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Chaostage in Frankfurt

         


Neuerungen im Waldstadion sorgen für chaotischen Bundesligastart – aber es soll besser werden

Alles andere als erfreulich war der Start der Eintracht in die erste Bundesliga. Nach einem guten Auftakt und der 1:0-Führung ließ sich die Diva vom Main vom Bayer-Team aus Leverkusen regelrecht überrollen und fing vier Gegentore. Aber: Aller Anfang ist schwer und es bleiben noch reichlich Spieltage, um die Bundesligatauglichkeit der jungen Frannkfurter Mannschaft unter Beweis zu stellen. Niederlagen ihres Vereins sind die Frankfurter Fans, vor allem jene, die die Mannschaft auch durch die zweite Liga begleiteten, gewohnt. So sorgte das Spiel selbst für wenig Aufregung, umso mehr das Drumherum.
Denn: Mit der Bundesligatauglichkeit hatten sowohl die Eintracht AG als auch der Stadionbetreiber ihrer Schwierigkeiten. Es begann mit den Dauerkarten, von denen schlussendlich fast die doppelte Anzahl des Vorjahres verkauft wurden. Allerdings begann der Verkauf erst im Juli, obwohl bereits spätestens am 22. Mai absehbar war, dass eine große Nachfrage zu erwarten ist. Aber die AG ließ sich Zeit, machte erst mal Urlaub – und dann kam wohl alles ganz plötzlich. Zumindest das erste Spiel, nicht aber die Dauerkarten. In der Woche vor dem Ligastart wurden die ersten ausgeliefert und bei weitem nicht alle Fans hatten ihr Kärtchen zum Spiel auch tatsächlich in der Hand. Einige Provisorien wurden verschickt oder konnten am Tag des Spieles abgeholt werden - die Dauerkarte gibt es irgendwann später. Die Saison ist ja noch lang und immerhin: Der Einlass durch die neuen Drehkreuze funktionierte halbwegs. Auch das geschlossenen Dach der Arena funktionierte, aber es regnete j auch nicht.
Was überhaupt nicht funktionierte, zumindest nicht zufriedenstellend, ist ein anderes Kärtchen, ohne das der Fußballfan nicht mehr auskommt: Die Pay-Clever-Karte. Ob im Stadion oder davor – Äppler, Bier, Bratwurst und selbst eine Bretzel gibt es nur gegen Plastikgeld, Bares wird nicht mehr angenommen. Also muss der hungrige und durstige Fan sich erst mal anstellen, um Euros gegen Plastik zu tauschen, und dann noch einmal, um seine eigentlichen Bedürfnisse zu stillen. Die Halbzeitpause wurde deswegen allerdings nicht verlängert. Um dem erwarteten Chaos ein wenig vorzubauen, erhielten Dauerkartenbesitzer per Post eine so genannte Premiumkarte mit dem Wert von fünf Euro. Nicht alle Fans, nur ein Teil. Und nicht alle Karten funktionierten, manche erwiesen sich auch als leer.
Das konnte allerdings auch mit den regulär gekauften Karten passieren, deren Guthaben zwischen Kartenausgabe- beziehungsweise Aufladestelle und Imbissstand auf wundersame Weise verschwand. Manchmal war der Betrag an einem anderen Imbiss auf ebenso wundersame Weise wieder da. Auf jeden Fall hatte der speziell eingerichtete „TroubleCenter“ alle Hände voll zu tun und dabei noch Glück, dass nicht jeder, der ihn suchte, ihn auch fand. Aber selbst wenn alles klappte, verging einigen am Imbiss der Appetit und Durst angesichts der Preise, 3,50 Euro für ein Bier, einen Äppler oder eine Bratwurst. Getränke gibt es neuerdings im flutschigen Knautschbecher zum Wegwerfen. Auf das bewährte Pfandsystem mit den wieder verwertbaren Bechern wurde verzichtet, hätte die wohl das neue Kartensystem hoffnungslos überfordert. Berge von Müll sind das Ergebnis.
Die gab es schon in der Woche zuvor, als sich bei der Saisoneröffnungsfeier 10.000 Eintracht-Fans auf die Bundesligasaison einstimmten. Auch hier zeigte sich bereits die Überforderung der Gastgeber: Der Fan-Shop hatte geöffnet und ganze zwei Fan-Mobile standen bereit – mit langen Schlangen davor. Nicht minder reichhaltig das kulinarische Angebot für die 10.000 - drei Tränken und zwei Grillbuden. Auch hier war Schlangestehen angesagt. Aber erst, wenn man Bargeld in ein Plastikkärtchen umgetauscht hat – denn die Pay-Clever-Karte hatte an diesem Tag ihren Probelauf. Schon an diesem Tag führte das neue Kartensystem zu einigen Unstimmigkeiten und Diskussionen, zum Teil sogar unter Beteiligung der Polizei.
Die 10.000 Gäste der Saisoneröffnung kamen übrigens ebenso wenig unerwartet wie der Bundesligastart, aber sowohl Stadionbetreiber als auch die Eintracht AG schienen darauf nicht wirklich vorbereitet.
Gut vorbereitet erwiesen sich hingegen die Fans, auch auf die Tatsache, dass selbst am Fantreffpunkt Gleisdreieck inzwischen der Stadioncaterer mit seinen hohen Preisen und das Plastikgeld regieren. Bis zu vergangenen Saison standen dort, und das seit Jahrzehnten, Imbissbuden privater Betreiber, mit einem guten Angebot zu anständigen Preisen. Das war nun vorbei. Die Fans setzten auf Selbstversorgung aus dem Kofferraum – vom Bierfass bis zum Grill hatten sie alles dabei. Die teuren Würste und Getränke blieben unverkauft.
Zum zweiten Heimspiel hatte sich das Bild wieder gewandelt, der alte Imbiss – seit 34 Jahren an dieser Stelle eine Institution – war wieder da. Die Unterschriftenaktion der Fans im Frühjahr hat offensichtlich etwas bewirkt. Es scheint, als habe der Fußball ein wenig über den Kommerz gesiegt, zumindest außerhalb des Waldstadions.
Ebenfalls erfreulich: Die Eintracht Frankfurt Fußball AG entschuldigte sich bereits am nächsten Tag öffentlich bei den Fans für die organisatorischen Mängel beim Auftaktspiel und gelobte Besserung.

Pay-Clever-Karte
Clever ist das Teil schon, und rentabel – zumindest für den Stadionbetreiber. Der Fußballgast erhält sie gegen einen Betrag von zehn bis 150 Euro. Dieser Betrag wird auf der Karte gutgeschrieben, abzüglich zwei Euro Pfand, die man, ebenso wie den verbliebenen Restbetrag, wieder zurückbekommt, wenn man die Karte abgibt. Wozu man sich jedoch abermals in einer Schlange anstellen muss. Viele verzichten darauf und behalten die Karte. Mit verschiedenen Motiven ist sie zudem gleich als Sammlerobjekt ausgelegt.
Rechnet man die zwei Euro Kartenpfand und den noch nicht abgetrunkenen Restbetrag auf der Karte – bei über 40.000 Besuchern kommt da ein ganz beachtliches Sümmchen zusammen, ein zinsloses Darlehen quasi, für den Stadionbetreiber. Hinzu kommt, dass man der Karte ihr Guthaben nicht ansieht und der angezeigte Betrag auf den Lade- und Lesgeräte für den Kartenbesitzer nur in seltenen Fällen einsehbar ist. Hier muss auf Vertrauen in das Gegenüber gesetzt werden, was angesichts des herrschenden Karten-Chaos nicht so einfach ist.
Das Kartensystem läuft übrigens auch schon in anderen (WM-)Stadien. Wer also auch fleißig Auswärtsspiele besucht, dürfte bald ein nettes Sammelsurium am Plastikkärtchen zusammen haben. Der tiefe Sinn der Sache: Reines Kommerzdenken der Stadionbetreiber.

Attila, das neue Maskottchen der Eintracht
Der Adler ist seit über 100 Jahren Wappentier der Eintracht und seit dieser Saison gibt es davon auch eine lebendige Variante. Der Bundesligist übernahm die Patenschaft für Attila, einen knapp zweijährigen Steinadler.
Bei Attila handelt es sich nicht um einen gebürtigen Frankfurter, er dreht im nahen Hanau, im dortigen Wildpark, seine Runden. Live im Stadion wird er das allerdings nicht tun, seine Flugkünste sind ausschließlich auf dem Videowürfel zu beobachten.

 

   

 

  
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