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Ausbruchsversuche in Pastell und Öl

Branko Stahls Werke setzen sich mit inneren Konflikten und gesellschaftlichen Abgründen auseinander

„Wenn wir immer weiterwursteln wie bisher, dann führt das in eine Sackgasse. Es ist wichtig, Schranken einzureißen und seiner Intuition zu folgen“. Ausbrechen, Hin- und hergerissen-Sein, Hinterfragen - was den Maler und Bildhauer Branko Stahl (42) aus Seeheim-Jugenheim bewegt, spiegelt sich in seinen Werken wieder. Die Konflikte, die sich in seinen Bildern, Collagen und Installationen abspielen, sind zugleich Teil seiner Biografie. Denn bis vor wenigen Jahren war Stahl als promovierter Physiker in der Materialforschung tätig. Mit diesem Lebensentwurf hat er bis auf einzelne Projekte abgeschlossen und ein völlig anderes Leben als Künstler begonnen. Für Stahl ist dies kein biografischer Bruch. „Es ist ein Schritt.“
Meist sind es abstrakte Köpfe und Gesichter, die in farbigen Wirren und Verwirrungen gefangen scheinen, aus denen sie sich mühsam herausschälen. Stahls Bilder aus Öl und Aquarell erzeugen Tiefe, lassen Leinwände zu Räumen werden. Formen und Figuren scheinen nicht auf der Leinwand, sondern in ihr platziert zu sein.
So wie die Figur auf einem von Stahls frühen Bildern im Großformat. In einem aussichtslosen Kampf scheint sich der Körper gegen eine unsichtbare Kraft zu wehren. Teilweise ist der Korpus mit dem vereint, was er bekämpft, dringt heraus und weicht gleichzeitig zurück. „Genau das fühlte ich während meiner Studienzeit. Damals war ich unsicher, ob ich den richtigen Weg einschlage. Jahre später fiel mir auf, dass das Bild mein damaliges Seelenleben zeigt“, sagt Stahl. Er schüttelt den Kopf. „ich bin oft überrascht, was ich kreiere. Es geschieht alles aus Intuition.“
Ein Smalltalk mit Branko Stahl ist schwer vorstellbar. Er geht im Gespräch in die Tiefe, ist aufmerksam und verbindlich. Schnell wird aus einem Thema eine philosophische Fragestellung, der Stahl auf den Grund gehen will. Seine Sensitivität für Menschen, Natur und Umwelt sei im Alltag manchmal „schwer zu verkraften“. Für seine Arbeit ist es zweifellos eine Stärke.
Der gebürtige Saarländer kommt aus einer Künstlerfamilie. Vater Erich war Maler und Kupferstecher, Stahls Ur-Opa Jean-Baptiste war Designer der Porzellanmanufaktur Villeroy & Boch.
Als Kind hat Branko Stahl Plastiken aus Gips angefertigt, doch erst vor wenigen Jahren sein Talent zum Beruf gemacht, „weil ich dachte, das Streben in eine Richtung sei normal. Doch dieses Kästchendenken entspricht gar nicht der Natur. Unser Wesen geht weit darüber hinaus und unser Verstand hechelt dieser Erkenntnis hinterher wie ein Hund ohne Kondition.“
Stahl bezeichnet sich selbst als „Grenzgänger“. „Sogar das Geschirr steht bei uns nahe am Abgrund“, sagt er lächelnd mit Blick auf seine Teetasse, die bedrohlich dicht an der Tischkante steht. Obwohl die Wohnung von Stahl und seiner Lebensgefährtin zugleich Atelier und Aufbewahrungsort der vielen hundert Werke ist, strahlen die liebevoll eingerichteten hellen Räume Gemütlichkeit und Harmonie aus. Die Düsterheit vieler Bilder wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Denn Stahl benutzt freundliche Farben in Pastelltönen, seine Muster, Mobilés und Scherenschnitte wirken filigran und zerbrechlich. Die Aussage der Werke ist oft das Gegenteil, Titel wie „Dem Erfinder des intelligenten Waffensystems gewidmet. Und seinem Auftraggeber“ machen nachdenklich und öffnen den Blick für die zarten Details. Bei einigen Ausstellungen hat Stahl bereits seine Werke präsentiert, darunter in der Galerie „Eigenart“ in Heppenheim.
Josef Beuys und Francis Bacon nennt Stahl als Vorbilder. Vor allem Beuys sei wichtig für die Kunst, „Denn er hat uns Respekt vor einer Fettecke gelehrt“.
Was Kunst ist und wer sich Künstler nennen darf, darauf hat Stahl eine klare Antwort. „Alle Menschen sind Künstler. Die Kunst ist ein Teil unseres Wesens.“ Stahl verurteilt die Klassifizierung in „gute“ und „schlechte“ Kunst ebenso wie von Eitelkeit geprägte Hierarchien. „Wir sind in erster Linie alle Menschen. Titel und Auszeichnungen schaffen nur Barrieren“. Ein Grund, warum er weder Wert auf seinen Doktorgrad legt noch ihn als Namenszusatz trägt.
Ab und zu wirke er noch an Forschungsprojekten mit, sagt er beiläufig. Dass es sich bei einem Auftrag um die in der Fachpresse als „bahnbrechend“ bezeichnete Entwicklung eines Tsunami-Frühwarnsystems mit Hilfe von Magnetfeldern handelt, verschweigt Stahl bescheiden.
Dem Material seiner Werke begegnet der Künstler mit Hochachtung. „Die Strukturen in dem Holz sind über Jahre gewachsen. Manche haben sich erst beim Bearbeiten offenbart“, sagt er und streicht über eine meterhohe Holzplastik. Den Stamm hat er gefunden und vor Verrottung gerettet. Denn Zerstörung ist Stahls Sache nicht. Eine ökologische Lebensweise, Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen und nicht zuletzt seine Werke sind Ausdruck des Strebens nach einer besseren Welt. „Mir geht es gut, wenn es meiner Umwelt gut geht“.

Kontakt und Infos zu Branko Stahl gibt es im Internet unter www.kuuunst.de

Sabine Eisenmann

 

     

 

  
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