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Die Nation ist Fußball-balla-balla

         


Die WM regiert das Land - jedoch nicht zur Freude aller

Nun stecken wir mittendrin im Fußballfieber. Das Land zeigt ungewohnten Nationalismus und badet in schwarz-rot-gold. Jeder – angefangen von der Kanzlerin - hat plötzlich Ahnung von Fußball und äußert diese auch mehr oder weniger qualifiziert. Rund 500 Stunden Fußball beschert uns das Fernsehen innerhalb eines Monats, wobei die reine Spielzeit noch keine hundert Stunden ausmacht. Der Rest sind Wiederholungen, Geschwätz und Werbung. Ein Trost bleibt: Es geht vorbei!
Angefangen hat es jedenfalls gigantisch, eine Woche vor dem Eröffnungsspiel. Die Sky Arena in Frankfurt flimmerte um die Welt und beeindruckte diese zutiefst. Es war auch phänomenal, was die Videokünstler da auf Mainhattens Bankenhochhäuser zauberten. „Emotions united“ hießt das Spektakel und zeigte die elf großen Gefühle des Fußballs auf. Schlagworte wie Freude, Glück, Trauer, Enttäuschung, Ehrgeiz, Stolz, Respekt und so weiter wurden in mehreren Sprachen auf die Leinwände geschrieben, von entsprechenden Slowmotion-Bildern vergangener Weltmeisterschaften untermalt und der passenden Musik sowie O-Ton-Einspielungen von damaligen Kommentatoren begleitet. Die Gäste aus aller Welt wurden willkommen geheißen. Das Mainufer vibrierte, die Gefühle übertrugen sich auf die hunderttausende von Zuschauern. Als die Fußballhymne schlechthin - Never walk alone – erklang, war es Gänsehaut pur.
Da konnte die Eröffnungsfeier in München, unmittelbar vor dem Anstoß, bei Weitem nicht mithalten –aber bei der Veranstaltung in Frankfurt hatte ja auch weniger die Fifa als die Finanzkraft vom Main die Hände im Spiel. Das Eröffnungsspiel gewannen die Deutschen 4:2, gegen recht schwache Costa Ricaner keine große Fußballkunst und voraussehbar. Am zweiten Spieltage bevölkerten rund 40.000 Briten Hessens heimliche Hauptstadt und entgegen allen Befürchtungen blieb es friedlich. Von ein paar Wirthausschlägereien, die es in Frankfurt und anderswo jedes Wochenende auch ohne WM gibt, einmal abgesehen. Ob das wirklich mit den massiven Sicherheitsvorkehrungen zu tun hat, sei dahingestellt. Denn als die Briten ihre registrierten Hooligans ein Woche vor Beginn festsetzen wollten, fanden sie auf der Insel nur noch ein Drittel davon vor. Der Rest war schon längst in Frankfurt, meist besoffen, aber größtenteils absolut friedlich. Das lässt vermuten, dass die ganze Hysterie im Vorfeld doch etwas überzogen war – wobei sich ein abschließendes Urteil erst nach dem Endspiel fällen lässt.
Auf den 9. Juli, nach dem dann alles vorbei ist, freuen sich nicht nur die Fußballverweigerer, sondern jene, die das ganze Jahr über und nicht nur zur WM Fußballfans sind. Die vergangenen rund zwei Jahren Jahre vor dem Ereignis waren hart, Stadionverbot hieß das Schlagwort der Zeit. Und das wurde großzügig verhängt, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein reichte dafür voll und ganz aus, man musste nicht wirklich etwas Verwerfliches getan haben. All diese Leute, denen damit ihr Sport genommen wurde, hatten auch während der WM zu kämpfen, mit Meldeauflagen, Aufenthaltsverbot auf öffentlichen Plätzen, die im Zusammenhang mit der WM stehen, in Frankfurt zum Bespiel Römer, Bahnhofsviertel, Mainufer und Sachsenhausen.
In der Woche zuvor bewegte ein Skandalurteil des Verwaltungsgerichts des Saarlandes die deutschen Fanszene: Demnach muss eine weibliche Stadionbesucherin es sich gefallen lassen, auf Verlangen der Polizei einen Strip hinzulegen. Denn: Die Staatsgewalt kam zu der Erkenntnis, dass es die unauffällige, weiblichen Fußballfans jeden Alters sind, die pyrotechnische Gegenstände in ihren Dessous in Stadion schmuggeln (das Urteil im vollen Wortlaut ist auf www.outback-magazin. de zu finden). Fußballfans scheinen im Bundesliga-Alltag grundsätzlich kriminell zu sein und dürfen entsprechend behandelt werden. Ein Hamburger Fan saß knapp drei Monate in bayrischer Untersuchungshaft, weil er nicht zugeben wollte, dass er etwas getan hat, was er nicht getan hat. An Auseinandersetzungen war er nicht beteiligt – er hatte eigentlich nur den Bus für die Auswärtsfahrt organisiert. Die Liste der fragwürdigen Vorkommnisse ließe sich beliebig fortsetzen – und unter diesem Aspekt grenzt es fast an ein Wunder, wenn es bis zum Endspiel tatsächlich nicht zu größeren Unmutsbekundungen mit den entsprechenden Ausschreitungen kommt.
Aber die WM geht vorüber und vielleicht kommt ein wenig Normalität zurück. Gewaltbereite Leute gibt es im Umfeld aller Vereine –aber die offizielle Zahl von über 10.000 Hooligans in Deutschland scheint doch etwas übertreiben.
Feiern wir also das Fußballfest zu Ende und teilweise macht es ja auch wirklich Spaß. Eine gute Adresse, um als Freund den Gästen aus aller Welt zu begegnen, ist die Main Arena am Frankfurter Mainufer. Hier kommen sie jeden Tag zusammen, gleichgültig ob im Waldstadion ein Spiel auf dem Programm (nur noch das Viertelfinalspiel am 1. Juli) steht oder nicht. Auf der schwimmenden Leinwand werden alle Paarungen gezeigt und drumherum fröhliche, internationale Partys gefeiert. Das sollte man sich wenigstens einmal geben – es ist ja schließlich nicht allzu oft WM im eigenen Land.

   

 

  
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