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Cabaret Paris

Witz, Satire und Ironie mit französischen Touch und viel Musik

Ziemlich genervt und hektisch klingt Liesbeth, wenn sie sich am gemeinsamen Telefon der Kleinkunstgruppe „Cabaret Paris“, des Kindertheaters „Tatüt“ und Theaters „Tour-bulent“ meldet. Da blickt ja keiner mehr durch – lamentiert sie. Kein Wunder, wie soll sie auch, Lisbeth ist schließlich nur die Putzfrau. Eigentlich noch nicht einmal das, sondern lediglich die Ansage auf dem Anrufbeantworter. Die Stimme gehört Yvonne Vogel. Putzfrau ist sie in dem schnuckeligen Häuschen in Fränkisch-Crumbach sicherlich auch, in erster Linie aber Chefin, Schauspielerin, Texterin und Sängerin der verschiedenen Ensembles.
Bereits als 14-Jährige stand die gebürtige Darmstädterin mit familiären Wurzeln im Odenwald auf der Bühne, die für manche – und auch für sie – die Welt bedeuten. Das Studium - unter anderem Fotografie, Fotodesign und Lateinamerikanismus – führte sie für einige Jahre nach Berlin, aber die Schauspielerei ließ sie nicht los. Sie belegte Kurse, lernte das Handwerk und folgte ihrer Berufung. Quer durch die Republik spielte sie in festen und freien Ensembles und war oft der Zeit voraus. Für die „Sieben Todsünden des Teufels“ entdeckte sie die wunderbare Kombination von Kultur, Essen und Trinken schon lange bevor man das „Panem et Circencis“ nannte. Auch schrieb sie Stücke, entwarf Kostüme und Masken, machte einfach alles rund ums Theater. Der logische Schluss aus dieser kreativen Vielseitigkeit, gepaart mit hohem künstlerischen Anspruch und dem Bestreben, ihren Kopf durchzusetzen: Ein eigenes Ensemble.
Das zeichnete sich 1989 ab, als sie Jens Horn kennen lernte. Sein Fach war die Musik. Der gebürtige Lüneburger legte in Darmstadt sein Abitur ab, blieb dort hängen, „studierte ein bisschen herum“ und machte Musik. Auf der Straße, in den siebziger Jahren, als Straßenmusiker noch einen ganz anderen Stellenwert hatten als heute und oftmals sogar von der Straße weg engagiert wurden. Jens erinnert sich noch gut an einen Haufen komischer Leute, die in Wiesbadens Innenstadt musizierten. Er hielt sie für eine christliche Sekte, aber es war die Kelly-Family.
Jens verdiente sein Geld nicht nur auf der Straße, sondern auch als gebuchter Unterhaltungsmusiker – und zog mit seiner Musik sogar durch Groß-Britannien, Irland, Frankreich und die Vereinigten Staaten. 15 Jahre spielte er zusammen mit seinem Bruder und anderen Musikern, bis die Gruppe Ende der Achtziger eine Sängerin suchte. Für den Swing der Zwanziger, die französischen Musette-Walzer und die Chansons – dafür fehlte den Herren einfach die Stimme. Die fand sich bei Yvonne. Zwar spricht sie kein Französisch, weiß dennoch, was sie singt, und Franzosen bescheinigten ihr gar schon einen Pariser Akzent. Natürlich blieb es nicht beim Singen, Yvonne baute Jens, mit dem sie damals nicht nur beruflich verbandelt war, musikalisch in ihre Stücke ein – und das Ganze wuchs zusammen zum „Cabaret Paris“. Das ist nun zwölf Jahre her. Den Musikern lag das Schauspielern nicht so sehr und von den ursprünglich sieben Leuten blieben schlussendlich drei übrig: Gitarrist Jens Horn, Akkordeonist Helmut Goll und natürlich Yvonne Vogel. Die Drei spielten auf Kleinkunstbühnen und bei privaten Events, vorwiegend in Südhessen und der Pfalz, aber auch in Berlin, München oder Dortmund – und lebten als WG gemeinsam in Fränkisch-Crumbach.
Vor einem Jahr stieg Helmut Goll der Liebe weg aus und zog in den hinteren Taunus. An seine Stelle im Ensemble trat Jochen Bernhardt. Jens traf ihn in der Crumbacher Kult-Disko Red Stone. Man kannte sich, Jens spielte schon auf Jochens Hochzeit. Man kam ins Gespräch – und Jochen zu „Cabaret Paris“.
Schon als Achtjähriger spielte der gebürtige Mannheimer, inzwischen mit Wohnsitz in Reichelsheim, Akkordeon. Eigentlich wollte er Musik studieren. „Aber als ich mich nach sechs Wochen immer noch an der gleichen Stelle verspielt habe, ließ ich es lieber“. Er wurde Bauingenieur. Die Musik blieb aber seine Leidenschaft, zum Akkordeon kam noch Trompete hinzu, inspiriert von Louis Armstrong. Bis er zu „Cabaret Paris“ wechselte, spielte Jochen in einer Big Band. Für ihn war und ist die Kunst allerdings Nebenberuf, während Yvonne und Jens sie in beiden Fällen seit nunmehr rund 30 Jahren hauptberuflich betreiben.
Das „Cabaret Paris“ begann ursprünglich fast rein französisch, ist inzwischen aber zu 98 Prozent in deutscher Sprache. Musette und Chansons spielen eine ebenso große Rolle wie die Schauspielerei. Da macht auch Jochen mit, „bereitwillig“ meint Yvonne, „gar nicht so gerne“ korrigiert Jochen. Er ist halt Musiker und in Frauenkleider schlüpfen nicht so sein Ding. Aber wer kann sich Yvonne schon widersetzen?
Sechs verschiedene Stücke hat „Cabaret Paris“ derzeit in Petto und ständig entsteht was Neues. Auch werden die Stücke - voller Witz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung - thematisch dem jeweiligen Anlass angepasst, sind als Bühnen-Aufführungen ebenso zu buchen wie als Diner-Theater in der Gastronomie oder als individuelle Privatveranstaltung für Familien- und Firmenfeiern.
Kindertheater ist eine weitere der zahlreichen Leidenschaften von Yvonne Vogel. Schon seit Jahren schreibt, inszeniert und spielt sie entsprechende Stücke. In der Vergangenheit waren das zum Beispiel „Kleiner Eisbär, nimm mich mit“, „Das Traumfresserchen“ und „Der kleine Wassermann“, die allesamt mit großem Erfolg liefen. Inzwischen erfüllt sich Yvonne diese Passion mit „Tatüt“, Theater in der Tüte, natürlich auch etwas Eigenes. Mitspieler ist Jürgen Hellmann, und Jens Horn macht die Musik dazu. Das neueste Stück, „Die Monsterprinzessin“ feiert am 1. Advent im „Kühlen Grund“ in Reinheim Premiere. Parallel dazu entsteht ein zweites Projekt, ein Vorlesetheater. Stücke für Erwachsene spielt das Theater „Tour-bulent“, bei dem ebenfalls Jürgen Hellmann und Jens Horn mitwirken, aber auch Gastdarsteller zum Zuge kommen. Das aktuellste Inszenierung: Das Zwei-Personen-Stück „Runter zum Fluss“.
Drei verschiedene Projekte und das ganze Drumherum wie Kostüme entwerfen, Masken bauen, Plakate malen und so weiter – über Arbeitsmangel kann sich Yvonne Vogel wahrlich nicht beklagen. Aber im Gegensatz zu Lisbeth überblickt die quirlige, kleine, vor Kreativität sprühende Person das Ganze auch – und was ihr nicht so liegt, wie das Herumtelefonieren, nimmt Jens ihr ab. Oder die Lisbeth...

Die aktuellen Stücke von „Cabaret Paris“:

Lieder-liches & Chanso-nettes

La Dolce Vita – Mamma, Mafia Maccheroni

Querböse

Moulin Rouge

Rosige Zeiten

Frauen lassen nix beim Alten

Alle Programme sind ebenso wie die neuen Tatüt-Kinderstücke buchbar. Infos und Kontakt: Tel. 06164 913873, www.cabaretparis.de, cabaret-paris@bigfoot.de

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  
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