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Ob homo oder hetero – das ist doch egal

Seit über 15 Jahren leitet Artur Back die Theatergruppe Mossautal, und das ausgesprochen engagiert und erfolgreich

Seit 31 Jahren gibt es die Trachtengruppe Mossautal und fast ebenso lange gehört Artur Back ihr an. Der inzwischen 44-Jährige war auch die treibende Kraft, als vor 16 Jahren innerhalb dieser Vereinigung eine Theatergruppe ins Leben gerufen wurde, ist seitdem deren Leiter und inzwischen auch Vorsitzender des Gesamtvereins. Gespielt werden bäuerliche Komödien, 16 Produktionen hat die Gruppe nunmehr schon auf die Bühne gebracht – und die großen Vorbilder sind der Kölner Willy Millowitsch und Heidi Kabel vom Hamburger Ohnsorg-Theater.
Gespielt wird jeweils von November bis April, überwiegend in Mossautal, im Saal des alten Dorfgasthauses „Zum deutschen Kaiser“, aber auch Auswärts in Erbach, Reichelsheim und Beerfelden. 14 aktive Schauspieler zwischen 22 und 50 Jahren gehören neben zahlreichen Helfern der Gruppe an. Die Frauen sind in der Überzahl und von den Männern, inklusive des Vorsitzenden, vier homosexuell – eine starke Quote. Das ist allen bekannt, aber niemals Thema in der Gruppe, in Mossautal oder anderswo – es hat etwas Selbstverständliches und kommt auch in den Stücken nicht vor. Männer spielen allerdings hin und wieder Frauenrollen. So auch Artur Back bei dem Stück „Tratsch im Treppenhaus“, das den großen Vorbildern gewidmet war und worin er die gleiche Rolle spielte wie in Hamburg Heidi Kabel. Die beiden Stars des Volkstheaters wären damals gerne der Einladung zur Premiere in Mossautal gefolgt, waren aber durch eigene Theaterarbeit verhindert und entschuldigten sich telefonisch.
Für kreisweites Aufsehen sorgte die Theatergruppe vergangenes Jahr, als sie das 30-jährige Bestehen der Trachtengruppe und das 15-jährige Jubiläum auf besondere Art und Weise feiern wollten: Mit einem Opernball nach Wiener Vorbild. Die Jusos gingen protestierend auf die Barrikaden, die Tageszeitung wurde mit Leserbriefen bombardiert – die Veranstaltung nahm im Vorfeld tatsächlich fast Wiener oder Frankfurter Charakter an. Schlussendlich ging der Erbacher Opernball als das über die Bühne, als was er geplant war. Als traumhaft schöner Jubiläumsabend im Walzertakt, mit hochrangigen Musikern, Debütanten und Kaiserpaar – eine Show der Theatergruppe für ihre Fans und zahlreiche Gäste. Durch den Hickhack im Vorfeld leider zu wenige, so dass unterm Strich ein fettes Defizit übrig blieb. An eine Wiederholung des Erbacher Opernballs ist dennoch gedacht, vielleicht schon im nächsten Jahr.
Wenn Artur Back nicht Opernbälle plant, die Theatergruppe leitet, Regie führt, die Maske macht oder selbst auf der Bühne steht, geht er seinem Beruf nach. Er ist seit 20 Jahren Krankenpfleger in Lindenfels. Auch dort ist seine Homosexualität bekannt, aber ebenfalls kein Thema. Gelernt hat der Mossautaler in Darmstadt. Während dieser Zeit war er auch vier Jahre in der Heinerstadt und in Frankfurt in der Szene unterwegs. Das braucht er heute nicht mehr. Er lebt in einer festen Beziehung mit seinem Freund Igor, gemeinsam in Arturs Elternhaus. Dem gebürtigen Russen drohte einmal der Verlust der Aufenthaltsgenehmigung, was aber durch einen binationalen Partnerschaftsvertrag verhindert wurde. Damit unterschrieb Artur, im Notfall für seinen Partner aufzukommen, ähnlich wie in einer Ehe. Längst ist Igors Aufenthaltsgenehmigung mit einem festen Arbeitsplatz abgesichert und der Antrag auf Einbürgerung in Arbeit.
Zwanzig Jahre lang fungierte Artur Back als Kassenwart der Hessischen Vereinigung für Tanz und Trachtenpflege, was ihm den Landesehrenbrief einbrachte. In Lindenfelser Krankenhaus, seinem Arbeitsplatz, ist er Vorsitzender der Mitarbeitervertretung. Er ist im Mossauer Kerweclub aktiv und in Sachen Theater engagiert er sich in Erbach, um die eingestellten Odenwald-Gastspiele wieder aufleben zu lassen. Da Operetten-Theater gibt es bereits wieder und wurde diese Saison von 650 Gästen besucht. Operette wünscht er sich auch für die Theatergruppe Mossautal, explizit das „Weiße Rössl“ – „aber es können nicht alle wirklich singen“. So bleibt es vorerst beim klassischen Schwank, in der besonderen Atmosphäre des Dorfgasthauses, mit maximal 70 Zuschauern dicht vor der Bühne und deftiger Bewirtung.
Einmal sind die Mossautaler vom Schwank abgerückt und brachten ein modernes Stück auf die Bühne, eine Satire aufs Fernsehen. Ältere Besucher waren begeistert, die jüngeren meinten: „Bleibt besser bei eurem Metier!“. Und da sind auch wieder, die begeisterten Schauspieler aus dem ganzen Odenwald, zusammengeschlossen in der Mossautaler Theatergruppe. Beim aktuellen Stück „Theater auf der Küchenbank“, vom Schwäbischen ins Deutsche und Hessische übertragen, geht es um ein sehr lokales Thema: Den Beginn des Fremdenverkehrs und Urlaub auf dem Bauernhof.
Gute Kontakte bis hin zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe besteht zur Theatergruppen in Grasellenbach, Rothenberg und Bad König sowie zu dem Odenwälder Theatermacher Alexander Kaffenberger. Die Kostüme für die Stücke stammen aus eigenem, stetig wachsendem Fundus. Fürs aktuelle Stück war wieder eine Neuanschaffung nötig: Die Tänzerin trägt ein Modell aus dem Beate Uhse-Shop. Zahlreiche Kostüme sind aber auch Leihgaben von den Theatern in Worms, Mannheim und Ludwigshafen. Er pflegt halt gute Beziehungen, der rührige und engagierte Chef der Mossautaler Theatergruppe – und diese genießt reihum hohe Anerkennung. Was interessiert da, ob jemand schwul oder hetero ist.
Eine Hetero-Beziehung hatte Artur übrigens auch einmal, mit 17 Jahren. „Meine damalige Partnerin ist hinterher ins Lesbenlager gewechselt“, erzählt er grinsend. Es war also für beide ein Ausrutscher. In gewisser Weise würde er das Thema Homosexualität auch gerne mal auf die Bühne bringen, mit dem Klassiker „La Cage Aux Folles“ – „Ein Käfig voller Narren“. Aber noch gibt der Berliner Verlag die Aufführungsrechte nicht an Laienspielgruppe heraus. Sehr bedauerlich, Artur wäre sicher ein hinreißender Albin - aber er bleibt dran.
Weitere aktive Mitspieler sind bei der Theatergruppe Mossautal gerne gesehen, egal ob männlich, weiblich, homo oder hetero. Interessenten können sich mit Artur Back, Mossautal, Tel. 06061 4737 in Verbindung setzen.

     

 

  
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