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass das Boal am 13. und 14. August wieder zu einem unvergesslichen Event wird. Auf der historischen Burgruine wird den Besuchern ein Non-Stop-Musikprogramm geboten, das die Stilrichtungen Rock, Blues, Jazz, Funk, Soul, Wave, Grunge, Punk, Reggae und Techno abdeckt. Das Burg-Open-Air-Lindenfels ist allerdings mehr als nur ein Konzert: Hier trifft man sich mit alten Freunden, es wird Musik und Kleinkunst geboten, für Kids gibt es ein besonderes Rahmenprogramm und die Jugendlichen haben die Chance mit den teilnehmenden Künstlern in Kontakt zu kommen. Infos unter www.boal-online.de. (me)

Bereits seit 1998 gibt es alljährlich im Fischbachtal zwischen Niedernhausen und Nonrod, auf der Kulturwiese am Sportplatz, die volle musikalische Dröhnung - und dieses Jahr geht das Nonstock-Festival am 19. und 20. August an den Start. Nicht mehr ganz so groß wie in den beiden Vorjahren, mehr nach der Devise „Back to the Roots“, mit regional bekannten Musikern aus den Sparten Reggae, Rock, Punkrock und Hip-Hop. Bands aus der Region können sich übrigens noch bis Mitte April bewerben.

Die Besucherzahl liegt üblicherweise bei rund 3000, im Alter von 16 bis Ende 30. Mit ein Grund für die Beliebtheit des Nonstock-Festivals liegt sicherlich in den niedrigen Eintritts- und Getränkepreisen der Veranstaltung, aber auch in der ungezwungenen, friedlichen Atmosphäre. Die Veranstalter, Jugendliche und junge Erwachsenen, arbeiten nach dem Benefiz-Prinzip – Überschüsse kommen gemeinnützigen Zwecken zugute. Nähere Infos unter www.nonstock-festival.de.

Festival am Steinbrücker Teich bedeutet hart, härter, Hardcore. Am 27. August zum 15. Mal am Oberwaldhaus. Ein Muss für alle, für die gute Musik E-Klampfen-dominiert und laut sein muss. Punkrock, Alternative, Metal. Lokaler Anspruch an die Bands, der schon erfüllt wird, wenn ein Bandmitglied jemanden kennt, der schon mal in Darmstadt war. Bewerbungen sind übrigens noch bis Mitte April möglich. Der Kontrast zum idyllisch gelegenen See am Oberwaldhaus macht an. Häufigste Frage unter den Besuchern: „Geht’s nicht noch lauter?“ Infos unter www.openair-darmstadt.de  (bux)

Das Fischbachtal war in den vergangenen Jahren auch die Heimat des „Wohnzimmer-Open-Air“ der Chaos-Company-Crew. Dieses Jahr rockt das Sofa auf dem Festplatz in Bad König, und zwar am 2. und 3. September. Live on Sofa bisher schon Days In Grief, Dr. Woggle & The Radio, On When Ready, Skeleton Army, Plowking, The Ordinary Me, Fire In The Attic, Nosedive, ÖL, Rehfuss, Freezeebee, All Against Ed, Siamese, Sunyard und auch dieses Jahr wird die Besucher ein vielschichtiges Programm erwarten. Die aktuellen News gibt es unter www.Wohnzimmer-Open-Air.de.

Noch in weiter Ferne und nicht wirklich Open-Air, aber dennoch schon fest in vielen Terminkalendern eingetragen ist die Watzemussiggnacht im Rahmen der Martinskerb in Darmstadt. Wer sich gerne mit Freunden und Bekannten zum Feiern trifft, neue Leute, Kneipen und Bands kennen lernen will, der sollte sich unbedingt am 10. September Zeit für einen abendlichen Bummel durchs Martinsviertel nehmen. In über 30 Kneipen wird kostenlos Stimmung und gute Musik von verschiedenen Darmstädter Bands geboten. Infos – wenn es soweit ist - unter www.watze.de.vu. (me)

Ebenfalls nur bedingt Open-Air – beim Wandeln von Kneipe zu Kneipe – ist der dritte Nightgroove in Michelstadt am 5. November zu erleben. Knapp zwanzig Kneipen und Restaurants bieten ein buntes Musikprogramm für alle Geschmacksrichtungen, Infos dazu demnächst unter www.nightgroove.de. (psi)

 

     

 

  
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