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EdelbrÄnde

Quintessenz aus hundert Jahren Brenn-Erfahrung und OdenwÄlder Eiche

Bernsteinfarben, mit zarten Aroma-Nuancen von Kastanie und Maulbeere und samtweich im Geschmack – so präsentiert sich das gemeinsame Werk von fünf Odenwälder Edelbrennern. Die drei Badener und zwei Hessen füllten im September 2004 ihre besten Apfelbrände in ein Fass, wo die hochprozentigen Tropfen gut drei Monate ruhten. Bei dem Fass handelt es sich um eines aus Odenwälder Eiche, gewachsen in Seidenbuch.
Was am Ende dabei herauskommt, wusste keiner der Fünf, aber das Ergebnis überraschte sie positiv. „Dass unsere Brände hervorragend sind, wussten wir, aber der Einfluss des Eichenfasses ist auch für uns eine völlig unbekannter Faktor“, erklärt Dieter Walz, einer der Brenner und Initiator der gemeinsamen Aktion. Das Fass wurde vor dem Befüllen innen ausgebrannt, getoastet heißt das im Fachjargon. Daher kommen die Bernstein-Farbe des Odenwälder Apfel-Cuveés und das besondere Aroma. Die Kunst dabei ist, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten: Das Eichenfass muss das Aroma abgeben, aber der Fruchtgeschmack soll erhalten bleiben. Offensichtlich stimmte das Timing haargenau, wovon das Ergebnis überzeugt.
Insgesamt hundert Jahre Berufserfahrung in Sachen Edelbränden bringen die fünf Brenner zusammen. Der „Dienstälteste“ ist Ernst Bulling aus Neckarelz/Mosbach. Sein Gasthof mit Destille „Eisenbahn“ besitzt das Brennrecht seit 1910, er selbst brennt seit 40 Jahren. Noch älter ist das Brennrecht von Gerhard Fritz vom Kreiswald in Rimbach. Drei Kilometer führt die Straße hinauf zu dem kleinen Weiler mit dem Gasthaus, das seit 1866 brennen darf. Seit 20 Jahren steht der jetzige Inhaber an der Destille. Eine ebenso lange Berufserfahrung bringt Reinhard Mück aus Nieder-Liebersbach mit. Sein Brennrecht stammt aus dem Jahr 1860, ist aber erst seit 1992 in seinem Besitz. Er ist hauptberuflich im Angestelltenverhältnis bei einer Krankenkasse beschäftigt. Germann Hennrich brennt seit elf Jahren auf seinem Assulzer Hof in Billigheim-Allfeld. Die Land- und Gastwirtschaft mit Spezialitätenbrennerei bietet neben den edlen Tropfen auch Wildspezialitäten, Hausmacher Wurst, selbstgebackenes Brot und vieles mehr. Der an Berufserfahrung jüngste in diesem Team ist Dieter Walz aus Fürth. Seit neun Jahren betreibt er seine Edelbrennerei, dies allerdings als einziger hauptberuflich und mit einer reichhaltigen Angebotspalette.
Gemeinsam haben alle Fünf den hohen Qualitätsanspruch. Es wird ausschließlich einheimisches Obst verwendet, obwohl gefrorene Auslandsimporte deutlich billiger wären. Aber billig ist für die Edelbrenner kein Thema, ihnen geht es ausschließlich die Qualität und den Geschmack ihrer Erzeugnisse. Davon durften sich die Teilnehmer an den Odenwälder Brennertagen, Mitte Februar im Kreiswald, überzeugen. Dort wurde Gemeinschaftsprodukt erstmals ausgeschenkt. 91 Liter Fassinhalt wurden auf 180 elegante Flaschen gezogen und wer inzwischen eine solche in seiner Hausbar hat, besitzt eine wahre Rarität.
Ob und wann es einer Wiederholung dieser Gemeinschaftsaktion geben wird, steht noch nicht fest. „Dafür sind nur die allerbesten Destillate geeignet“, erklärt Dieter Walz, „und so was gelingt auch uns nicht alle Tage“. Möglicherweise haben die fünf Brenner noch das eine oder andere Fläschchen des Apfel Cuveés in der Hinterhand – einfach mal nachfragen. Und wenn nicht: Jeder einzelne der Herren hat in seinem Angebot auch adäquaten Ersatz, und das für jede Geschmacksrichtung.

Rund 29.000 Brenn-Lizenzen gibt es in Deutschland, 24.500 allein in Baden-Württemberg. In Bayern sind es rund 3000, in Rheinland-Pfalz 1450 – in Hessen lediglich 75. Nicht alle werden genutzt und verfallen bei Nichtnutzung nach zehn Jahren. Neue Lizenzen werden nicht vergeben, vorhandene können allerdings gekauft werden, sofern der Besitzer sie anbietet.

Gerhard Fritz, Gasthaus Kreiswald, Im Kreiswald 6, 64668 Rimbach, Tel. 06253 972146.

Reinhard MÜck, Liebersbacher Str. 72, 69488 Birkenau-Nieder-Liebersbach, Tel. 06201 33826.

Dieter Walz, Tucholskyweg 6, 64658 FÜrth, Tel. 06253 23280, mobil 0171 7435807, www.apfelwalzer.de.

Germann Hennrich, Assulzer Hof, 74842 Billigheim-Allfeld, Tel. 06265 211.

Ernst Bulling, Hotel Eisenbahn, 74821 Mosbach-Neckarelz, Te. 06261 7314, www.gasthof-eisenbahn.de.

 

 

 

     

 


 

 

 

 

  
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