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Wo sich die Evolution zurück drehen lässt


Cybernarium in Darmstadt - eine spannende Mischung aus Wissenschaft und Spaß, Technologie und Verzauberung


Wer schon immer mal einen Blick ins Weltall oder auf das entstehende Leben im Mutterleib wagen oder völlig gefahrlos Atome zu Molekülen verbinden oder mit einem Motorrad durch die Gegend heizen wollte, ist im Cybernarium in Darmstadt an der richtigen Adresse. Virtuelle Welten real erleben lautet dort das Angebot. Was im Gebäude 23 auf dem ehemaligen Telekom-Gelände auf den ersten Blick zu sehen ist, scheint nur für absolute Technik-Freaks attraktiv: Jede Menge Computer mit einer gigantischen Hardware. Aber bei diesen Exponaten geht es weniger um das äußere Erscheinungsbild, sondern mehr um das, was auf den Festplatten niedergeschrieben wurde – und was eben diese Software macht.
Ein Blickfang ist jedoch das Omnium, im Prinzip eine auf der Seite liegende, geköpfte Pyramide. In deren nun flacher Spitze tobt ein Farbenspiel wie in einem überdimensionalem Kaleidoskop und setzt sich unendlich fort. Eine installierte Kamera lässt den Betrachter das Farbenspiel durch Bewegung beeinflussen und steuern. Ein Stück weiter, im interaktiven Planetarium, heißt es: 3-D-Brillen aufsetzen und in die Weiten des Alls schauen. Ob der Saturn mit seinen Ringen oder die Erde mit ihrer galaktischen Mülldeponie – alles lässt sich aus der Nähe betrachten. Dabei erfährt der Besucher auch von den Dimension des die Erde umkreisenden Weltraummülls: Über zehntausend Teile fliegen dort herum, die aktiven Satelliten belaufen sich dabei auf lediglich 400 – der Rest ist tatsächlich Müll.
Augmented Chemistry heißt das nächste Ziel, ein digitaler Chemiebaukasten, bei dem sich der Besucher mit einem Atomgreifer aus einem Buch die einzelnen Atome holt und beliebig zu Molekülen zusammen fügt. Was ihm im richtigen Leben das Haus um die Ohren fliegen ließe, ist in dieser erweiterten Realität völlig harmlos und ungefährlich. Das Wachstum eines Baumes lässt sich mit einer würfelförmigen Sonne beeinflussen und mittels Tastatur kann man die Evolution steuern. Aus einem Ei wird in mehreren Schritten „Evo-Luzie“, ein Plesiosaurier. Wenn’s nicht gefällt: Ein Tastendruck und die ganze Entwicklung steht wieder am Anfang.
„ Wie kommt der Strom in die Steckdose?“ heißt es ein Stockwerk tiefer. Um das zu klären, setzen einige Besucher Kappen mit Sendern auf und müssen so lange umeinander herum laufen, bis auf der Tafel ein funktionierender Stromkreislauf angezeigt wird. Dann gibt es sogar digitalen Applaus. Das Handbuch der Zukunft lässt hoffen: Keine unverständlichen Erklärungen mehr, sondern einem kombinierte Kamera-Video-Brille und alle Anweisungen kommen vom PC. Beim Ultraschall-Simulator erklärt sich, warum Ärzte so lange studieren müssen: Es ist gar nicht so einfach, das Kind im Mutterleib überhaupt zu finden, gar noch das Geschlecht zu bestimmen für den Laien fast unmöglich.
Auch große und kleinen Spielkinder kommen auf ihre Kosten: Beim Memory gilt es, gleiche Karten zu finden, obwohl diese sich auf den ersten Blick überhaupt nicht gleichen. Nur die Kamera erkennt die Zusammenhänge und wenn der Schneemann dann auf den Fön trifft, passt es. Pech für den Schneemann: Er fönt sich selbst weg. Bei anderen Paarungen prügeln sich die Schachfiguren auf dem Brett, der Teufel im Sarg erschreckt den Vampir oder das Sparschwein verwandelt die gute alte D-Mark in einen Euro. Wie Tron im gleichnamigen Disney-Film von 1982 dürfen die Besucher mit dem Motorrad durch die digitale Landschaft heizen, natürlich wie es sich gehört mit Helm. In diesem Fall ein Cyberhelm, der das Spektakel erst möglich macht. Zum Abschluss noch eine Runde Oxo, auch bekannt als TicTacToo. Gegen den Computer. Aber keinen Sorge, der ist menschlich programmiert, macht auch Fehler und ist damit besiegbar. Wo zuvor die Planeten durchs all zogen, steht zum Abschied der Dom von Sienna und zu einer Führung lädt der charmanten Avatar Luigi, ein digitaler Mitarbeiter der Hauses, ein.
Für die Führungen durch die Gesamtausstellung sind im Cybernarium allerdings reale Menschen zuständig. Während einer guten halben Stunden werden die Exponate erklärt, anschließend dürfen die Besucher selbst ausprobieren – eine interaktive Präsentation, die Kinder und Jugendliche ebenso fesselt und fasziniert wie die Senioren. Einzigartige Exponate mit Technologien der Virtuellen und Erweiterten Realität lassen den Besucher neueste Entwicklungen der Technik und faszinierende Wissenschaft mit allen Sinnen erleben.
Auf 600 Quadratmetern finden sich im Cybernarium, das aus dem Frauenhofer Institut hervorgegangen ist, 14 Exponate aus dem Bereich Lernraum, Kunstwelt, Arbeitsplatz und Spielstation - virtuelle Welten als ganzheitliches Erlebnis, das alle Sinne anregt. Die Ausstellung ist für Kinder ab zehn Jahren geeignet und bietet Wissbegierigen eine aufregende Mischung aus Wissenschaft und Spaß, Technologie und Verzauberung.
Seit Januar gelten neue Öffnungszeiten und die Besichtigung ist nun auch ohne Voranmeldung möglich. Der Donnerstag lädt zum Besuch „after-work“ ein: Nach der Arbeit oder vor dem Kneipenabend werden um 17 und 19 Uhr Führungen angeboten, ebenso jeden Samstag um 15 und 17 Uhr. Zudem ist das Cybernarium seit dem 16. Januar jeden zweiten. Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr durchgehend geöffnet - ein ideales Ausflugsziel für die ganze Familie. Karten sind online unter http://www.cybernarium.de und an den Kartenvorverkaufsstellen der Region erhältlich.


Text und Fotos: Liane Probst-Simon

 

     

  
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