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„Ich hätt da gern emal e Problem“

Bodo Bach wird für seinen herrlich hessischen Humor mit einem Narren-Orden ausgezeichnet

Bernstein. So lautete Bodo Bachs Antwort auf die erste Frage der Pilotsendung mit Promi-Besetzung vom „Hessenquiz“ im Hessenfernsehen. Zu erraten galt, welchem Material ein bundesweit einzigartiges Museum in der Odenwälder Kreisstadt Erbach gewidmet ist. Der Rest im Rateteam wusste es auch nicht besser. Elfenbein wäre richtig gewesen, aber Elefanten und Odenwald passten für Bodo Bach nicht zusammen. Inzwischen weiß er es besser, denn unmittelbar nach der Aufzeichnung der Sendung hatte er ein Gastspiel in Erbach, in der Festhalle, in der auch genau jenes Museum untergebracht ist.
Und er wird es auch nicht mehr vergessen – dafür sorgt Anfang Januar der Carnevalverein Ulk Erbach. Denn Bodo Bach wird mit dem „Lachenden Lorbser“ ausgezeichnet, einem Mammut-Elfenbein-Orden, den die Erbacher Narren alljährlich an Personen verleiht, die sich um den Humor verdient gemacht haben. „Bodo Bach ist so herrlich hessisch“, begründet der Ulker-Vorsitzende Willy Schmidt die diesjährige Entscheidung und der neue Ordensträger reiht sich nun ein in die Riese seine namhaften Vorgänger. Darunter befinden sich Kollegen wie Maddin Schneider, Fastnachtsgrößen wie Margit Sponheimer, TV-Prominenz wie Heinz Schenk, aber auch hessische Ministerpräsidenten wie Hans Eichel und Roland Koch.
Bodo Bach heißt eigentlich Robert Treutel und kam am 25. Oktober 1957 in einem Frankfurter Krankenhaus zur Welt. Nach dem Abitur studierte er an Johann-Wolfgang-von-Goethe-Univesität seiner Heimatstadt – und jobbte nebenbei beim Hessischen Rundfunk. Als Kabelhilfe, Fahrer und Aufnahmeassistent. Er kopierte also Drehpläne, sperrte Straßen ab und kochte Kaffee. Das machte ihm so viel Spaß, dass er das Studium nach neun Semestern an den Nagel hängte.
Anfang der Achtziger zog es den Hessen nach Köln, er wurde Aufnahmeleiter im WWF-Club, damals eine erfolgreiche Vorabendsendung. Weitere Fernseh- und Radioaufträge beim WDR folgten, bis 1989 der hessische Privatsender Hit Radio FFH landesweit an den Start ging. Dort stieg Robert Treutel als Moderator ein – und war damals einer der wenigen, der sowohl für einen privaten als auch für öffentlich-rechtliche Sender arbeiteten.
Aus einer Laune heraus telefonierte der Moderator mit dem Hilton Hotel in Tokio und versuchte mit dem genervten Angestellten japanisch zu sprechen. Den Hörern gefiel es. Treutel bestellte im Gasthaus Tische, brachte Pizzabäcker um den Verstand und versuchte bei Autovermietungen „heiße Öfen“ für Querfeldein-Rennen zu buchen. Sein“ Ich hätt da gern emal e Problem“ wurde zum geflügelten Wort – Bodo Bach war geboren.
Schon zwei Jahre später erschien die erste CD „Au Weia!“, fünf weitere folgten. Ebenso die Nominierung für den deutschen Schallplattenpreis Echo und die erste eigene Telefonshow auf Sat 1 „Bodo Bach – Bei Anruf Lachen“. Ob in Ottis Schlachthof, den WDR Mitternachtsspitzen, der Wochenshow, bei Harald Schmidt, der NDR-Talkshow oder Gottschalks „Wetten dass?“ – Bodo Bach eroberte die Mattscheibe. Ihn aber zog es auf die Bühne und 2002 ging er mit seinem ersten Solo-Programm aus Telefon- und Stand Up Comedy „Bodo Bach – Aus em Häuschen“ bundesweit auf Tournee.
Inzwischen ist Bodo Bach mit „Grinskram“ auf seiner „Welttournee durch Deutschland“, ein Programm aus Stand Up Comedy und Telefonanrufen, bei denen Bodo am anderen Ende der Leitung für Ärger und Verwirrung sorgt. Denn Bodo ist einer, der sich selbst nicht leiden kann und weil ihm das so gut gefällt, ist er eigentlich immer gut drauf. Gesunde Ernährung und Fitness Studios mag er nicht, Navigationssysteme hält er für unausgereift, Mittelspurschleicher nerven ihn, die Fliegerei ist überhaupt nicht sein Ding und die Gesundheitsreform hätte Frau Schmidt seinetwegen schon gar nicht an den Start bringen müssen.
Doch etwas gibt es doch im Leben des Bodo Bach, was er mag. Seinen Mischlingshund Max. Der hat ihm ein Stück Freiheit wieder gegeben, das er längst verloren glaubte. Schließlich trifft er auch beim Gassi gehen auf eine Menge Leute, die er nicht mag und schon hat er wieder seinen Spaß.
Und dann hat er da ja noch sein Telefon. Wenn Bodo will, dass es ihm so richtig gut geht, dann greift er zum Hörer, will den Peter sprechen, überraschten Ehefrauen Erotikartikel zusenden oder von der NASA ein paar richtig gute Tipps für seine Feuerwerksraketen ergattern. Obendrein hat er sich seine Ehefrau Gerda hinzugedacht, mit der er seinen nicht minder fiktiven Sohn Rüdiger aufs Leben vorbereitet. Allerdings wird der Bub schon seit über zehn Jahren bald 38, ist immer noch unbeweibt, obwohl Papa sich regelmäßig bemüht, Singles für Rüdiger klar zu machen, telefonisch natürlich.
Bodo Bach ist eher der Mann fürs Kleine, der sich aber auch den großen Themen widmet, indem er sie auf sein Niveau herunter schwadroniert. Gelegentlich geht sein Spaß schon mal auf Kosten anderer, ohne jedoch gemein zu sein. Bodo Bach ist unverfroren, spontan und neugierig. Er kommt den Leuten frech, aber dafür immer auf den Punkt.
Auch im Fernsehen ist er nach wie vor zu sehen, hin und wieder beim WDR, regelmäßig beim HR. Mittwochs um 22.15 Uhr bei „Herrn Cappelluti“ und seinen Straßenstars. Dort sitzt Bodo Bach mit im Rateteam und liefert sich regelmäßig mit dem Moderator einen launigen, verbalen Schlagabtausch, nie verletzten, selten bösartig, aber immer unterhaltsam.
So ist er halt, der Bodo Bach, beziehungsweise der Robert Treutel, und dafür bekommt er Anfang Januar von den Erbacher Narren den Mammut-Elfenbeinorden um den Hals gehängt. Bedanken wird er sich dafür auf seine typische Art, ungefähr so: „Sie mache alle ein sehr korpulente Eindruck. Ich bedank mich für die Müh, wo ich Ihne gemacht hab, wünsch noch einen schöne Lebensabend un verabscheu mich“.

Bodo auf der Leinwand

Im Sommer 2006 ist Bodo Bach auch auf der Kinoleinwand zu sehen. Er wirkte bei dem Low/No-Budget.Streifen „Stockflame“ mit, führt darin einen köstlichen Dialog mit dem Tod und bezeichnet selbigen als „Babbsack“. Sobald es wärmer wird, geht der Film mit Comedy-Rahmenprogramm auf Open-Air-Tour durch Südhessen – mit etwas Glück gibt es Bodo dann also Live und auf Leinwand.

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