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Das Cabrio säuft ab und die Mannschaft trifft das Tor nicht

         

 

Als Eintracht-Fan muss man leidensfähig sein und auf bessere Zeiten hoffen

Er wird als einer der schwärzeren Tage in die Geschichte der Eintracht Frankfurt eingehen, dieser 1. Oktober 2005. Nicht nur, dass der Bundesliga-Aufsteiger am achten Spieltag auch den Schalkern unterlag und die rote Laterne des Tabellenendes übernahm – es regnete auch noch und das ziemlich heftig. Die Überreste des Hurrikans Rita zogen über Deutschland und brachten reichlich Wasser mit. Somit wartete auf das schönste und größte Cabrio der Welt eine weitere Bewährungsprobe nach dem Rein- beziehungsweise Wasserfall beim Confed-Cup.
Nur diesmal war das Dach nicht bereits geschlossen als es losprasselte. Obwohl die Wettervorhersage keine Zweifel offen ließ, dass dies passieren wird. Erst mittags, als sich die Dachplane schon gut mit Wasser gefüllt hatte, wurde der Versuch der Schließung gestartet. Es gelang nicht ganz, denn ein Motor des Schließmechanismus versagte und Sturzbäche prasselten auf den Rasen. Somit blieb das Dach offen, das Cabrio – im übertragenen Sinn wohl ein Montagsauto – zeigte sich einmal mehr als Fehlplanung. Bei Schnee darf es nicht, bei Regen kann es und bei Sonne muss das Dach nicht geschlossen werden. Peinlich, peinlich! Bleibt nur zu hoffen, dass es während der WM 2006 nicht regnet.
Bei offenem Dach werden eigentlich nur die Spieler nass, eigentlich. Denn: Auch die Zuschauer auf den fest überdachten Plätzen sitzen nicht unbedingt im Trockenen. Vor allem in den Oberrängen ist die Chance, nass zu werden, außerordentlich groß. Durch die riesige Lücke zwischen Rang und Dach – die angeblich der Belüftung des Rasens dient - zieht es nicht nur wie Hechtsuppe, es regnet auch heftig rein. Natürlich kann man sagen, Fußball ist ein Open-Air-Sport und es gibt kein falscher Wetter, nur falsche Kleidung. Aber: Die Plätze werden als überdacht und zu den entsprechenden Preisen verkauft.
Auch im Umfeld des Stadions zeigte sich an diesem bewussten Samstag, dass es noch einiges zu tun gibt, bis zum WM im kommenden Jahr. Die Parkplätze standen großflächig unter Wasser und die Zuschauer in tiefem Schlamm vor den Einlasskontrollen an. Allerdings: Diese und die neuen Drehkreuze mit den Eintrittskarten-Lesgeräten funktionieren einwandfrei, aber das ist auch schon das einzige, was reibungslos klappt. Die Pay-Clever-Karte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr an den Imbissständen glänzt noch immer mit hoher Fehlerquote und wird von vielen boykottiert. Natürlich spielen auch die unverschämt hohen Preise (3,50 Euro für ein Getränk oder eine Bratwurst) und die schlechte Qualität des Angebots eine Rolle bei diesem kollektiven Konsumverzicht. Alles lassen sich die Zuschauer halt auch nicht bieten.
Die Fans hatten an diesem schwarzen Samstag ebenfalls nicht ihren besten Tag. Der Support aus der Kurve erklang seltener und leiser als bei allen Spielen zuvor. Selbst in der zweiten Liga war bei nur 5000 Besuchern mehr Stimmung als diesmal bei 50.000. Grund zum Feiern gab es allerdings auch nicht und die Nerven lagen blank. Nach acht Spieltagen nur drei Tore und vier Punkte. Da hilft alles Schönreden nichts mehr, da kommen selbst Optimisten Zweifel, ob das angestrebte Ziel, der Klassenerhalt wirklich zu schaffen ist.
Der dritte Torhüter, Jan Zimmermann, der nach der Verletzung von Oka Nikolov vom Amateur- ins Profitor wechseln musste, erwies sich als sicher. Aber er wurde auch nicht wirklich gefordert. Im eigenen 16er lief es für die Eintracht ebenfalls gut, aber drüber hinaus haperte es gewaltig. Im Mittelfeld ging kaum etwas und vom Sturm war auch nicht viel zu sehen - falls wirklich mal ein Ball durchkam. Amanatidis scheint in Kaiserslautern das Spielen und vor allem das Toreschießen verlernt zu haben, Arie van Lent kann nicht an seine Leistungen der letzten Saison anknüpfen und auch Du-Ri Cha hat es nicht so mit dem Runden ins Eckige. Ein schwaches Spiel gegen ebenfalls schwache Schalker, die nicht mehr taten, als unbedingt nötig. Ähnlich wie die Bayern zwei Wochen zuvor.
Natürlich waren es überwiegend starke Gegner, gegen die die Eintracht ihre ersten Spiele in der ersten Liga zu bewältigen hatte. Allerdings erzielte das Team um Trainer Friedhelm Funkel auch in Wolfsburg keinen Punkt und zeigte die bis dahin schlechteste Leistung dieser Saison. Versuche des Trainers, nach den Spielen die Leistungen schön zu reden, scheiterten, Friedhelm Funkel wirkte hilflos. Pfiffe der Fans erklangen erstmals nach dem Schalkespiel, aber schon nach Wolfsburg kamen die ersten „Funkel raus“-Forderungen. Ob ein Trainerwechsel tatsächlich etwas bewirken kann, sei dahin gestellt. Die Rückendeckung des Vorstandes hat Funkel allerdings und es bleibt vorerst wohl alles wie gehabt. Und den Fans bleibt die Hoffnung, dass der Knoten irgendwann platzt und die Eintracht endlich in der ersten Liga ankommt.
„Das Cabrio säuft regelmäßig ab, die Trainingsbedingungen sind katastrophal, die Bewirtung der Zuschauer ebenfalls, die Bahn rundet das Bild ab. Die Sportsendung von HR3 ist schon lange zum Gespött der Leute geworden. Zu allem Überfluss trifft die Mannschaft das Tor nicht. Es ist eine Strafe, Frankfurter zu sein.“ So das Klagelied eines altgedienten Fans im Eintrachtforum nach dem Schalkespiel. Aber wie alle anderen war auch er beim nächsten Spiel wieder da – Eintrachtfans sind leidensfähig, vor allem jene, die das launige Spiel der Diva schon seit Jahrzehnten mitmachen. Aber die wissen auch aufgrund ihrer Erfahren: Bei der Eintracht kann das am nächsten Spieltag schon wieder völlig anders aussehen. Und was den Dachschaden des Cabrios betrifft: Vielleicht regnet es ja zur WM tatsächlich nicht.

Text: Liane Probst-Simon / Fotos: Stephan Kaufmann

   

 

  
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