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Das Outback-Kultur-Ereignis des Jahres 2005

Stockflame, ein Film über Hessen, von Hessen und mit Hessen in Hessen gedreht

Das gibt es noch nicht einmal alle Schaltjahre: Ein Film zu einem hessischen Thema, von Hessen mit Hessen in Hessen gedreht. Dieses Jahr erschien solch ein Werk und flimmerte im September erstmals über die Kinoleinwand. „Stockflame“ heißt der Streifen und handelt von der hessischen Legende des Ritters von Rodenstein. Seine Macher, Chris M. Peckham und Ludwig Szebel, gemeinsam „little motion studio GbR“, haben ihren Sitz in Darmstadt, auf der Besetzungsliste finden sich namhafte Hessen wie Bodo Bach, Dieter Thomas. Hendrike von Sydow, Walter Renneisen, der hr-Latelounger Roberto Cappelluti und viele andere mehr. Gedreht wurde an den Originalschauplätzen und in deren unmittelbarer Umgebung: In Fränkisch-Crumbach an der Burgruine, einst Stammsitz der Rodensteiner, auf der Burg Breuberg, im  Ostertal, in Reinheim – also ausnahmslos in Südhessen.
Ein Film über den Ritter von Rodenstein – da denkt man doch gleich an Heimatfilm mit dokumentarischem Hintergrund. Aber weit gefehlt – für den Heimatkundeunterricht ist der Streifen nur bedingt geeignet. Er dient mehr der Unterhaltung. Die Macher kombinierten Geschichtsträchtiges mit schräger Comedy und nennen das Ganze „Trash-Fantasy-Heimatabenteuer“. Und das trifft es auch.
Der Zeitrahmen des Films erstreckt sich über 500 Jahre. Damals, im Jahr 1505 begab sich der Ritter von Rodenstein (Roberto Capelutti) auf den Weg zum teuflischen Holzdoktor (Dieter Kögel), um ihn zu besiegen. Das böse Wesen entführte seit Jahrhunderten die Söhne des Landes, belegt sie mit einem Fluch und rekrutiert die hilflosen Jungs für seine dunkle Armee. Aber der Rodensteiner gerät mit seinen Mannen in einen Hinterhalt, wird von seinem Widersacher schwer verletzt und im letzten Moment von einem kleinen Jungen gerettet. Der Feuerjunge (Joshua Fenslau) besitzt einen Stock, mit dem er ein magisches Licht erzeugt, das alle Wesen mit schwarzer Seele erblinden lässt.
Der Rodensteiner stirbt trotz der guten bäuerlichen Pflege von Hendrike von Sydow und Dieter Thomas, aber schwört zuvor, den Holzdoktor auch weiterhin zu jagen. Der Geist des Rodensteiners findet nun mal keine Ruhe, denn bereits zuvor verfluchte ihn seine Frau. Sie, hochschwanger, wollte ihn auf dem Weg in den Kampf zurück halten. Er stieß sie von sich, worauf sie unglücklich fiel und mit ihrem ungeborenen Kind starb. Der Gatte sollte – wie es auch die Legende besagt - nach seinem Tod als rastloser Geisterritter mit seinem Geisterheer durch die Lüfte jagen und den Krieg ankündigen, wann immer dieser vom Rhein her droht.
500 Jahre später treibt der Holzdoktor noch immer sein Unwesen und entführt die Söhne der Region. Die Menschen, an diesen Zustand gewöhnt, unternehmen nichts. Die Furcht ist zu groß, keiner besitzt den Mumm, sich gegen den Holzdoktor zu behaupten. Bis der Vater eines entführten Kindes Matthew Stockflame (Eric J. Kolbe) – einen etwas tölpelhafter Supermarktkassierer und Nachfahre des Feuerjungen – bittet, ihm zu helfen und den Sohn zurück zu holen. Stockflame glaubt zwar nicht an seine außergewöhnliche Kraft, aber sucht und findet den magischen Stock und macht sich auf den Weg. Es versteht sich von selbst, dass er dabei Unterstützung hat: Der Geist des Ritters von Rodenstein begleitet ihn.
Dass Stockflame und seine Begleiter aus dem Supermarkt in einem Müllauto in den Krieg ziehen, ist einer von zahlreichen, den Film durchziehenden Ansätzen in Richtung Trash-Comedy. Eine weiter köstliche Szene aus diesem Bereich: Bodo Bach trifft in einem Buswartehäuschen auf den Tod und kommuniziert mit dem Sensenmann („Du Babbsack!“ ebenso flapsig wie mit seinen Telefonopfern.
Natürlich besiegt Stockflame mit seinem Zauberstab und der geschichtsträchtigen Unterstützung den bösen Holzdoktor und die Kinder werden befreit. Allerdings ist der Sieg nicht endgültig. Der Holzdoktor ist zwar seiner Armeen beraubt, aber entkommt – um zu gegebener Zeit sein Unwesen fortzusetzen. „Nehmt Euch in Acht, ihr Menschen im Odenwald!“ ertönt die Stimme des Erzähler (Walter Renneisen) schicksalsschwanger zum Schluss.
Bei einem Hollywood-Streifen würde man sagen: Der Grundstein für Teil zwei. Aber der steht derzeit noch nicht auf dem Plan von Chris M. Peckham (27) und Ludwig Szebel (21). In Vorbereitung ist vielmehr die Open-Air-Tournee für das kommende Jahr, die durch ganz Südhessen führen soll. Erst dann findet das Erstlingswerk der beiden Autodidakten, das 2001 seinen Anfang nahm, seinen krönenden Abschluss.
Vier ganze Jahre dauerte es von der Idee bis zur Fertigstellung, obwohl der Film selbst im Dezember 2004 in nur zehn Tagen abgedreht war. Viele Ideen kamen anfangs zusammen, wovon annähernd viele auch wieder verworfen wurden. Ursprünglich sollte der Streifen beispielsweise in Englisch mit hessischen Untertiteln gedreht werden. Auch die Rollenbesetzung nahm ihre Zeit in Anspruch. Gage gab es nicht, Idealismus und Lust auf schräge Sachen war gefragt. Davon hielt Götz George, der erste Wunschkandidat für die Rolle des Rodensteiners, offenbar nichts, seine Agentur sagte ab. Sofort dabei war hingegen Roberto Capelutti und bewies bei den Dreharbeiten außerordentliche Geduld, ob beim Warten im warmen Aufenthaltsraum oder beim Dreh auf kaltem Waldboden. Weitere Mitstreiter fanden die beiden Initiatoren schlussendlich in der Unterhaltungsbranche in Hessen und darüber hinaus. Ob Dieter Thomas  und Hendrike von Sydow vom Frankfurter Fronttheater, Robert Kreis, Bodo Bach oder Bernhard Hoecker – sie besitzen offenbar den nötigen Humor, um auch mit insgesamt 45 Skript-Entwürfen klarzukommen.
Was die Fertigstellung des Films zudem verzögerte, war das leidige Geld, das auch für ein „No-Budget-Project“ unverzichtbar ist. Von den Eltern kam Unterstützung. Aber das reichte bei Weitem nicht. Klinkenputzen bei rund 300 Firmen stand an und schlussendlich auch die Finanzierung durch Sponsoren- und Spendengelder. Als engagiertester Sponsor erwies sich die Volksbank Odenwald. Reinhard Hastert, Marketingleiter des Geldinstitutes sah hier eine wahre Möglichkeit des Kultursponsorings, ließ sich – selbst begeisterter Cineast – nicht lange bitten und leistete finanzielle Unterstützung.
Natürlich versuchten die jungen Filmmacher ihr Glück auch bei der Filmförderung der Landesregierung. Schließlich gibt es in Hessen diese Möglichkeit der finanziellen Förderung und im Produktionsjahr 2004 wurden in diesem Bundesland nicht so viele Filme produziert. „Stockflame“ dürfte gar der einzige gewesen sein. Dennoch gab es kein Geld, die Mittel waren verplant. Denn: Bei diesem Kulturförderprogramm zählt nicht der hessische Standort der Produzenten, Geld gibt es auch für Auswärtige aus anderen Bundesländern, sobald auch nur ein Drehtag innerhalb der hessischen Landesgrenzen auf dem Programm steht. Somit können sich einige Bundesländer diese Gelder sparen und die dort ansässigen Filmproduzenten in Hessen abkassieren. Rein hessische Produktionen wie „Stockflame“ und seine jungen, noch unbekannten Macher schauen da halt in die Röhre.
Aus Kostengründen mussten sich die Jungfilmer auch von der 35-Millimeter-Kopie verabschieden, der Film entstand digital, die Uraufführung in Darmstadt lief über einen Video-Beamer. Eine weitere kostenintensive Hürde: Die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK). Derzeit darf der Film nur vor über 18-Jährigen öffentlich gezeigt werden, obwohl nicht eine Szene in dem Film als jugendgefährdend bezeichnet werden kann. Aber die Freiwillige Selbstkontrolle ist Pflicht und kostet nicht wenig. Hinzu kommt, dass „Stockflame“ in keine Schublade passt. Mit seinen rund 20 Minuten ist er zu lang für einen Kurzfilm (bis 15 Minuten) und zu kurz für einen normalen Film (Minimum 30 Minuten). Aber auch diese Hürde dürfte und muss bis zur geplanten Open-Air-Tour genommen sein.
Dann erwartet die Südhessen neben dem Film und einem Beiprogramm aus Kabarett und Kleinkunst auch das „Making off“. Deutlich länger als der eigentliche Film, aber nicht minder unterhaltsam werden darin Beweggründe für den Film sowie Hürden und Probleme während der Dreharbeiten erläutert, auch kommen einzelne Stars der Besetzungsliste zu Wort. Irgendwann soll der Streifen auch im Hessenfernsehen laufen und schlussendlich als DVD erscheinen.

Nähere und aktuelle Informationen zum Film und der geplanten Tour: www.stockflame.de

Text: Liane Probst-Simon / Fotos: Little motions studio

 

     

 

  
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