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Das Chamäleon-Theater in Seeheim-Jugenheim

Moderate Preise, lauschiger Festsaal, minimalistische Bühnenbilder und Wandlungsfähigkeit als Programm

Für Laientheater hält die Spielkunst eine gemeine Falle bereit. Theater, die sich an ernste Stücke wagen, scheitern oft an deren Anspruch. Können die Differenzierungen oder die gesellschaftskritische Aussage eines Stückes nicht auf die Bühne bringen. Bleiben die lustigen Stücke. Schwanks, Lustspiele, Komödien. Eine noch tiefere Falle. Denn lustig sein, will gelernt sein. Sonst wird es für die Zuschauer anstrengend. Warum sich dennoch fast jede Theatergruppe eines Turnvereins fast ausnahmslos an Lustspiele wagt, bleibt ein Rätsel.
Das „Chamäleon-Theater“ in Seeheim-Jugenheim fällt auf. Gleich mehrfach. Zum einen durch seinen extravaganten Spielort. Seine Heimat hat der Theaterverein nämlich im gerade frisch renovierten Festsaal des Jugenheimer Seniorenheims „Krone“ gefunden. Der ist fensterlos, bietet aber mit seinen Wandgestaltungen und seiner sehenswerten Glasdachkonstruktion viel fürs Auge. Und das „Chamäleon“ fällt auf, weil es eine große Bandbreite abdeckt. Lustiges kommt auf der „Chamäleon“-Bühne nicht bemüht daher, die Pointen stimmen, das Spiel der Darsteller ist nicht affektiert. Und ernsthaftere Inhalte werden so gespielt, dass man darin die Reflektion über das Stück erkennen kann. Auch das Mittelding zwischen beiden Ansprüchen hat das Theater drauf: Krimis im „Chamäleon“ sind ein Genuss und haben wegen ihrer hintersinnigen und selbstironischen Darbringung ihre treue Fangemeinde. Seinem Namen Ehre machen, das hat das Theater längst geschafft. Wandlungsfähig ist es und dabei doch immer erkennbar.
Liesel Naumann war einst Lehrerin. Ihr Rektor kam irgendwann auf sie zu und sagte: „Wir brauchen eine Theater AG.“ Naumann schluckte zunächst, erzählt sie heute amüsiert und machte sich an die Arbeit. Schnell gründeten die Mitglieder ihrer AG einen Theaterverein. 1995 war das. Ehemalige Schüler von Naumann sind heute nur noch wenige dabei. Schnell sprach sich an der Bergstraße der Ruf des „Chamäleon“ herum. Das Ensemble wuchs. Und hinterlies bis heute ein Problem: Es fehlen Männer. Junge vor allem. Naumann nimmt das, wie so vieles, nach außen gelassen. Sie ist die Regisseurin, auch die Seele des „Chamäleon.“ Und sie drückte damit dem Theaterverein ihren Stempel auf.
Auffallend auch: die sehr zurückhaltenden Bühnenbilder in dem lauschigen Festsaal. Minimalismus. Nichts lenkt von den Darstellern ab. Der Requisiteur widersteht dem Versuch, der Star sein zu wollen. Naumann, längst pensioniert, genießt ihren Intendantenstatus. „Ich bin mit völlig verschiedenen Leuten zusammen. Das genieße ich. Es gibt mir viel.“
Schon wenige Jahre nach der Gründung spielte das Ensemble Tennessee Williams’ „Glasmenagerie“. Bis heute eine der einfühlsamsten und zurückhaltendsten Darbietungen des Vereins. Stücke, beispielsweise von Brecht, Kishon und Neils Simons Klassiker „Ein ungleiches Paar“ folgten und hinterließen Eindruck an der Bergstraße. Die Besucher sind dem „Chamäleon“ treu. Fast 400 Bürger schreibt Naumann regelmäßig an und informiert sie vorab über das kommende Programm. Die Geste wird verstanden und gerne angenommen. Gespielt werden ein bis zwei Stücke pro Jahr, zusätzlich gibt es die Aufführungen der Kindergruppe. Die macht Naumann besonders Mut.  „Unser Nachwuchs.“
Die Stühle im Festsaal der „Krone“ stehen nicht in Reihen, sondern an Tischen. Wein, Nichtalkoholisches, Brezeln und Nüsse gibt es zum Trinken und Knabbern. Und irgendwie wird das Gefühl mitgeliefert, man sitze daheim unter Freunden und sehe Theater mit seinem unnachahmlichen Liveeffekt. Die Zugänglichkeit der Darsteller vor und nach dem Stück trägt zu diesem Eindruck viel bei.  
Zur Treue der Besucher tragen auch die sehr moderaten Preise von Naumanns Truppe bei. Höhere Ansätze seien bisher immer am Widerspruch des Ensembles gescheitert, verrät sie. 6 Euro im Vorverkauf - es gibt Theaterabteilungen von großen Spartenvereinen, die nehmen das Doppelte und liefern halbe Qualität. „Es geht uns finanziell gut. Warum sollten wir erhöhen. Wir müssen da nicht übertreiben“, sagt Naumann. 

Chamäleon-Theater, Spielort: Seniorenheim Krone, Festsaal, Hauptstraße 20 in Jugenheim. Telefon 06257 82453. www.chamaeleon-theater.com.  

Text: Jürgen Buxmann / Fotos: Chamäleon-Theater


                        

     

 

  
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