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St. Tropez am Baggersee – oder im Schwimmbad

Badevergnügen im Outback, auch ohne direkten Zugang zum Meer

Die Hessen sind umzingelt von lauter Deutschen und haben keinen direkten Zugang zum Meer. So benannte einst der Kabarettist Mattias Beltz die großen Nachteile Hessens. Der fehlende Zugang zum Meer ist sicherlich besonders im Sommer der schwerwiegendere Nachteil und betrifft auch die nicht-hessischen Nachbarn. Die Flüsse Rhein, Main und Necker, die das Outback gewissermaßen umfließen, werden nur von Hartgesottenen zum Baden genutzt. Der Rest bevorzugt Schwimmbäder oder die chlorfreie Variante der Badeseen.

Der Marbach-Stausee in Mossautal, ein Hochwasser-Rückhaltebecken am Unterlauf der Marbach, ist der größte See des Odenwaldes. Die Dauerstaufläche beträgt 22 Hektar; in gefülltem Zustand wird eine Wasserfläche von 49 Hektar erreicht. Bei schönem Wetter ist der See ein idealer Platz zum Sonnen, Segeln, Surfen und Paddeln. Geschwommen wird im See natürlich auch, obwohl er offiziell nicht als Badesee gilt. Die Wasserqualität ist meist in Ordnung, der Grund und Ufer allerdings oft morastig. Idyllisch ist die waldreiche Umgebung. Um den See führt ein drei Kilometer langer Wanderweg. In unmittelbarer Nähe liegt ein Jugendcampingplatz mit Grillstellen und Sanitäranlagen. Eine kleine Insel im See dient dem Pflanzen- und Vogelschutz. Der Parkplatz am Stausee ist übrigens einer der bekanntesten Motorradfahrer-Treffpunkte im Odenwald.

Der zweite See des Odenwaldes, der Eutersee in Hesseneck-Schöllenbach ist zwar nur klein, dafür aber sehr romantisch. Die Odenwälder sagen über ihr, er sei der kälteste See in Hessen und wer einmal darin gebadet hat, kann das nur bestätigen. Der Eutersee ist ein wunderbares Ziel im Rahmen einer Wander- und Fahrradtour im Sommer. Dann freut man sich auch über das eiskalte, vom Bach gespeiste Wasser. Der Euterbach mit seinem sandigen Boden ist ein idealer Spielplatz für Kinder. Ein Jugendzeltplatz liegt in der Nähe. In den See fließt auch das Wasser aus einer starken Quelle. Sie war der heiligen Ottilie geweiht, ihr Wasser wurde früher gegen Augen- und Frauenleiden benutzt. Vielleicht hilft es ja auch heute noch.

Bademöglichkeiten bieten im Odenwaldkreis ansonsten nur die Schwimmbader, wovon es in jeder Gemeinde mindestens eins gibt, und wenn es nur ein erweiterter Feuerlöschteich ist. Zu den größeren gehört das Waldschwimmbad in Michelstadt. Es ist beheizt und wie der Name schon sagt umgeben von Wald. Vor ein paar Jahren wurde das Bad komplett renoviert und bietet von Rutsche bis Spielplatz alles einfach für das entspannte Familien-Badevergnügen. Geöffnet hat es von Mai bis September, täglich von 9 bis 21 Uhr, für Frühschwimmer von Juni bis August werktags von 6 bis 8 Uhr.

In der Nachbarstadt Erbach lockt mitten in der Stadt das 1924 erbaute und in den letzten Jahren renovierte Alexanderbad mit Wildwasserkanal, Massagepilz und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten im Trockenen, seit diesem Jahr auch mit Beachvolleyballplatz. Baden ist auch in der Kurstadt Bad König angesagt. Neben dem Freibad, um dessen Fortbestand sich ein Föderverein stark macht, lädt die Odenwald-Therme auch im Sommer ein. Wem es im Innenbereich zu warm ist, kann nach draußen schwimmen und die Dachterrasse lädt zum natürlichen Bräunen ein.(psi)

Mit Badeseen ist auch der Landkreis Miltenberg nicht gerade reich bestückt – aber es geschieht etwas. In Niedernberg zum Beispiel wird noch eifrig gebaggert, um bis Mitte Juni rund um die renaturierte Kiesgrube eine Erholungsfläche fertig zu stellen. Die Besucher erwarten hier vielfältige Möglichkeiten für die passive und aktive Erholung: Sandstrand und Biergarten, Beachvolleyballplatz und Kiosk sind auf dem großen Gelände geplant, sogar eine Tauchschule wird eröffnen. Der Eintritt ist frei, doch für das Parken auf den öffentlichen Parkplätzen wird im Sommer eine Gebühr erhoben.

Nur ein paar Kilometer weiter in Großwallstadt wird auch noch gebaut. Hier wird das bestehende Freibad gründlich restauriert und erweitert. Ob es wie geplant, ab Mitte Juni wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, hängt vom Baufortschritt ab. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Badesee mit Sandstrand. Daneben gibt es viel Platz für weitere Freizeitaktivitäten wie Beachvolleyball und Tischtennis.

Viele Möglichkeiten, außerhalb von Badeanlagen ins kühle Nass zu tauchen, gibt es also nicht; auch wenn vereinzelt zu hören ist, dass an manchen Stellen auch wieder im Main gebadet wird. Ein Trost für die, die solche Stellen nicht kennen mag sein, dass in den Frei- und Hallenbädern wenigstens für eine gute Infrastruktur wie Kioske, Bistros und Toilettenanlagen gesorgt ist. Und an solchen Bädern herrscht im Landkreis Miltenberg kein Mangel. Zum Beispiel in Miltenberg selbst: Wenn schon nicht in den Main springen, können die Besucher des Hallenfreibads Miltenberg wenigsten vom Becken aus auf den Main schauen. Die Außenanlage ist großzügig und ansprechend gestaltet, und wem es draußen immer noch nicht heiß genug ist, der kann sich in die „Saunalandschaft“ im Innern begeben.

Ebenfalls direkt am Main gelegen ist das schöne Klingenberger Freibad im Stadtteil Trennfurt. Bei Sonnenschein hat es täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet und wartet insbesondere mit einer Liegewiese von 19.000 Quadratmetern auf. Das Bad verfügt über ein großes Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken und ein Kinderplanschbecken in einem schattigeren Eckchen. Eine Attraktion für die Kinder ist die Großwasserrutsche, die auf 95 Metern Länge in die Tiefe führt. Das Bad ist günstig in der Nähe des Bahnhofs gelegen und vor allem auch mit dem Fahrrad gut zu erreichen, da es direkt am Radweg entlang des Mains liegt.

Auch das Erftalbad in Bürgstadt wartet mit einer riesigen Wasserrutsche auf und verfügt zusätzlich über einen Strömungskanal für die ganz wilden Schwimmer. Sollten im Sommer die Temperaturen runtergehen, kann das Erftalbad dennoch besucht werden: das Wasser ist beheizt. Bis 21 Uhr kann hier in der Sommersaison täglich geplanscht werden. Beachvolleyball scheint angesagt zu sein, denn auch hier gibt es einen eigens angelegten Platz dafür.

Auch abseits des Mains gibt es Bademöglichkeiten; so verfügt zum Beispiel Amorbach über ein schönes Freibad. Nur knapp konnte im letzten Jahr die Schließung verhindert werden, was dem Engagement der Bürger und dem eigens gegründeten Verein „Freunde des Freibades Amorbach 1921“ zu verdanken ist. Derzeit wird noch heftig saniert, doch wenn alles planmäßig verläuft, soll die Freibad-Saison in Amorbach am dritten Juni-Wochenende eröffnet werden.

Wer den Badespaß in Seen des badischen Odenwaldes sucht, wird leider auch nicht so ohne weiteres fündig. Wenn es denn Seen gibt, dann sind sie eher für die Angelfreunde freigegeben oder sie befinden sich in Naturschutzgebieten. Eine Ausnahme bildet der Badesee in Freudenberg im Main-Tauber-Kreis. Gegen eine geringe Eintrittsgebühr kann sich hier in dem aus natürlichem Quellwasser gespeisten See jeder sein Mütchen abkühlen. In dem 2,2 Hektar großen See befindet sich eine Insel, außerdem sorgt ein Sandstrand für Urlaubsstimmung. Für die Aktiven ist ein Beachvolleyballplatz eingerichtet, Rutschen, Sprungturm und Wasserpilz sorgen für weitere Zerstreuung. Neben dem Badesee gibt es einen zweiten See, der allerdings Naturschutzgebiet ist. Hier ist Baden also nicht erlaubt, aber auf einem ausgewiesenen Teil des Sees kann gesurft werden.

Im idyllischen Mühltal bei Buchen lockt das Waldschwimmbad alljährlich die Besucher an. In den Sommermonaten hat es täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Da es im Wald naturgemäß etwas schattiger und kühler ist, wird das Schwimmbecken auf 24 Grad beheizt. Vor allem für Familien ist das Waldschwimmbad ein idealer Ort, da auf die Bedürfnisse von Kindern bei der Planung besonders viel Rücksicht genommen wurde: Neben dem Kinderbecken gibt es einen Spielplatz und eine Spielwiese. Für die Eltern gibt es Liegen zur kostenlosen Ausleihe und wer vergessen hat, die Kühltasche zu packen, kann sich am Kiosk versorgen.

Bei Adelsheim laufen zwar die Flüsse Kirnau und Seckach zusammen, zum Baden eignet sich aber doch eher das Waldschwimmbad im Brünnbachtal. 2002 neu saniert, verfügt das Bad über ein solarbeheiztes Becken, das in einen Sprung-, einen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich aufgeteilt ist. Für die Kleinen sind zwei Planschbecken durch eine Wasserrutsche miteinander verbunden. (kro)

Eine Möglichkeit sich im warmen Neckartal abzukühlen bietet das Eberbacher Freibad. Mittelpunkt des Badezentrums ist das große, 50 Meter lange und fast 23 Meter breite, Hauptschwimmbecken. Abwechlung bieten ein Beach-Volleyball- und ein Basketball-Feld, ein Bolzplatz, Tischtennisplatten, Freiluft-Schach, eine Wasserrutsche und ein Sprungbereich ins kühle Nass. Mit drei Kinderbecken und einem Spielplatz für die Kleinen zeigt sich das Schwimmbad auch familienfreundlich. Und wer einfach nur Entspannung sucht, kann sich auf der riesigen Liegewiese tummeln, wahlweise mit Blick auf das Schwimmbad oder auf den direkt daneben liegenden Neckar und zum Beispiel das schon lange ins Auge gefasste Buch lesen. Kommt nach all dem schwimmen, planschen und den anderen sportlichen Aktivitäten Hunger oder Durst auf, sorgen ein Kiosk und ein Restaurant für Abhilfe. Auf der gemütlichen Terrasse kann die Stärkung dann in aller Ruhe eingenommen werden.
Um zum Schwimmbad zu gelangen gibt es neben den gewöhnlichen Verkehrsmitteln noch eine Besonderheit: Während der Freibadsaison steht an den Wochenenden und Feiertagen eine Fährverbindung zur Verfügung, mit der die Besucher aus der Stadt ans Schwimmbad gelangen können. Geöffnet hat das Bad montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr; samstags und sonntags 8 bis 20 Uhr.

Im Norden der Region wird es seenreicher. An den Mainhäuser Seen lässt sich der Badeaufenthalt hervorragend mit einer Entdeckungsreise rund um das Naturschutzgebiet verbinden. Diese Kombination von Baden, Erholung und Naturerlebnis zieht an sonnigen Wochenenden bis zu 10.000 Erholung Suchende in die an Bayern grenzende südhessische Gemeinde Mainhausen. Der Königsee in Zellhausen, der wegen seiner Schönheit seinen Namen dem Königsee bei Berchtesgarden verdankt, liegt in einer alten Flussniederung des Mains. Der weiche, fast weiße Sandstrand und das saubere Wasser, das regelmäßig untersucht wird, locken an heißen Tagen 3000 bis 4000 Besucher an. An den Sandstrand schließt sich eine Liegewiese mit vereinzelten Bäumen an, die den Gästen ausreichend Schatten geben. Ein Nichtschwimmerbereich ermöglicht auch unsicheren Schwimmern, sich abzukühlen. Und geht den Wasserratten beim Schwimmen einmal die Puste aus, können sie auf einer der Badeinseln verweilen und sich sonnen. Wer am ganzen Körper braun werden möchte, geht zum nördlichen Strandabschnitt. Hier aalen sich die FKK-Freunde hinter einer Hecke von Sträuchern. Bäume umgeben fast den ganzen See und vermitteln den Eindruck, mitten in der Natur zu sein. Jedoch inklusive den Errungenschaften der Zivilisationen, denn in einem Gebäude befinden sich Umkleidekabinen, sanitäre Einrichtungen sowie ein Kiosk.

Der Badesee Mainflingen bei Mainhausen, ein Baggersee, ist fünf Hektar groß und liegt inmitten der Mainflinger Seenplatte. Das Ufer ist steil, nur der Nichtschwimmerbereich ist flach. Zugang zum See findet man nur über den Badestrand. Benachbart liegen ein Naturschutz- und ein Anglersee. Hunde sind verboten, ebenso Wassersport – hier geht man baden oder schwimmen. Das Strandbad hat Duschen, Toiletten und Umkleidekabinen. Man badet mit Aufsicht. Ein Spielplatz ist vorhanden und bei Badewetter hat das Kiosk geöffnet. Das Strandbad Niederroden, ebenfalls ein Baggersee, liegt am Stadtrand von Rodgau, ist 18 Hektar groß und wird seit 1977 als Badesee genutzt. Das Ufer ist flach, teilweise terrassiert, denn die hellblaue Wasserfläche liegt rund 15 Meter unter Landschaftsniveau. Zugang hat man nur vom Badestrand. Sechs Schwimmpontons, Schattenspender, Verleih von Badebooten, Sonnenschirmen und sogar Aschenbecher, eine Kinderrutsche und ein schwimmender Sprungturm mit Ein-, Zwei- und Dreimeterbrett lassen kaum Wünsche offen. Die Freunde hüllenloser Sommerfreuden finden einen eigenen Bereich, größer als die Bekleidetenabteilung. Auch die jeweiligen Sanitärbereiche sind getrennt. Essen und Trinken sind am Kiosk oder im Restaurant erhältlich.

Am Langener Waldsee stehen den Wasserratten hundert Hektar Wasserfläche zum sommerlichen Freizeitvergnügen zur Verfügung. Der See ist von Wald umgeben, der zu Spaziergängen oder Radtouren einlädt und die Nähe zur Großstadt Frankfurt leicht vergessen lässt. Da die Ufer steil sind, ist das Wasser, dessen Qualität mit „gut“ bezeichnet wird, nur über den Badestrand zugänglich. Vier Rettungs- beziehungsweise Badeinseln sind im See verankert. Nahezu jede Art von Wassersport wird angeboten, Angeln, Segeln oder Windsurfen ist jedoch nur im jeweiligen Verein möglich, Gerätetauchen untersagt. Für Kleinkinder ist das Strandbad nur bedingt geeignet, ein Spielplatz aber vorhanden. Auch der Freikörperkultur steht nichts im Wege. Gegen Hunger und Durst helfen ein Kiosk und Grillstellen. Ein Campingplatz ist vorhanden, Dauercampen jedoch untersagt.

Der Badesee Hainburg bei Klein-Krotzenburg ist ein 7,5 Hektar großer Baggersee am Ortsrand, entstanden durch Sand und Kiesabbau. Das Ufer ist flach, das Wasser grau, ein Badestrand ist ausgewiesen und bietet Zugang zum See. Da man hier weder Segeln, Surfen noch Zelten darf, kann man Schwimmen und Baden unter Aufsicht in aller Ruhe genießen. Alle sanitären Einrichtungen sind vorhanden, für die Kleinen gibt es einen Spielplatz, gegen Hunger und Durst ein Kiosk. (psi)

Das Eberstädter Mühltalbad ist ein Wirtschaftswunderbad. Baustil: Ende der fünfziger Jahre. Atmosphäre: Erlebnisbad, leicht angestaubt. Superlative: Zehn Meter-Turm und ein verglastes Eintauchbecken für die Springer. Von Rand kann man durch Glas in das Eintauchbecken sehen. Damals eine Sensation, heute immer noch ungewöhnlich und interessant. Nirgends gibt es unterschiedlichere Liegeplätze. Zentral für die, die gesehen werden wollen, kuschelig und intim am Rand und in versteckten Ecken und Nischen, für die die in Ruhe gelassen werden wollen. Wer ganz oben am Rand des Geländes liegt, kann das ganze Bad überblicken. Balkone und Galerien animieren zum Spazieren. Obligatorische Kurvenrutsche. Doch das Bad lebt auch von etwas ganz anderem: Den nostalgischen baulichen Details. Wirtschaftswunderland, so hast du mal gebadet. Den ersten Eindruck vermitteln schon die hübschen Kassenhäuschen: Herrlich!

Laut ruht der See in Bensheim, Berliner Ring 100, Nähe Autobahnraststätte. Ein italienisches Restaurant. Dahinter Bensheims Badesee. Eingeschlossen von Autobahn und Berliner Ring. Was man hört. Leider. Es kann SEHR laut werden. Sandstrand, Badeinsel im See entschädigen etwas. Aber nicht viel. Ungepflegte Anlage, mehr Sand als Wiese. Uneben. Unfertig und halbherzig. Müll in der Landschaft. Dazwischen: sauber geplättete Wege, die an einem Augustnachmittag bei 33 Grad ohne Schuhe nicht mehr zu begehen sind. Kein schöner Badesee, dafür Bensheims einziger.

Darmstadts trübes Heiligtum: Der Woog. In Darmstadt gebietet alleine der Name Ehrfurcht. Könnte der Woog reden, in Darmstadt würde ihn jeder verstehen und mögen. Etwas abseits von der City liegt der idyllische Badesee und nennt sich „Naturfreibad Großer Woog.“ Liegewiesen an der Nordseite, Stege im Süden. Sonnenterrasse. So stellt sich der Nichtberliner den Wannsee vor. Und hat Recht: Der Woog hat viele nostalgische Details, ebensolche die Umkleidekabinen. Zehn-Meter Sprungturm, freilich so gut wie nie auf. Trübes Wasser, aber harmlos. Sagen die Behörden. Regelmäßig Treffpunkt und Debattierort für jene Ur-Darmstädter, denen das Darmstadt von heute nicht mehr gehört und nicht mehr behagt. Der Woog ist für sie die ideale Rückzugfläche. Das hehre Wort von der Badeanstalt macht gerne die Runde, wenn vom Woog die Rede ist. Und gäbe es eine „höhere Badeanstalt“, der Woog wäre eine.

„Baden verboten“ steht auf einem Schild schon an der Zufahrt zum bei Zwingenberg gelegenen Niederwaldsee. Die Angler haben das Gewässer vereinnahmt. Gebadet wird trotzdem. Trotz Bußgeldandrohung. Ob die je realisiert wurde, will die Stadt auf Anfrage nicht verraten. Das nährt Spekulationen. Dabei wäre das Baden so schön. Klasse Blick auf die Bergstraßenkette, wenig Lärm von der Autobahn. Das hat der Niederwaldsee seinem Bensheimer Pendant voraus. Der See hat es in sich. Er wird sehr schnell sehr tief und damit auch sehr kalt. Selbst im Hochsommer. Wundervoll bewaldete Uferhänge. An manchen Stellen hätte man „Harry Potter“ drehen können und die Zuschauer hätten es geglaubt.
Niederwaldsee zwischen Zwingenberg und Rodau, Zufahrt unweit der A5-Ausfahrt Zwingenberg, Richtung Rodau, Einfahrt direkt am dortigen Pendlerparkplatz. Dort parken, zehn Gehminuten bis zum See. Immerhin bei einem ist die Stadt konsequent: wo nicht gebadet werden darf, wird auch kein Eintritt verlangt.

Begrüßung brutal. Ein Anglerverein macht auf seine Rechte am Bickenbacher Erlensee aufmerksam. Hat sein Vereinsheim gleich an der Liegewiese. Von der aus man auf die pittoreske Insel mitten im See blickt. Am Erlensee zogen sich die Besucher in den siebziger Jahren zuerst aus. Anderorts waren Badehosen und Scham noch in Mode, am „Erle“ schon die Barbusigkeit. Plus blanke Hintern. Und mehr. Noch heute wird von den Angezogenen wild spekuliert, was wohl sommers auf der schwer einsehbaren Insel passiert. Rüber schwimmen und nachsehen würde ja helfen, doch damit tun sich Spekulierer schwer. Denn die Insel bietet nur von außen Schutz. Ist man drauf, geht es transparent zu. Der Weg entlang des Seeufers ist wunderschön. Poetisch, wild, manchmal regenwäldisch. Mischung zwischen Altrhein, Bergsee und Amazonas. Die DLRG ist nah, der See gut bewacht. Manche Nackte im Sommer allerdings auch. Abteilung Spanner: Die dichte Uferbewachsung bietet ihnen optimalen Schutz. An keinem anderen See an der Bergstraße wird so auffällig unverfänglich spaziert, wie am „Erle“. 
Die Zufahrt braucht Geduld. Zwar optimal ausgeschildert, aber lange. Dafür fahrradtauglich. Am See: Kiosk vorhanden, Preise: na ja. Es wird halt alles teurer. Nur die Preise für Verbotstafeln scheinen seit Jahren zu fallen. Nirgends gibt es eine ausführlichere Badeordnung und mehr Verbotstafeln als am Erlensee. SMSen ist gerade noch erlaubt, aber vielleicht schaltet man besser die Tastentöne aus. Wer weiß, wer sonst ein neues Schild aufstellt.

Traisa, ein Ortsteil Mühltals, ist schön. Sein kleines feines Schwimmbad ist noch schöner. Sein Erlebniswert eher bescheiden, aber ruhig gelegen. Idylle am Ortsrand, eine sehr gepflegte Anlage mit viel Landschaft drum herum. Der Wachturm steht plakativ am Beckenrand. Hier ist man in Sicherheit. Anderswo dünnt die Liegefläche sehr schnell aus, hier sieht es nach Allgäu-Almwiese aus. Das Bad ist defizitär, aber die Kommune hält das Badevergnügen tapfer aufrecht. Die Gemeinde sucht derzeit nach Wegen, das Defizit zu schmälern. Angedacht: Sponsorentafeln an den Zäunen anbringen. So es Sponsoren gibt. Badegäste: Irgendwo zwischen „Koronarsportgruppe“, „Wir wohnen gleich ums Eck“ und „Den Kindern gefällt es so gut“. Viel gibt es für die freilich nicht. Der erlebnishungrige Teil der Mühltaler kann ja in das nahe Eberstädter Mühltalbad gehen. Dort sind die Liegewiesen freilich hügelig. Kann ja auch schön sein. Im Traisaer Bad ist alles flach. Das sorgt für Übersicht. Da hätte es den Wachturm im DDR-Grenz-Design gar nicht gebraucht. Aber sicher ist sicher. Man ist schließlich in Traisa. Kompliziertes und schwer zu merkendes Öffnungszeitengeflecht: im Mai und September kürzer, zwischen Juni und August wiederum an Werktagen nicht einheitlich. Komplizierter geht es nicht.

Das „Mühlchen“ im Norden Darmstadts ist Kult. Dem Darmstädter Woog in vielem voraus. Nix zahlen, reinkommen, wohlfühlen, Ruhe tanken. Das Naturbad Arheilger Mühlchen empfängt mit Umkleidekabinen, die als Kulisse für Zwanziger-Jahre-Filme dienen könnten. So schön kann Badeambiente sein. Das vielleicht schönste Naturbad im Umkreis. Und eines der gepflegtesten. Liegewiesen, antiquierter Sprungturm. Alles stilecht. Ein optisches Bollwerk gegen die Reizüberflutung der verbauten modernen Seebäder. Ein Badetempel, der zum Flüstern erzieht. Hier stellt man freiwillig seinen MP3-Player leiser.

Vor einigen Jahren sollte das Freibad Jugenheim ganz geschlossen werden, ein Neubau an anderer Stelle her. Die Jugenheimer witterten einen Angriff auf ihre Seele und opponierten. Und siegten. Das Bad blieb, wurde aufwändig modernisiert. Dann war den Jugenheimern und dem eigens gegründeten Schwimmbadverein zum Erhalt des Bades das Wasser zu kalt. Auch der Skandal ging ohne dauerhafte Verschnupfung vorüber. Was bleibt sind horrende Unterhaltskosten und jedes Jahr zur Zeit der Haushaltsplanung im Rathaus die Frage „Wie lange noch?“ Um Kosten zu sparen wurden bereits die Öffnungszeiten verringert. Da opponierten die Frühschwimmer. Demnächst soll eine Solaranlage installiert werden. Sie soll Kosten sparen. Gegen sie hat noch niemand opponiert. Der Bestand des Bades ist wohl erst einmal gesichert. Zu hoch waren die Investitionskosten bei der Sanierung vor ein paar Jahren. Und, viel wichtiger: Die Jugenheimer lieben ihr Bad. So aufrichtig wie sonst kaum etwas. Es ihnen wegzunehmen, könnte Lokalwahlen entscheiden. Also lässt man es. Das Bad: Modern, aber außer einem Sprungturm (fünf Meter) kaum Attraktionen, dafür eine idyllische Lage, herrlich knöcherne Bäume, gepflegte Wiesen, großer Parkplatz. (bux)

Mitten im Wald (für Ortsunkundige nicht ganz leicht zu finden) liegt auf der Landesstraße 3094 zwischen Darmstadt und Dieburg der Waldsee „Grube Prinz von Hessen“. Die „Grube“, wie der See weitläufig genannt wird, ist seit vielen Jahren ein von der Stadt Darmstadt geduldetes Freizeitgelände ohne Aufsicht. Für kleine Kinder ist das Baden im See daher nicht zu empfehlen, auch, weil der See sehr schnell sehr tief wird. Vor allem Nackedeis tummeln sich auf der Liegewiese. Wer den Anblick so vieler unverhüllter kleiner Prinzen scheut, gesellt sich zur Bikini-Fraktion am südlichen Sandstrand. Ein Imbisswagen und Dixi-Toiletten bieten den einzigen Komfort auf dem Gelände, das Studenten ebenso anzieht wie Jugendliche und FKK-Fans älteren Semesters. Wespen sind an der Grube mangels Mülleimer leider ebenso häufig wie ältere Herren, die mit ihrem Fernglas die Aufgabe eines fehlenden Bademeisters zu übernehmen scheinen. In lauen Sommernächten ist an der Grube besonders viel los: Trotz Verbots flackern zwischen den sporadischen Kontrollen patroullierender Polizeibeamter Lagerfeuer, Musik aus Autoradios, Bongotrommeln, Gitarren und alkoholisierten Kehlen schallt über den dunklen See. Liebhaber des nächtlichen Badevergnügens treffen sich hier zur Enthüllung nackter Tatsachen. Denn auch für ganz private Momente bietet das Ufer einige lauschige Plätzchen.

Schon der Name lässt die geballte Ladung Fitness erahnen: Hochschulstadion im Hochschulsportzentrum Darmstadt. Doch der Anblick der gestählten und durchtrainierten Körper, die zumeist radelnd das Bad unweit des Böllenfalltorstadions in Darmstadt aufsuchen, lassen keinen Zweifel mehr:  Wer sich hier auf einem Badetuch in der Sonne räkelt, kann es sich leisten – vor allem körperlich. Zeit fürs sonnige Bad in der vor Vitalität strotzenden Menge scheint bei den überwiegend jungen Badegästen kein Problem zu sein: Die meisten sind Studenten der TU. Doch auch das gemeine Volk darf das Freibad inmitten einer Sportanlage besuchen. Für denjenigen, der noch mit seinem Winterspeck hadert, gleicht der Weg zum gekachelten Becken einem Spießrutenlauf. Wie auf einem Catwalk müssen die Besucher die nicht enden wollende Schneise auf der Wiese entlang laufen, die kritischen Blicke hinter unzähligen Sonnenbrillen ertragen, und die zahlreichen Sportfreaks, die trotz größter Hitze ihre Bahnen auf der angrenzenden Laufstrecke ziehen und mit deprimierender Ausdauer Volleyball spielen. Endlich am Becken angekommen, hat man einen optimalen Blick auf Liegewiesen und Sportanlagen. Und entdeckt sogar ein paar Leidensgenossen, die sich entgegen jedes Körperkults ein großes Eis am Kiosk gönnen – und damit viele neidische Blicke ernten. (sab)

 

     

 

 

 

  
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