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Der unveröffentlichte Qwertz und die schwarze Romantik

Axel Hoffmann – Träumer, Stadionsprecher, Taxifahrer und Poet

Es gibt Bücher, die die Welt nicht braucht, die jedoch fein gebunden in den Regalen der Buchläden stehen. Man denke dabei nur an die Biografien gewisser Herren B... Und dann gibt es Geschichten, die die Welt wirklich bereichern, die aber leider (noch) nicht in Buchform erhältlich sind. Früher lagen diese Manuskripte eingestaubt in irgendwelchen Schubladen, heute in digitaler Form auf den Festplatten irgendwelcher Computer.
Wie zum Beispiel der Qwertz – ein interaktives Schelmenstück zum Thema Narrenliebe. Geschrieben hat es Axel Hoffmann bereits im Winter 2001/2002. Seitdem liegt es als 150-seitige PDF vor, von der allerdings kaum jemand etwas weiß. Als es nun einem guten Kumpel des Autors wieder in die Hände fiel, machte dieser im Eintrachtforum auf den Qwertz aufmerksam – worauf dieser ganz schnell zahlreiche neue Freunde gewann.
Dem Uneingeweihten stellt sich nun die Frage: Was ist ein Qwertz? Ganz Schlaue kommen schnell darauf, dass es sich dabei um die ersten sechs Buchstaben links auf der oberen Reihe der Tastatur handelt. In diesem Fall ist Qwertz ist der Nickname eines Mannes, Ende 30, unverheiratet, kinderlos und chronisch pleite. Aber noch voller Träume, an die er auch noch glaubt. So glaubt er auch noch daran, dass eine Frau sein Leben bereichern könnte, obwohl sie seiner Fußball-Leidenschaft möglicherweise entgegenstünde. Ja, der Qwertz ist Fußballfan, genauer Fan von Eintracht Frankfurt. Aber vorrangig geht es um Frauen. Diese trifft der Qwertz nicht in den Kneipen seiner Heimatstadt Frankfurt, sondern im Internet, in einer digitalen Kontaktbörse. Diese ausgesprochen unterhaltsamen Begegnungen schildert der Qwertz, seziert sie förmlich – und gibt dem Leser damit einen Leitfaden, eine Gebrauchsanweisung fürs digitale Anbandeln in die Hand. Er kommuniziert mit dem Leser direkt, so von Autor zum potentiellen Buchkäufer, gibt Musik- und Kino-Tipps, strickt Gedichte ein, philosophiert über die Welt und natürlich über die Frauen. Und leidet mit der Eintracht, die damals nicht gerade ihre beste Saison spielte. Und das alles so fesselnd unterhaltsam, dass man die ausgedruckte PDF erst nach der 150. Seite wieder aus den Händen legt.
Der Qwertz ist nicht unbedingt ein typisches Werk von Axel Hoffmann. Der Autor, geboren im verregneten Oktober 1964, lebt, träumt und arbeitet in Frankfurt am Main. Und ist Eintrachtfan, unverheiratet, kinderlos... Ja, der Qwertz trägt deutlich autobiografische Züge. Angefangen mit dem Schreiben hat Axel Hoffmann als Jugendlicher, seine ersten Werke waren Gedichte. Später studierte er eine Weile Germanistik, aber kam dabei nicht mehr zum Schreiben. Das Studium wurde geknickt zu Gunsten der Literatur. Es entstanden Gedichte und Geschichten, voller Wehmut und Sehnsucht, jenseits okkulter Mystik, eine Schönheit der Traurigkeit, die nicht in Gefühlskitsch abgleitet. Drei Erzählungen und ein Gedichtband lägen vor, wenn sich schon ein Verlag gefunden hätte.
Axel Hoffmann hat es versucht, seine Arbeiten an den Verlag und damit in den Druck zu bringen. Aber nie wirklich engagiert, wie er selbst einräumt – sich selbst zu verkaufen ist nicht sein Ding. Und da der „arme Poet“ auch von etwas leben muss, arbeitete er als Kulissenbauer, richtete Büros ein, drehte zwischendurch mal einen Film, gewann 1999 den dritten Frankfurter Poetry-Slam, veranstaltete Open-Air-Kino – oder fährt Taxi. Damit hält er sich auch jetzt noch finanziell über Wasser. Ein weiterer Nebenjob als Stadionsprecher der Eintracht-Amateure macht ihm zwar riesigen Spaß, aber bringt außerdem nicht viel. Gerne würde er schreiben, statt Fahrgäste durch Frankfurts Berufsverkehr zu chauffieren – aber auch arme Poeten müssen schließlich von irgendwas leben.
Das digitale Zeitalter macht es glücklicherweise möglich, auch ungedruckte Bücher zu lesen. Leseproben sind auf Axel Hoffmanns Internetseite zu finden und auf Wunsch (und gegen eine kleine Unkostenvergütung) gibt es auch das gesamte Werk als PDF via Mail. Und wer es nicht am Computer lesen will, kann es sich – da in schwarz-weiß – ganz schnell ausdrucken. Die Schwarze Romantik, ob in Versen oder Erzählungen ist sicher etwas speziell, für Romantiker eben. Aber der Qwertz ist völlig unromantisch, jeder – nicht nur Männer und Fußballfans – erkennt sich darin wieder. Dieser verrückte Kerl auf der Suche nach der besseren Hälfte scheint so verrückt gar nicht zu sein, eigentlich ist er erfrischend normal, ehrlich und direkt. Ein Qwertz eben...

Kontakt zu Axel Hoffmann ist über seine Literaturseite http://schwarzeromantik.de möglich, dort sind auch seine Leseproben abrufbar.

 

 

 

 

 

 

     

 

  
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