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Klassenerhalt ist Pflicht

         


Die Diva macht es wieder spannend bei ihrem Kampf um die Erstklassigkeit

Seit einem Jahr spielt die Eintracht wieder in der obersten deutschen Spielklasse und spätestens am 13.Mai steht fest, ob die Diva vom Main den Klassenerhalt schaffen wird. Eigentlich ist davon auszugehen, notfalls gibt es am letzten Spieltag wieder das übliche Wunder vom Main. Aber es besteht auch noch die Hoffnung, dass das Herzschlagfinale vermieden werden kann und die Eintracht ihre nötigen Punkte ausnahmsweise mal weniger spektakulär zusammen bekommt.
Es war ein harter Kampf für den Aufsteiger, das Ankommen in der ersten Liga. Die härtesten Gegner standen gleich zu Beginn der Hinrunde auf dem Programm, die Eintracht rutschte in der Tabelle ganz nach unten. Bis die gleichwertigen Gegner anstanden und das Team – parallel zum erfolgreichen Weiterkommen im Pokal - auch im Wettkampf um die Punkte einen Lauf hinlegte. Gegen Ende der Rückrunde kamen bei den Fans gar Träume vom Uefa-Cup auf. Ganz so rosig blieb es jedoch nicht, aber immerhin verhinderten die angesammelten Punkte das totale Abrutschen der schlechtesten Rückrundenmannschaft. Denn wieder kamen erst die starken Gegner – und auch mit den schwächeren war es nicht so einfach für das junge Team um Friedhelm Funkel, das, zusätzlich vom Verletzungspech geplagt, oft mit Notbesetzung auflaufen musste.
Das Restprogramm wird unter diesen Bedingungen sicher kein Spaziergang, aber es ist zu schaffen. Zumal der Garant für Heimsiege für den Rest der Saison seine Anwesenheit bei den Spielen zugesagt hat: Attila, der wunderschöne Steinadler und Maskottchen der Frankfurter Kicker, wird sich kein Heimspiel mehr entgegen lassen und immerhin hat die Eintracht noch nie verloren, wenn Attila persönlich im Stadion war.
Die Diva wird also erstklassig bleiben – ihre Fans sind das sowieso, egal in welcher Liga. Ginge es bei der Punkteverteilung nur darum, dass die Ränge von zahlreichen, lautstarken Fans gefüllt sind, stünde die Eintracht ganz oben in der Tabelle. Denn: Egal, wo die Diva spielt, bei den TV-Übertragungen hört man nur den vertrauten Support aus dem Gästeblock. Die überwältigende Kulisse daheim fordert den gegnerischen Fans tiefen Respekt ab, der Hexenkessel Waldstadion ist bundesweit berühmt und gefürchtet. Die Fans stehen hinter ihrem Team, auch wenn es nicht ganz so glücklich läuft – aber das war ja schon in der zweiten Liga so.
Erstklassig ist auch der Internetauftritt der Eintracht, weltweit die am häufigsten frequentierte Seite eines Fußballvereins. Alleine im Forum holen sich Tausende von Fans aus der ganzen Welt Informationen und pflegen Kontakte und Freundschaften. Schwächen der Seite wie die doch recht häufigen Ausstiege haben technische Ursachen, auch spielt da ein Mangel an Manpower mit. Dieser Internetauftritt verursacht kaum Personalkosten und für ein Low Budget Projekt auf überwiegend ehrenamtlicher Basis ist er verdammt gut. Bleibt zu hoffen, dass der Eintracht die Wichtigkeit dieser digitalen Visitenkarten irgendwann einmal bewusst wird und in Sachen Server und Manpower ein Upgrade vorgenommen wird.
Erstklassig ist natürlich auch das schöne neue Waldstadion – der Rasen allerdings nur, wenn die Jungs der Galaxy ihn nicht grad wieder in einen Rübenacker verwandelt haben. Abstriche an der Bescheinigung der Erstklassigkeit müssen allerdings hinsichtlich Catering und Ordnungsdienst gemacht werden. Oft eher nervig sind die Ordner am Einlass, hier regiert die Willkür, manche halten es auch für Dummheit. Der eine Besucher gelangt mit der Bierdose in der Hand unbehelligt in den Block, der andere muss sich fast ausziehen, wird von oben bis unten abgetatscht und so professionell gefilzt, dass DDR-Grenzer vor Respekt erstarrt wären. Aussehen, Alter und Geschlecht sind übrigens keine Kriterien, die Einfluss auf die Art der Kontrolle nehmen. Den jüngeren Fans macht das vielleicht weniger aus, ältere nervt es schon, bei jedem Stadionbesuch wie ein Verbrecher behandelt zu werden.
Ebenfalls nicht grad erstklassig ist das Catering im Stadion, sehr teuer, aber nicht wirklich gut. Beschwerden an die Catering-Firma werden mit einem Standardbrief beantwortet, das Personal würde noch geschult werden, heißt es darin, aber besser geworden ist im Laufe des Jahres nichts. Von vielen Fans wird das Angebot ebenso boykottiert wie die Pay-Clever-Card, ohne die es im Stadion sowieso nichts zu Essen und zu Trinken gibt.
Auch dem Engagement der Fans ist es zu verdanken, dass außerhalb des Stadions die Verpflegung in guter Qualität noch gewährleistet ist. Stände, die schon seit Jahrzehnten die Fans abfüttern, sollten zu Gunsten des Stadioncaterers verschwinden, darunter Institutionen wie Frau Wach am Kult-Treffpunkt Gleisdreieck und der Bratworscht-Walther an der Straßenbahnhaltestelle. Unterschriftenlisten, Demos und das Interesse Frankfurter Medien sorgten schlussendlich doch für Vertragsverlängerungen der freien Imbissbetriebe.
Alles andere als erstklassig präsentiert sich auch nach wie vor die Parkplatzsituation. Vier Euro kostet der Spaß. Bei Regen ist das Waten durch den Schlamm inbegriffen und das Auto muss hinterher in die Waschanlage. Auch stehen die Parkplatzwächter nur zum Abkassieren zu Dutzenden herum, nach dem Spiel sind sie nicht mehr zu sehen und jeder darf zuschauen, wie er aus dem unorganisierten Abfahrts-Chaos wieder herauskommt. Ist das Stadion voll, muss man allein eine Stunde einkalkulieren, um vom Parkplatz bis zum nahe gelegenen Autobahnanschluss zu kommen.
Aber all diese negativen Begleiterscheinungen werden die Fans nicht daran hindern, weiterhin zu ihrem Team zu stehen, kein Spiel zu versäumen – und am 13. Mai den Klassenerhalt zu feiern. Und wenn die Erstklassigkeit bei der Eintracht dann erst einmal Standard ist, relativieren sich vielleicht auch die Schwächen im Umfeld noch.

   

 

  
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