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Nieeee mehr zweite Liga.....

Eintracht Frankfurt ist wieder im Fußball-Oberhaus angekommen,

aber mit getrübter Aufstiegsfeier

Nun ist sie wieder dort, wo sie hingehört, die Frankfurter Eintracht: In der ersten Bundesliga! Zum dritten Mal innerhalb ihrer über hundertjährigen Geschichte stieg sie ins Oberhaus auf, diesmal direkt, ein Jahr nach dem Abstieg, und souverän mit vier Punkten Vorsprung. Also hatten der Verein und vor allem die Fans am letzten Spieltag der Saison allen Grund zum Feiern. Der Spaß wurde jedoch erheblich getrübt. Vor allem bei jenen Fans, die auch zu weniger erfolgreichen Eintrachtzeiten die Spiele im Waldstadion verfolgten oder das Team zu Auswärtsspielen begleiteten – und, als „zwölfter Mann“ für den bundesweit bekannten, akustisch überwältigenden Support ihrer Elf zuständig sind.

Zu finden sind diese treuen Fans auf den Stehplätzen in der Westkurve, dort, wo am letzten Saisonspieltag eine Hundertschaft der Polizei in den Block 40 einmarschierte. Um zu verhindern, dass nach Abpfiff der Platz gestürmt wird. Dies drohte zu geschehen, als ein Ordner ein Tor öffnete, um einen von in Richtung Zaun stürmenden Massen verletzten Kollegen in Sicherheit zu bringen. Dass in diesem Moment die hauptberuflichen Sicherheitskräfte in den Block einmarschierten, ist noch nachvollziehbar. Aber ob der Einsatz von Gummiknüppeln und Pfefferspray seitens der Polizei - auch gegenüber harmlosen Zuschauern – unbedingt nötig war? Natürlich sind die Fans der Eintracht wahrlich keine Unschuldsengelchen. Sie als Hooligans zu bezeichnen, wäre allerdings auch überzogen. Wie bei allen Fußballvereinen gibt es auch im Fanbereich der Eintracht junge Menschen, die mangelnde Hirnmasse mit zu viel Alkohol wettmachen und sich dann gegenseitig hochschaukeln. Fans grundsätzlich zu kriminalisieren, ist jedoch maßlos überzogen, denn in erster Linie handelt es sich hier um Sportbegeisterte. Deeskalation wäre in diesem Fall sinniger gewesen als diese provozierende Machtdemonstration.

Auf noch weniger Verständnis – auch bei unbeteiligten Anwohnern – stieß der sich anschließende Polizeieinsatz in Sachsenhausen. In Frankfurts Ebbelwoi-Hochburg werden traditionell die Siege und Aufstiege der Eintracht gefeiert. Als die Fans vom Empfang auf dem Römerberg nach Alt-Sachsenhausen pilgerten, war der Bundesgrenzschutz schon da, wegen einer Rauferei unter den Fans. Ob eine Wirtshausschlägerei eine Hundertschaft zur Schlichtung bedarf, sei dahin gestellt. Was sich daraus entwickelte, war Straßenkampf ähnlich wie in den Siebzigern (in denen es allerdings noch weniger um Fußball ging). Augenzeugen berichteten: „In der Bembelbar in der Klapper (Stammlokal der Eintrachtfans) gab es eine kleine Kabbelei zwischen Fans. Nichts Wildes. Der Streit war schon fast beigelegt, dann rückte die Polizei an. In voller Kampfmontur. Die haben versucht, die Streithähne zu ermitteln, haben auf sie eingeprügelt, dabei auch viele Unbeteiligte erwischt“.

Dann ging es wohl ganz schnell. In der Klappergasse bilden sich Gruppen, sie gingen auf die knüppelnden Polizisten zu, warfen mit Flaschen und Gläsern. „Die Polizei ist mit schuld daran, dass es zu diesen Krawallen kam. Zum Schluss schlugen sie wahllos auf jeden ein. Meine Freundin hat einen Schlagstock in die Rippen bekommen, ich hatte Reizgas in den Augen.“ Ein anderer: „Ich sah Leute, die sich mit erhobenen Händen an die Wand stellten, um damit zu signalisieren dass sie keinen Ärger wollten. Doch die Polizei hatte nichts Besseres zu tun als auch auf diese Leute einzudreschen“.

In einem offenen Brief wandte sich der Vorstand der Eintracht-Fan- und Förderabteilung an die Verantwortlichen und verlange Antworten auf die Fragen, warum Alt-Sachsenhausen stundenlang hermetisch abgeriegelt wurde, warum Unbeteiligte mit maulkorblosen Polizeihunden durch die Gassen der Altstadt gejagt wurden, warum Reizgas an öffentlichen Orten mit großem Publikumsverkehr eingesetzt wurde und warum die mit neun Gästen besetzte Gaststätte „Klapper 33“ um 5 Uhr morgens mit einem Einsatzkommando gestürmt wurde.

Die Polizei rechtfertigte am Tag darauf ihr, von Dutzenden von Zeugen angeprangertes, hartes Vorgehen, wies aber alle Vorwürfe von sich. Frankfurts Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt verteidigte den Einsatz als verhältnismäßig, ebenso der Einsatzleiter im Stadion, Jürgen Moog: „Die Polizei darf den Fans keine rechtsfreien Räume überlassen, in denen sie tun und lassen könnten, was sie wollen. Das gilt sowohl für Alt-Sachsenhausen als auch für die Fan-Kurve im Stadion“. Und der Polizeipräsident versprach: „Die Polizei freut sich über den Aufstieg der Eintracht und ist gerne bereit, auch bei künftigen Spielen mit oder ohne Schlagstock aktiv zu werden“. Das kann ja noch heiter werden!

Allerdings ist der Konflikt zwischen Fußballfans und Polizei kein reines Frankfurter Problem, vielmehr zieht es sich seit einiger Zeit durch die ganze Republik. An sämtlichen Spielorten ist von überzogenen Polizeieinsätzen die Rede. Ein Reporter beim Spiel Bayern München – Nürnberg ließ sich gar zu der Aussage hinreißen: „Die sehen aus wie Hooligans, die benehmen sich wie Hooligans, aber auf dem Rücken steht Polizei!“ Das hat offenbar alles mit dem „Null-Toleranz-Programm“ hinsichtlich der anstehenden Weltmeisterschaft zu tun. Es ist ja verständlich, dass zu diesem Ereignis keine gewaltbereiten Hooligans erwünscht sind, aber es scheint, als wolle man auch die ganz normalen Fußballfans aus den Stadien vertreiben. Nur: Das sind diejenigen, die für die unvergleichliche Stimmung auf den Rängen sorgen und ohne diese verliert das Live-Erlebnis Fußball nun mal an Attraktivität.

Aber unabhängig davon – die WM geht schließlich auch vorüber – sollte die Freude über den Aufstieg der Eintracht im Vordergrund stehen. Immerhin ist diesmal kein Durchmarsch nach unten zu befürchten. Trainer Friedhelm Funkel formte aus dem zusammen gewürfelten, jungen Haufen eine homogene, hochmotivierte Mannschaft, die auch im Oberhaus bestehen kann. Außerdem spielt das Team zu Hause nun nicht mehr auf einer deprimierenden Baustelle, sondern im schönsten Cabrio der Welt, dem neuen Waldstadion. Anfang August startet die neue Saison und man kann – auch mit Kindern - die Spiele völlig angstfrei besuchen. Die Eintracht-Fans sind besser und deutlich friedlicher als ihr Ruf. Und es muss ja nicht unbedingt Block 40 sein - wobei dort die Polizeipräsenz am größten ist. Nur ob das tatsächlich ein Grund zur Beruhigung ist, scheint nach den Vorkommnissen zum Saisonende eher fraglich.

Der offen Brief der Eintracht-Fan- und Förderabteilung steht unter anderem im Internet unter http://www.eintracht.de/forum/list.php?thread=10897454, in diesem und weiteren Threads des Forums sind auch zahlreiche Augenzeugenberichte zu den Vorfällen im Fanblock und in Sachsenhausen zu finden.

 

 

 

 

 

 

 

Verboten: Bengalos – wie hier beim Abschied von der alten Gegentribüne – können wunderschön atmosphärisch sein, allerdings nur in verantwortungsvollen Händen. In den meisten Stadien sind sie inzwischen verboten, vorrangig, weil irgendwelche Idioten es nicht beim Abbrennen belassen konnte, sondern die Teile als Wurfgeschossen Richtung Spielfeld zweckentfremdeten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Prophezeiung der Ultras: Bei Baubeginn im Waldstadion machten sich die Befürchtungen breit. Bis zur WM-Eröffnung steht wohl fest, ob die Ultras damit Recht behalten.

Auch das ist Waldstadion:
Eine Digitalkamera, verloren auf Parkplatz Gleisdreieck, wurde von einem Fan gefunden – der alle Bemühungen unternahm, den Verlierer ausfindig zu machen, um das gute Stück zurück zu geben. Auch ein verlorener Geldbeutel mit allen wichtigen Papieren, inklusive Dauerkarte, tauchte wieder auf – diesmal fungierte die Polizei als Finder, Freund und Helfer. Es geht also auch ausgesprochen freundschaftlich und hilfsbereit zu, in dieser großen Eintracht-Familie und nichts geht wirklich verloren, außer hin und wieder ein paar Punkte.

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