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Der Englische Garten in Eulbach

Pittoreske Monumente säumen die Wege zum Wild

Wisente gehören nicht gerade zu den alltäglichen Wildtieren im Odenwald. Gleichwohl haben sie hier seit den fünfziger Jahren ihre feste Heimat gefunden. Der Eulbacher Wildpark hat damals einige der wenigen in Europa noch lebenden Ur-Rinder aufgenommen. Heute ist daraus eine stattliche Herde geworden, die eine der besonderen Attraktionen des bemerkenswerten Parks ist. Aber auch Sikawild und Mufflons , Dam- und Rotwild fühlen sich in ihren Gehegen wohl. Die auf freier Wildbahn so scheuen Tiere nähern sich in Erwartung einer Handvoll Futter zutraulich dem Gatter. Das gibt es an der Kasse oder an den Futterautomaten zu kaufen. Der Rothirsch, den man am frühherbstlichen Morgen noch röhren hörte, hebt jedoch gerade einmal den Kopf und zeigt sein prächtiges Geweih. Etwas weiter entfernt wuseln die Wildschweine mit dem Rüssel am Boden auf Futtersuche herum. Ihr Gehege ist durch eine Unterführung mit einem Teich verbunden, den sie dankbar nutzen und dort sogar auf Fischfang gehen.
Aber nicht nur die Nähe zu dem Wild macht den Reiz von Eulbach aus. Einen besonderen Charme besitzt der Englische Garten, den Graf Franz I. zu Erbach-Erbach im Jahre 1802 nach Plänen des großen Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell, auf den auch der Englische Garten in München zurückgeht, anlegen ließ. Zentral ist hier die Lichtachse, die das noch immer von der gräflichen Familie bewohnte Jagdschloss mit dem See am Ende des Gartens verbindet. Von ihr aus eröffnen sich malerische Landschaftsräume in denen exotische alte Bäume wie Esskastanie, Tulpen- oder Mammutbaum einzeln oder in Baumgruppen wachsen. Aus der Zeit vor der Parkanlage stammen noch die uralten Huteeichen, unter deren  weit ausladende Baumkronen die Bauern ihre Schweine zur Mast getrieben haben. In der Vergangenheit aufgestellte Stellsteine, die das Wild abhalten sollten, befrieden die Hauptallee. Die zahlreichen verschlungenen Wege, die durch diese Naturräume führen, sind neben alten Grenzsteinen von riesigen Rhododendren gesäumt, zu deren Blüte zahlreiche Besucher kommen. Wer sich für Botanik interessiert, ist hier am richtigen Platz. Für den stillen Spaziergänger und Genießer eröffnet sich eine andersartige, verwunschene Welt, die sich dem Stil der damaligen Zeit verdankt.
Ganz im Sinne der Romantik ist ein künstlicher See angelegt, auf dessen Inselchen eine kleine Rindenkapelle steht. Hier fanden die Gottesdienste für die Grafen und ihre Dienerschaft statt; auch heute noch wird sie zweimal jährlich genutzt. Ein schwarzer Schwan zieht erhaben seine Runden, zwischen den vielen Seerosen schwimmen zahlreiche Enten und Gänse und somit ist hier ein idealer Ort zum Verweilen, während sich die Kinder auf dem liebevoll angelegten Abenteuerspielplatz austoben können. An besucherträchtigen Tagen hat auch ein Kiosk geöffnet, an dem sich neben Getränken auch Würstchen und Pommes erstehen lassen. Doch zurück zur romantischen Szenerie, die durch die  Eberhardsburg, einer künstlichen Ruine, ergänzt wird. Das Mauerwerk und die Sturzbögen stammen aus der Umgebung: von alten Kirchen oder auch der nahe gelegenen Wildenburg. Aber damit nicht genug: Gleich zu Anfang des Parks, gegenüber des Schlosseingangs, ragt ein Obelisk auf. Er ist eine verkleinerte Nachbildung des Obelisken von Heliopolis, der nun in Rom steht, und wurde aus den Resten des Römerkastells in Würzberg gebaut. Immer wieder stößt man beim Durchwandern auf die zahlreichen Relikte aus römischer Zeit. Graf Franz, ein leidenschaftlicher Altertumsforscher, ließ viele der am Odenwald-Limes ausgegrabenen Funde in den Park bringen. So finden sich hier neben den wieder aufgebauten Kastelltoren aus Würzberg und Eulbach ein römischer Viergötterstein und zahlreiche Altarsteine. Nicht zuletzt wurde aber auch der verdienstvollen Grafen von Erbach gedacht: Während ein großes Denkmal den Grafen Eberhard mit seinem letzten erlegten Hirschen darstellt, zeigt eine Motivtafel Graf Franz I. Die rot leuchtende Nase seines Bronzebildnisses zeugt nicht von einer akuten Erkältung, sondern verdankt sich einer alten Tradition: Weil es Glück bringen soll, die Nase zu berühren, wurde sie allmählich „wund“ gerieben. Kein Wunder auch, dass man vom Grafen Franz noch immer viel erhofft: Allein in Eulbach hat er schon viel geschaffen, angefangen mit dem Bau eines Jagdhauses im Jahr 1771 – dem heutigen Schlösschen – bis hin zur Errichtung des Englischen Gartens. Gleich nebenan nahm übrigens auch der Wiesenmarkt, den er für seine Landeskinder wünschte, im Jahr 1802  seinen Anfang. Erst 1824 wurde er an die Rennbahn nach Erbach verlegt – doch den Namen „Eulbacher Markt“ führt er noch bis heute. (kro)

Englischer Garten „Eulbacher Park“, An der B 47 zwischen Michelstadt und Amorbach. Telefon: 06061/2590. Ganzjährig geöffnet von 9 bis 18 Uhr.

     

 

 

 

  
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