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Von Pitchern, Battern und Homeruns

Baseball ist gar nicht so kompliziert, aber sehr unterhaltsam

Selbst Sportbegeisterte kommen bei Begriffen wie Pitcher, Batter, Strike, Flyout oder Inning ins Grübeln – außer sie begeistern sich für Baseball, die drittgrößte Sportart der Welt, im amerikanischen und asiatisch-pazifischen Raum sogar Nationalsport. In Europa erlebte Baseball in den vergangenen Jahren einen wahren Boom, Spitzenverbände sind hier die Niederlande und Italien. Aber auch in Deutschland ist ein rapider Zuwachs zu verzeichnen, ein Anstieg von 1000 Aktiven im Jahr 1987 auf inzwischen rund 30.000. Die meisten deutschen Clubs befinden sich in Garnisonsstädten, in denen amerikanischen Streitkräfte beheimatet waren. In der Odenwälder Kreisstadt Erbach gab es zwar nie eine amerikanische Kaserne, mit den Grasshoppers jedoch eine der erfolgreichsten Mannschaften Hessens.

Begonnen hat alles Ende des Jahres 1986: 17 junge Menschen im Alter zwischen 17 und 22 Jahren verspürten aus verschiedenen Gründen keine Lust mehr, Sport in den traditionellen Vereinen zu betreiben und wollten etwas Eigenständiges machen. Einer davon war Oliver Hezel, auch heute noch Vorsitzender der Grasshoppers: „Sportliche Aspekte zählten für uns weniger, Spaß wollten wir haben und mitmachen durfte nur, wer wirklich cool drauf war“. Baseball hatten sie über ein Schnuppertraining bei den Darmstadt Rockets kennen gelernt, die ersten wichtigen Tipps und Kniffe dieser Sportart brachte ihnen der kanadische Highschool-Lehrer Jon Cowans bei - und schnell war auch der sportliche Ehrgeiz geweckt.

Doch mit der ersten Saison tauchte auch gleich ein großes Problem auf, nämlich die Frage: „Wo sollen wir spielen?“. Da kein Platz zur Verfügung stand, trugen die Grasshoppers ihre ersten Heimspiele kurzerhand auf dem Platz der jeweiligen Gegner aus. Aber das ist Vergangenheit, denn die Grasshoppers verfügen längst über einen Platz, auf dem alles zu finden ist, was das Baseball-Herz begehrt. Die Stadt stellte das Gelände zur Verfügung und mit Eigenmitteln und viel Arbeit wurde daraus ein perfekter Baseballplatz. Das Infield verfügt über Asche-Runlines sowie einen Pitchers-Mound. Die Bases sind in Boden fest verankert, auch das Pitcherrubber und die Homeplate sind fest eingebaut sind. Hinter der Homeplate ragt der Backstop mit sechs Meter Höhe und 20 Meter Länge über das Feld. Dahinter bietet eine kleine Tribüne rund 45 Zuschauern Platz, die den aktuellen Spielstand auf der im Outfield befindlichen, elektronischen Anzeigentafel verfolgen können. Zum Platz gehört auch der „Turm“, ein ausgedienter, umgebauter Reiter-Richterturm. Während im Obergeschoß der Scorer die Anzeigetafel bedient, werden im Untergeschoß kleine Snacks oder diverse Drinks zu günstigen Preisen angeboten. Direkt neben dem Platz finden die Spieler im vereinseigenen Battingcage hervorragende Trainingsbedingungen an der Pitchingmaschine.

Bevor diese optimalen Verhältnisse geschaffen waren, hatte die Grasshoppers zahlreiche Höhen und Tiefen zu durchwandern. Sie mussten hart um Akzeptanz kämpfen, denn die meisten ihrer Mitbürger hielten das sportliche Engagement für eine vorübergehende Laune. Inzwischen haben sich die Grasshoppers längst in der Regional-Liga Süd-West, der dritthöchsten deutschen  Spielklasse, etabliert. Trainiert werden sie seit einigen Jahren von amerikanischen Profis, die den Odenwälder nicht nur das nötige Know how, sondern auch den amerikanischen Ernst an der Sache nahe bringen. Mit Stefan „Hacki“ Hoffmann haben die Grasshoppers zudem ein aktives Mitglied, das auch hauptberuflich mit Baseball zu tun hat, als Direktor für Sport- und Vereinsentwicklung beim Deutschen Baseball-Verband (DBV).

Baseball ist eine reine Sommersportart und Saisonstart ist im April. Ein Spieltag beginnt am frühen Nachmittag und endet gegen Abend. Das heißt aber keinesfalls mehrere Stunden nervenaufreibende Action am Stück. Spannend wird es erst, wenn der Schlagmann (Batter) allein im Duell mit dem gegnerischen Werfer (Pitcher) und dessen Team steht. Der Pitcher muss den Ball aus 18,44 Meter Entfernung in die Strikezone, 43 Zentimeter zwischen Knie und Oberkörpermitte des Batters werfen, ohne dass dieser den Ball schlagen kann. Gelingt dies drei Mal, ist der Batter aus und der nächste Schlagmann des Teams kommt an die Reihe. Schlägt der Batter den Ball jedoch, wird er zum Läufer – und im besten Fall schafft er einen Home-Run. Klingt alles sehr kompliziert, aber die Grundregeln beim Baseball sind eigentlich ganz einfach und ähneln in gewisser Weise denen der deutschen Schulsportart Brennball. Die Spieler müssen gekennzeichnete Male (Bases) anlaufen und wieder an den Ausgangspunkt (Homeplate) zurückkommen, um einen Punkt (Run) zu erzielen. In das Gesamtregelwerk des Baseball haben die Amerikaner doch reichlich Feinheiten verankert – aber interessierte Zuschauer finden bei den Grasshoppers ausreichend fachkundige Ansprechpartner, die diese erklären können.

Gespielt werden grundsätzlich Doubleheaders, also zwei Spiele hintereinander gegen dieselbe Mannschaft. Dies wurde vom Verband so festgelegt, damit die Spieler mehr Praxis bekommen. Ein Spiel geht in der Regionalliga über sieben Innings, also sieben Wechsel der Mannschaften vom Angreifer zum Verteidiger, und währt in der Regel zweieinhalb bis drei Stunden. Fünf bis sechs Stunden müssen die Zuschauer also einkalkulieren, wenn sie dem gesamten Spielablauf folgen wollen. Aber beim Baseball wird was alles lockerer gesehen, jeder kommt und geht wann er will. Bis auf die Spieler natürlich – und den Scorer auf dem Turm. Er bedient die Anzeigentafel und führt den Spielbericht. Und dieser ist ebenso akribisch und umfangreich wie das amerikanische Gesamtregelwerk des Baseball.

Also nur wenn der Pitcher wirft und der Batter schlägt, wird es hektisch. Ansonsten gibt es zwischendrin viel Leerlauf, was die ganze Sache so gemütlich und stressfrei macht. Am Spielfeldrand springen Kinder herum, ehemalige Spieler kommen mit ihren Familien vorbei, es wird getrunken, gegessen und geredet, über Baseball und was sonst noch interessiert.

Keine Ahnung von Baseball? Das macht nichts, die Vokabeln sind ebenso wie die Regeln leicht zu lernen. Außerdem geben die Grasshoppers und ihre sachkundigen Fans gerne Auskunft. Mehr über diesen jungen, sympathischen Verein, inklusive Baseballregeln und Vokabeln, ist im Internet unter www.grasshoppers.de zu erfahren.

Aus dem Outback-Gebiet spielen noch die Darmstadt Rockets und Mainz Athletics II in der Regional-Liga Süd-West. Die zweite Mannschaft der Grasshoppers spielt in der Landesliga und tritt unter anderem gegen die Babenhauses Blue Devils, die Aschaffenburg Mohawks, Frankfurt 1860 II und die Hanau Blackwings an.

 

     

 

  
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